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29.09.2026
11:00 Uhr
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Die allermeisten Lehrerstellen können in den OECD-Ländern besetzt werden. Ein größeres Problem ist laut einer Studie, ausreichend qualifizierte Lehrer zu finden.

Lehrermangel geht in vielen Ländern nicht auf unbesetzte Stellen, sondern auf nicht ausreichend qualifizierte Lehrkräfte zurück. »Vakante Stellen sind nur einer der Maßstäbe für Lehrermangel«, heißt es dazu in der Studie Education at a Glance 2026 (»Bildung auf einen Blick 2026«) der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). In Bildungssystemen der OECD-Staaten arbeiteten auch viele Lehrkräfte, die nicht ausreichend qualifiziert seien. So blieben in den meisten OECD-Ländern weniger als drei Prozent der ausgeschriebenen Stellen unbesetzt. Der Anteil der Stellen, die mit unvollständig qualifizierten Kräften besetzt seien, liege hingegen bei 9,1 Prozent. In Deutschland liegt der Anteil demnach sogar bei 18,6 Prozent. Als nicht ausreichende Qualifikation wird in diesem Fall eine Qualifikation bewertet, die keinem Master-Abschluss entspricht – es kann sich also auch um eine pädagogische Qualifikation handeln. Der im Vergleich zum OECD-Durchschnitt besonders hohe Wert in Deutschland könne unter anderem durch die vergleichsweise lange Dauer der deutschen Lehrerausbildung zu erklären sein, relativieren die Studienautoren: So sind Referendarinnen und Referendare hier mitgerechnet. In Möglichkeiten der Weiterbildung sieht die OECD ein besonders großes Potenzial, Lehrermangel zu bekämpfen. Wenn Quereinsteigern »gut konzipierte Wege in den Lehrerberuf eröffnet« würden, könne der Mangel gelindert werden, heißt es in der Studie. So sei der Anteil von qualifizierten Quereinsteigern im Lehrerberuf in Ländern wie Australien und den Niederlanden, wo die Qualifikationsprogramme besonders flexibel strukturiert seien, mit etwa 15 Prozent deutlich höher als in Ländern ohne solche Programme. Besonders viele Ausfälle von Lehrern in Deutschland International sieht die OECD-Studie weiterhin ein vergleichsweise hohes Niveau von vorübergehender Arbeitsunfähigkeit, etwa durch Krankheit, als weiteren größeren Faktor beim Lehrermangel. In Deutschland würden dazu zwar keine genauen Zahlen erhoben. Allerdings würden 55 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Deutschland Schulen besuchen, deren Leitungen in der Pisa-Studie angegeben hätten, dass die Leistungsfähigkeit ihrer Schule durch außerplanmäßige Abwesenheiten beeinträchtigt sei. Im OECD-Schnitt gelte das hingegen nur für 27 Prozent der Schülerinnen und Schüler. Angesichts des demografischen Wandels erwartet die OECD zwar perspektivisch geringere Zahlen an Einschulungen – warnt jedoch davor, daraus zu schließen, der Lehrkräftemangel sei nur ein vorübergehendes Problem. Zwar erwartet die OECD, dass die Zahl der Kinder zwischen fünf und 14 Jahren bis 2033 um neun Prozent gegenüber dem Stand von 2024 sinkt. Allerdings zeigten Erfahrungen aus dem Jahrzehnt zuvor, dass weniger Schülerinnen und Schüler nicht automatisch einen geringeren Bedarf an Lehrkräften bedeuten. So könne sich der Mangel in manchen Gebieten sogar verschärfen, während er in anderen zu finanziell nicht tragbaren Klassengrößen führen könne. Schon jetzt sei Lehrermangel in vielen Ländern kein flächendeckendes Phänomen, sondern etwa im ländlichen Raum oder an einzelnen Schulen in benachteiligten Gebieten besonders stark. Sinkende Schülerzahlen beseitigen Lehrermangel nicht automatisch »Die Zahl der benötigten Lehrkräfte wird nicht allein durch die Schülerzahlen bestimmt«, schreibt dazu die OECD. So sei die Zahl der Lehrkräfte an Grundschulen zwischen 2015 und 2024 im OECD-Schnitt um 13 Prozent gestiegen – gemessen im sogenannten Vollzeitäquivalent, der Arbeitszeiten von