Zeit 29.09.2026
16:55 Uhr

Todesstrafe in den USA: Tennessee will erstmals seit mehr als 200 Jahren eine Frau hinrichten


Im US-Bundesstaat Tennessee soll eine Frau hingerichtet werden – erstmals seit 1819. Anwälte kritisieren die Exekution und verweisen auf die Jugend der Verurteilten.

Todesstrafe in den USA: Tennessee will erstmals seit mehr als 200 Jahren eine Frau hinrichten
Im US-Bundesstaat Tennessee soll am Mittwoch zum ersten Mal seit mehr als 200 Jahren eine Frau hingerichtet werden. Die 50-jährige Christa Pike wurde 1996 für den Mord an einer Bekannten zum Tode verurteilt. Zum Tatzeitpunkt war sie 18 Jahre alt, das Opfer 19. 1995 hatte Pike gemeinsam mit zwei anderen Teenagern das Opfer in einem abgelegenen Gebiet nahe der University of Tennessee in Knoxville gefoltert und getötet. Nach Angaben der gemeinnützigen Organisation Death Penalty Information Center ist sie die Einzige der drei, die zum Tode verurteilt wurde. Ihr damaliger Freund war an der Tat beteiligt und damals 17 Jahre alt, er wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Pike bestreitet ihre Schuld nicht, zeigt jedoch Reue. »Ich habe jemandem das Kind, die Schwester und die Freundin genommen«, sagte sie. »Heute macht es mich krank, wenn ich daran denke, dass ich zu so einem Verbrechen fähig war.« Letzte Hinrichtung einer Frau in Tennessee war 1819 Die Verurteilte ist nach Angaben der offiziellen Webseite der Regierung von Tennessee die einzige Frau, die derzeit im Todestrakt des US-Bundesstaates einsitzt. Sollte ihre Hinrichtung wie geplant stattfinden, wäre es laut der Forschungseinrichtung Cornell Center on the Death Penalty Worldwide das erste Mal seit 1819, dass in Tennessee eine Frau hingerichtet wird. Mehrere Kampagnen und Organisationen versuchen, die geplante Exekution am 30. September aufzuhalten, darunter Experten der Vereinten Nationen. Pikes Anwälte und die Menschenrechtsorganisation Amnesty International weisen darauf hin, dass die Verurteilte während ihrer Kindheit Vergewaltigung, sexuelle und körperliche Gewalt, Misshandlung und Vernachlässigung erlitten hatte. Die Todesstrafe sei nicht angemessen – bei der Strafzumessung im Prozess hätten die Anwälte den Geschworenen entscheidende Informationen über Pikes Vergangenheit vorenthalten. Laut der Geschäftsführerin des Death Penalty Information Center, Robin Maher, hätte die Jury wohl kein Todesurteil gefällt, wenn sie von dem dokumentierten sexuellen Missbrauch und der Vernachlässigung der Angeklagten gewusst hätte. Pflichtverteidiger Stephen Ferrell sagte zudem, Ärzte hätten bei Pike später eine bipolare Störung und eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert. Diese Störungen hätten sie daran gehindert, bei ihrem Gewaltausbruch »auf die Bremse zu treten«. Pikes Anwälte hatten Anfang September ein 226-seitiges Gnadengesuch an die Regierung des Bundesstaates eingereicht. Der republikanische Gouverneur Bill Lee lehnte dieses jedoch am Montag ab. Nach sorgfältiger Prüfung bestätige er das Urteil des Staates Tennessee und habe nicht vor, einzugreifen, zitierten Medien aus einer Mitteilung Lees. Seit Jahresbeginn fast 30 Exekutionen in den USA In den USA sind rund zwei Prozent der Inhaftierten im Todestrakt Frauen. Nach Angaben des Death Penalty Information Center sind in den USA in den vergangenen 50 Jahren 18 Frauen hingerichtet worden, was etwa einem Prozent aller Hinrichtungen entspricht. Die Todesstrafe ist in mehr als der Hälfte der 50 US-Bundesstaaten zugelassen , wird allerdings vielerorts de facto nicht mehr vollstreckt. Seit Jahresbeginn wurden 28 Straftäter hingerichtet. Außer der Giftspritze werden Hinrichtungen in den Vereinigten Staaten unter anderem durch den elektrischen Stuhl oder – seltener – durch Erschießung vollstreckt .