Zeit 09.10.2026
04:00 Uhr

Niedrigwasser: Warum ein paar Regentage für die Elbe nicht reichen


Niedrigwasser: Warum ein paar Regentage für die Elbe nicht reichen
Die Elbe in Sachsen und Sachsen-Anhalt f\u00fchrt wieder sichtbar wenig Wasser. In den beiden Bundesl\u00e4ndern hat der Fluss an mehreren Messstellen unter 50 Zentimeter Wassertiefe. Auch die Schifffahrt hat wieder zu k\u00e4mpfen: So mussten die Feierlichkeiten zum 190-j\u00e4hrigen Bestehen der Wei\u00dfen Flotte in Dresden unter anderem mit weniger Schiffen stattfinden. Was steckt also hinter dem Niedrigwasser? Die wichtigsten Fragen und Antworten im \u00dcberblick: Ist immer wieder Niedrigwasser - oder durchgehend? Laut der Bundesanstalt f\u00fcr Gew\u00e4sserkunde (BfG) herrscht mit Unterbrechungen seit Mai 2026 Niedrigwasser in der Elbe. Ende August habe es durch erh\u00f6hte Niederschl\u00e4ge eine kurze Entspannung gegeben, den gesamten September hindurch herrschte aber wieder Niedrigwasser in der Elbe. Warum f\u00fchrt die Elbe so wenig Wasser? \u00abHaupttreiber ist ganz klar fehlender Niederschlag\u00bb, erkl\u00e4rt Daniel Bachmann, Professor f\u00fcr Hydromechanik und Hochwasserrisikomanagement an der Hochschule in Magdeburg-Stendal. Auch beim BfG spricht man von einem Niederschlagsdefizit, das sich durch unterdurchschnittlich wenig Regen in ganz Mitteleuropa - darunter auch im Elbegebiet - entwickelt habe. \u00abWir br\u00e4uchten jetzt mal ein, zwei, drei Wochen durchgehend Regen, um das alles wieder aufzuf\u00fcllen\u00bb, sagte Bachmann. \u00abDer Niederschlag, der in der letzten Septemberwoche gefallen ist, reicht angesichts dessen nicht aus, um die Wasserst\u00e4nde und Abfl\u00fcsse der Elbe nachhaltig zu beeinflussen\u00bb, hie\u00df es von der BfG. Warum hat es die Elbe schwerer als andere Fl\u00fcsse? Anders als andere Fl\u00fcsse werde die Elbe nicht noch durch Gletscherwasser gespeist - dadurch sei sie auf Niederschlag als nat\u00fcrliche Einspeisung angewiesen, sagt Bachmann. Zus\u00e4tzlich werde die Elbe seit den 60er Jahren durch die Moldau-Kaskade in Tschechien mit Wasser gest\u00fctzt. Diese f\u00fchrt der Elbe laut Bachmann bis zu 40 Kubikmeter Wasser pro Sekunde zu. Noch seien die Talsperren in Tschechien gef\u00fcllt und k\u00f6nnen der Elbe mit dieser wasserwirtschaftlichen Ma\u00dfnahme helfen, sagte er. Ist das eine ungew\u00f6hnliche krasse Niedrigwassersituation? \u00abSeit wir die Wasserstandsaufzeichnungen an den Elbe-Pegeln haben, hatten wir das noch nicht\u00bb, sagte der Experte mit Blick auf das Niedrigwasser. Au\u00dferdem seien viele kleinere Gew\u00e4sser bereits komplett trocken. Bachmann geht davon aus, dass durch den Klimawandel die Extreme \u2013 und damit auch Hoch- und Niedrigwasser zunehmen werden. Wann entspannt sich die Lage wieder? Was es brauche, sei Landregen, wie es Bachmann nennt - also Regen der langanhaltend und nicht zu intensiv sei. Denn Starkregen kann schlimmstenfalls zu Hochwasser f\u00fchren. \u00abDa reden wir von Wochen und Monaten\u00bb, f\u00fcgte er hinzu. Niedrigwasser baue sich \u00fcber Monate, teilweise Jahre auf und verst\u00e4rke sich immer wieder. \u00abUnd es braucht dann auch Monate, um es wieder wegzukriegen\u00bb, erkl\u00e4rte Bachmann. Das BfG erwartet, dass das Wasser in der Elbe ab der zweiten Oktoberh\u00e4lfte wieder steigt. Der durchschnittliche Wasserstand werde aber in den n\u00e4chsten Wochen voraussichtlich nicht erreicht. \u00a9 dpa-infocom, dpa:261009-930-812450/1