Zeit 19.03.2026
12:57 Uhr

Rassismus in Deutschland: Studie zeigt "verfestigtes" rassistisches Denken in Deutschland


Laut einer Studie glauben viele Menschen an angeblich naturgegebene Unterschiede zwischen Ethnien. Zwei Drittel der Befragten halten bestimmte Kulturen für besser.

Rassismus in Deutschland: Studie zeigt
Viele Menschen in Deutschland glauben einer Studie zufolge an vermeintlich naturgegebene Unterschiede zwischen verschiedenen Ethnien und Kulturen. So stimmten zwei von drei Befragten der Aussage zu, dass bestimmte Kulturen "fortschrittlicher und besser" seien als andere, wie aus der Erhebung des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) hervorgeht. Knapp die Hälfte vertrat die Ansicht, dass gewisse Gruppen "von Natur aus fleißiger" seien als andere. 36 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, dass es unterschiedliche " Rassen " gäbe. Für die Studie wurden von Oktober 2025 bis Januar 2026 rund 8.200 Menschen mithilfe eines Online-Tools befragt. Die Ergebnisse sind den Angaben zufolge repräsentativ für die Bevölkerung in Deutschland im Alter zwischen 18 und 74 Jahren . Die Studie ist Teil des Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitors (NaDiRa). Dieses langfristig angelegte Forschungsprojekt erhebt und analysiert im Auftrag der Bundesregierung Daten zur Situation von Menschen, die von rassistischen Zuschreibungen betroffen sind. Rassismus gehört zum Alltag vieler Menschen in Deutschland Rassistische oder diskriminierende Erfahrungen gehören für viele Menschen in Deutschland laut der Studie zum Alltag. Dies gelte besonders für "rassistisch markierte Personen", also Menschen, die aufgrund bestimmter äußerlicher Merkmale als "fremd" oder "anders" wahrgenommen werden. In der Studie genannt wurden hier vor allem Menschen anderer Hautfarbe oder als solche erkennbare Musliminnen und Muslime . Laut der Studie berichteten 25 Prozent der Schwarzen und 17 Prozent der muslimischen Menschen, mindestens einmal pro Monat beleidigt, belästigt, bedroht oder angegriffen zu werden. Jeweils etwa ein Drittel von ihnen berichtete von solchen Erlebnissen in den zurückliegenden zwölf Monaten. 63 Prozent der Schwarzen gaben an, mindestens monatlich subtilere diskriminierende Erfahrungen zu machen, beispielsweise unfreundliche Behandlung oder Missachtung. Vertrauen in den Staat sinkt Etwa 65 Prozent der Menschen, die häufig selbst Diskriminierung erfahren, haben laut der Studie deutlich weniger Vertrauen in staatliche Institutionen und Akteure wie Polizei, Justiz, Bundesregierung und Politiker. In Bezug auf die Bundesregierung haben nur etwa 29 Prozent Vertrauen. Seit 2022 ist das Vertrauen unter Befragten von rassistisch markierten Gruppen wie etwa Muslimen zudem deutlich gesunken . "Diskriminierung ist somit kein bloßes Befindlichkeitsproblem, sondern eine reale Gefahr für die Legitimität staatlicher Institutionen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt", sagte Mit-Studienautor Tae Jun Kim. Forderung nach Konsequenzen Die Studie ergebe das Bild einer "sehr hartnäckigen Verfestigung" rassistischer Einstellungen , sagte Frank Kalter, der Direktor des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM). Die Umfrage zeige auch, dass rassistische Diskriminierung für viele Menschen Alltag sei. Allerdings würden die Themen Rassismus und Diskriminierung in der politischen Debatte "vermehrt wegrelativiert". Ähnlich äußerte sich die unabhängige Antidiskriminierungsbeauftragte Ferda Ataman . "Rassistisches Denken und Handeln schadet nicht nur den Betroffenen, es gefährdet unsere Demokratie." Es schwäche das Vertrauen in die Institutionen. Ataman forderte daher, dass die Bundesregierung klare Grenzen setzen müsse. Es brauche eine "Null-Toleranz-Politik für Rassismus und Diskriminierung". Nötig sei dafür unter anderem eine Reform des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes, die es ermögliche, sich effektiv gegen Diskriminierung zu wehren. Gefragt seien aber auch Unternehmen und Menschen, die sich im Alltag solidarisch zeigten. Ein weiteres Ergebnis der Studie war, dass rassistische Diskriminierung in Behörden und Institutionen weitverbreitet ist. Ataman verwies daher auf eine notwendige Vorbildfunktion staatlicher Institutionen.