Zeit 18.08.2026
16:09 Uhr

Thüringen: Mario Voigt sieht Landesregierung nicht durch BSW-Abweichler bedroht


Zwei BSW-Abgeordnete in Thüringen wollen die Koalition mit CDU und SPD nicht mehr mittragen. Ministerpräsident Voigt betont den Rückhalt beim Großteil der BSW-Fraktion.

Thüringen: Mario Voigt sieht Landesregierung nicht durch BSW-Abweichler bedroht
Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) sieht die Regierungskoalition mit SPD und BSW nicht vom Richtungskampf innerhalb der Partei von Sahra Wagenknecht gefährdet. »Wir lassen uns nicht auseinandertreiben und Thüringen nicht zum Spielball parteitaktischer Manöver machen«, sagte Voigt. Der Bundesvorstand des BSW hatte ihren Thüringer Landesverband dazu aufgefordert, Voigt die Unterstützung zu versagen und die bundesweit einzige Koalition mit Beteiligung des BSW zu verlassen. Die Landtagsfraktion des BSW sprach sich zwar mehrheitlich dagegen aus, zwei von 15 Abgeordneten stimmten jedoch im Sinne des Bundesverbands . Die Koalition verfügt im Erfurter Landtag über nur 44 von 88 Stimmen, weswegen bereits die mangelnde Unterstützung zweier Abgeordneten sie gefährdet. Voigt hob jedoch den Rückhalt hervor, den die Koalition beim Großteil der BSW-Fraktion habe. »Die Koalition arbeitet verlässlich und vertrauensvoll zusammen. Das klare Bekenntnis des Thüringer BSW zur gemeinsamen Regierungsarbeit hat diese Zusammenarbeit noch einmal gestärkt«, sagte er. Wagenknecht will mit Höcke über Ende der Thüringer Koalition reden Anlass der Forderung des BSW-Bundesverbandes nach einem Ende der Thüringer Koalition ist Voigts gescheiterter Widerspruch gegen den Entzug seines Doktortitels . Die TU Chemnitz hatte Voigt den Titel wegen Vorwürfen unsauberen Arbeitens aberkannt. Dass sich Voigt trotz seines gescheiterten Widerspruchs dagegen einem Rücktritt verweigere, beschädige die Koalition. Stattdessen solle das BSW in Thüringen nach einem »überparteilichen Ministerpräsidenten« suchen, der »mit wechselnden Mehrheiten regiert«. Letztere Forderung erhob zuletzt auch BSW-Gründerin Wagenknecht. Zuletzt forderte sie den Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke zu einem Gespräch auf , das der Suche nach einem überparteilichen Ministerpräsidenten dienen solle, der jedoch faktisch von AfD und BSW getragen werden müsste. So könne der »Brandmauer-Irrsinn« beendet werden, sagte Wagenknecht am Wochenende. Damit reagierte die Politikerin auf Höckes Vorschlag , sie mit AfD- und BSW-Stimmen zur Thüringer Ministerpräsidentin zu wählen. Dieses Angebot lehnte Wagenknecht jedoch ab – unter anderem unter Verweis darauf, keine Unterstützung in der Thüringer BSW-Fraktion zu haben. Forderung nach überparteilichem Ministerpräsidenten auch in Sachsen-Anhalt Zugleich streben Wagenknecht und das BSW in Sachsen-Anhalt nach der anstehenden Landtagswahl im September ebenfalls eine »überparteiliche Person« als Ministerpräsidentin oder -präsident an. Im Thüringer Landtag haben AfD und BSW eine hypothetische Mehrheit von 47 der 88 Sitze – wobei die BSW-Landespartei mehrheitlich eine Zusammenarbeit mit der AfD ablehnt . In Sachsen-Anhalt hingegen schloss das BSW zuletzt eine Koalition mit CDU und SPD aus. Falls die Suche nach einem überparteilichen Regierungschef scheitere, wolle man sich in einem möglichen dritten Wahlgang, kündigte Wagenknecht ferner für die Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt an. Dadurch könnte AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund auch ohne absolute Mehrheit zum Ministerpräsidenten gewählt werden. Derzeit ist allerdings unklar, ob das BSW in Sachsen-Anhalt die Fünfprozenthürde überwinden kann.