Zeit 05.10.2026
09:50 Uhr

Wohnungskrise in Spanien: Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez kündigt Neuwahlen an


Pedro Sánchez hat vorgezogene Parlamentswahlen Ende November angekündigt. Zuvor war seine Minderheitsregierung mit Vorhaben zur Bekämpfung der Wohnungskrise gescheitert.

Wohnungskrise in Spanien: Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez kündigt Neuwahlen an
Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez hat vorgezogene Neuwahlen ausgerufen. Hintergrund ist die Wohnungskrise in den spanischen Großstädten. Als Wahltermin nannte Sánchez den 29. November. Eigentlich war die nächste Parlamentswahl für 2027 vorgesehen. Seine Regierung habe schon viel erreicht, aber es bleibe noch viel zu tun, sagte der Ministerpräsident in Madrid. »Um die ausstehenden Reformen, die wir brauchen, gründlich voranzubringen (…), müssen wir aktiv werden und erreichen, dass das Parlament uns eine deutlich größere, progressive Mehrheit gewährt.« Nur so könnten Fortschritte erreicht und das Land vorangebracht werden, sagte Sánchez. Minderheitsregierung ohne Mehrheit im Parlament Die Regierung hatte nach der aufsehenerregenden Zwangsräumung der Wohnung einer 87-Jährigen und anschließenden Protesten ein umfangreiches Maßnahmenpaket gegen die Wohnungsnot im Land angekündigt. Am Freitag hatte das Parlament die Vorhaben der Regierung jedoch zurückgewiesen . Die Mehrheit der Abgeordneten überstimmte die zwei von der Minderheitsregierung eingebrachten Dekrete. Diese sahen unter anderem eine automatische Verlängerung auslaufender Mietverträge und ein Moratorium für bestimmte Zwangsräumungen besonders schutzbedürftiger Mieter bis 2030 vor. Dagegen stimmten die konservative Volkspartei PP, die rechtspopulistische Vox und die konservative katalanische Separatistenpartei Junts. Einen Tag später forderte PP-Chef Alberto Núñez Feijóo den spanischen Ministerpräsidenten auf, Neuwahlen anzusetzen. In Umfragen liegt das rechte Lager derzeit vorn. Demnach ist eine Koalition der PP mit der ⁠rechtspopulistischen Vox-Partei das wahrscheinlichste ​Szenario bei einer Regierungsbildung. Damit würde erstmals seit dem Ende der ‌Diktatur unter Francisco ‌Franco eine extrem rechte Partei der spanischen ​Regierung angehören. Angespannter Wohnungsmarkt in Spanien Die Krise auf dem Wohnungsmarkt Spaniens hat viele Gründe. Wie aus Zahlen des nationalen Statistikamtes Ine hervorgeht, ist die Bevölkerungszahl seit 2015 um drei Millionen Einwohner gestiegen. Das ist ein Plus von sieben Prozent. Zudem steigen die Touristenzahlen stark an. Wie die Zeitung El País berichtet, verdoppelte sich die Zahl der Übernachtungen seit 2018. In Urlaubsregionen wie den Balearen mit Mallorca, Alicante, Málaga oder den Kanaren treten zudem viele ausländische Käufer in Konkurrenz zu Einheimischen und treiben die Immobilienpreise in die Höhe. Zugleich werden zu wenige Wohnungen neu gebaut. Spaniens Zentralbank geht davon aus, dass das Wohnungsdefizit bis 2028 auf eine Million Einheiten steigen werde, wenn sich nichts ändert.