Zeit 13.03.2026
01:34 Uhr

Wohnungslosigkeit: Zahl wohnungsloser Jugendlicher steigt auf Höchstwert


Innerhalb von drei Jahren hat sich die Zahl der Minderjährigen ohne Wohnung in Deutschland verdreifacht, zeigen Daten der Bundesregierung. NRW ist am stärksten betroffen.

Wohnungslosigkeit: Zahl wohnungsloser Jugendlicher steigt auf Höchstwert
Die Zahl der Minderjährigen ohne Wohnung in Deutschland hat sich zwischen 2022 und 2025 fast verdreifacht. Das geht aus einer Antwort des Bundesbauministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linken hervor, die dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt. Zuerst hatte die Rheinische Post berichtet. Laut den Daten galten zum 31. Januar 2025 bundesweit mehr als 137.000 Jugendliche unter 18 Jahren als wohnungslos. Zum Vergleich: Ende Januar 2022 waren es mit rund 47.000 noch deutlich weniger, zeigen die Regierungsdaten. Auch die Zahl der jungen Erwachsenen unter den Wohnungslosen erreichte einen neuen Höchstwert. Den Angaben zufolge galten im Januar 2025 rund 55.700 Menschen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren wohnungslos. Drei Jahre zuvor habe die Zahl noch bei knapp 18.800 gelegen. Als Gründe für den Anstieg nannte die Bundesregierung unter anderem die Zahl geflüchteter Menschen aus der Ukraine, die seit 2023 erfasst wurde, sowie eine "Verbesserung der Datenmeldung durch die beteiligten Stellen". Die meisten wohnungslosen Jugendlichen leben in NRW Die meisten wohnungslosen Minderjährigen gab es laut dem Ministerium im vergangenen Jahr im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen (rund 31.700), gefolgt von Baden-Württemberg (29.500) und Berlin (15.700). In vielen Kommunen fangen Hilfsunterkünfte wohnungslose Menschen inzwischen länger auf als in der Vergangenheit. Im Schnitt waren wohnungslose Teenager zwischen 14 und 18 Jahren im vergangenen Jahr fast 150 Wochen in solchen Unterkünften untergebracht, um deren Obdachlosigkeit zu beenden oder abzuwenden (2023: 117 Wochen). Statistisch gesehen nutzten 14- bis 18-Jährige Notfallunterkünfte im Jahr 2025 am längsten. Linke kritisiert "sozialpolitisches Versagen" Die Linken-Bundestagsabgeordnete und Sprecherin für soziales Wohnen, Sahra Mirow, warf der Bundesregierung ein "beispielloses sozialpolitisches Versagen" vor. "Wer einen so großen Teil seiner Jugend in Unterkünften verbringen muss, die häufig nur auf Erwachsene ausgerichtet sind, dem verwehrt der Staat auf fatale Weise gleiche Entwicklungschancen", sagte sie der Rheinischen Post . Laut dem aktuellen Wohnungslosenbericht der Bundesregierung haben in Deutschland aktuell mehr als eine halbe Million Menschen kein eigenes festes Zuhause . Danach waren Anfang 2024 rund 439.500 Menschen in der Wohnungsnotfallhilfe untergebracht. Weitere rund 60.400 kamen bei Angehörigen, Freunden oder Bekannten unter, rund 47.300 lebten auf der Straße oder in Behelfsunterkünften. Ohne Berücksichtigung der rund 15.600 Doppelerfassungen ergeben sich deutschlandweit rund 531.600 wohnungslose Menschen.