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11.03.2026
16:00 Uhr
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Die IEA gibt ihre Reserven frei. 400 Millionen Barrel Öl sollen aus den Notfall-Vorräten der Mitgliedsländer fließen, um den hohen Energiepreisen entgegenzuwirken.

Um den hohen Energiepreisen entgegenzuwirken, gibt die Internationale Energieagentur (IEA) 400 Millionen Barrel Öl aus den Notfallreserven ihrer Mitgliedsländer für den Markt frei. Das teilte sie in Paris mit. Es handele sich um die größte Freigabe in der Geschichte der Organisation, die 32 Mitgliedstaaten hätten dem Schritt einstimmig zugestimmt. Die Freigabe soll für einen je nach Land angebrachten Zeitraum gelten, teilte die IEA mit. Einige Länder würden zudem weitere Notmaßnahmen treffen. "Die Herausforderungen auf dem Ölmarkt, denen wir gegenüberstehen, sind in ihrem Ausmaß beispiellos", zitierte die IEA ihren Chef Fatih Birol. Er sei deshalb über die Maßnahme im Rekordumfang froh. Ölmärkte seien global. Deshalb müsse auch die Antwort auf große Störungen global sein. Zuvor hatte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche den Schritt angekündigt . Die bisherige Höchstmenge von 182 Millionen Barrel, die zu Beginn des Ukrainekriegs freigegeben wurden, werden nun deutlich übertroffen. Dem Handelsblatt zufolge sollen 19,5 Millionen davon aus der deutschen Reserve kommen. Reiche hatte zudem angekündigt, dass Tankstellen künftig nur noch einmal am Tag ihre Spritpreise erhöhen dürfen. USA erwägt ebenfalls Freigabe Die Regierung in Großbritannien teilte mit, sich mit 13,5 Millionen Barrel zu beteiligen. Auch die USA erwägen eine Beteiligung. US-Innenminister Doug Burgum sagte dem Sender Fox News, es sei der "perfekte Zeitpunkt, um über eine Teil-Freigabe nachzudenken, um etwas Druck von den Weltmarktpreisen zu nehmen". Weiter sagte Burgum: "Für solche Momente sind diese Reserven da." Es gehe im Iran-Krieg nicht um einen Energiemangel, sondern um ein "vorübergehendes Transportproblem", womit er auf die Blockade der Straße von Hormus anspielte. Der Krieg im Nahen Osten beeinträchtigt die Energiemärkte stark. Der Transport von Energierohstoffen aus den Förderregionen am Persischen Golf durch die wichtige Straße von Hormus ist praktisch zum Erliegen gekommen. Berichte über angeblich vom Iran in der Straße von Hormus verlegte Seeminen befeuerten Sorgen um die Sicherheit der internationalen Energieversorgung zuletzt noch. Zwar waren am Montag und Dienstag die Ölpreise zuletzt zurückgegangen. An diesem Mittwochmorgen wurde für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent jedoch 92,31 Dollar gezahlt und damit wieder über fünf Prozent mehr als am Vortag. Fünfmal gab es bisher koordinierte Freigaben Um auf Krisen vorbereitet zu sein, müssen alle 32-IEA-Mitglieder von Österreich bis Südkorea Notreserven anlegen. Insgesamt verfügen sie über Reserven in Höhe von 1,2 Milliarden Barrel (je 159 Liter) und 600 Millionen Barrel Industrievorräten. Dass zu einer gemeinsamen Freigabe von Reserven gegriffen wird, ist selten. Von der kurzfristigen Aktivierung zusätzlicher Produktionskapazitäten hin zur Aussetzung von Qualitätsstandards listet die IEA etliche weitere Maßnahmen, um auf Engpässe zu reagieren. Seit Gründung der IEA Mitte der 1970er Jahre als Reaktion auf die damalige Ölkrise wurden fünfmal in koordinierter Weise Reserven freigegeben. Anlass waren der Golfkrieg 1990/91, die von den Hurrikans Katrina und Rita 2005 angerichteten Schäden in den USA sowie der Ausfall libyscher Ölexporte im Jahr 2011. Zuletzt wurden 2022 wegen des Ukrainekriegs nationale Ölreserven freigegeben.