Vollzeit- und Teilzeitkräften vergleichbar macht. Die Zahl der Grundschülerinnen und -schüler nahm hingegen um nur zwei Prozent zu. »Diese unterschiedliche Entwicklung lässt sich auf politische Entscheidungen bezüglich Klassengröße, Arbeitszeit von Lehrkräften und Unterrichtsdauer zurückführen«, teilte die OECD mit. So sei in Deutschland die Schülerzahl in diesem Zeitraum um 15 Prozent gestiegen, die Zahl der Lehrkräfte um 17 Prozent. Dennoch gehört Deutschland nicht zu den Ländern mit besonders vielen unbesetzten Stellen. Eine Erklärung dafür bildet dabei die Zahl einzelner Schulklassen an Grundschulen: Diese sei im OECD-Schnitt um vier Prozent gestiegen, in Deutschland hingegen um elf Prozent. Der demografische Wandel mit Blick auf das Alter der Lehrkräfte sei in Deutschland hingegen vergleichbar mit dem OECD-Schnitt: So seien durchschnittlich 25 Prozent der Lehrkräfte 55 Jahre alt oder älter, in Deutschland sind es demnach 24 Prozent. Weniger Lehrermangel in Ländern mit zufriedeneren Lehrern Teilweise sei der Lehrermangel auch mit Entwicklungen des Arbeitsmarkts außerhalb des Bildungssektors erklärbar, teilt die OECD weiterhin mit. So sei das Problem besonders stark in Mathematik und naturwissenschaftlichen Fächern, bei denen Schulen besonders stark mit Arbeitgebern in anderen Sektoren um qualifizierte Absolventinnen und Absolventen konkurrierten. In höheren Gehältern für Lehrkräfte sieht die OECD dabei nur eine Teillösung. Weitere Faktoren seien etwa »professionelle Autonomie, eine unterstützende Schulleitung, positive Arbeitsverhältnisse, Karrieremöglichkeiten und öffentliche Anerkennung«, heißt es in der Studie. So seien zwar 85 Prozent der Lehrkräfte mit ihrem Beruf zufrieden – doch nur 22 Prozent geben demnach an, ihre Arbeit werde gesellschaftlich wertgeschätzt. Am Beispiel einzelner Länder lasse sich zudem eine Korrelation zwischen Lehrermangel und Unzufriedenheit beobachten. So sei etwa in Japan, einem der Länder mit dem niedrigsten Anteil unbesetzter Stellen, die Zufriedenheit von Lehrkräften um 20 Prozentpunkte höher als von Beschäftigten in anderen Berufen. In Chile, wo die Zufriedenheit im Vergleich zu anderen Berufen um 21 Prozentpunkte niedriger sei, sei der Anteil unbesetzter Stellen an Schulen besonders hoch. Aufwand außerhalb des Unterrichts scheint in Deutschland besonders hoch zu sein Eine weitere Lösung für den Lehrkräftemangel sieht die OECD darin, den Aufwand von Lehrerinnen und Lehrern für unterrichtsfremde Nebentätigkeiten zu reduzieren. »Technologie, mehr Einsatz von spezialisierten Unterstützungskräften und neue Methoden, den Unterricht zu reduzieren, könnten Lehrern dabei helfen, einen größeren Teil ihrer Zeit Aufgaben zu widmen, in denen ihre Expertise besonders wertvoll ist«, heißt es dazu in der Studie. So geht aus den OECD-Zahlen hervor, dass die Gesamtarbeitszeit von Lehrkräften deutlich von der Unterrichtszeit abweichen kann. In Deutschland hätten Vollzeitlehrkräfte in allen Schultypen 2023 im Schnitt 42,4 Stunden pro Woche gearbeitet – etwa 1,6 Wochenstunden über dem OECD-Schnitt. Zugleich kämen Lehrkräfte im OECD-Schnitt an Grundschulen auf 770 Unterrichtsstunden pro Jahr, an Sekundarschulen auf 710 Stunden. Die Zahl der Unterrichtsstunden ist in Deutschland jedoch deutlich niedriger und liegt bei 691 Stunden pro Jahr an Grundschulen beziehungsweise 642 Stunden an Sekundarschulen. Damit kommen deutsche Lehrerinnen und Lehrer trotz höherer Wochenarbeitszeit auf etwa zehn Prozent weniger Unterrichtsstunden. Die jährliche Publikation Education at a Glance der OECD erscheint seit 1992 und sammelt international vergleichbare Daten zu Schulsystemen, deren Finanzierung und Arbeitsweisen, Arbeits- und Lernbedingungen sowie Ergebnissen. Jährlich gibt es einen thematischen Fokus, wie etwa in der diesjährigen Ausgabe den Lehrkräftemangel.