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04.06.2026
18:12 Uhr
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Helium kennt man als Gas für Luftballons, aber es ist auch für Industrie und Pharma existenziell. Wegen des Irankriegs wird die Versorgung immer komplizierter. Und jetzt?

Der Stoff, der Unternehmer und Politiker gerade umtreibt, ist die kälteste Flüssigkeit der Welt. So flüchtig ist er, dass er nur in vakuumierten, riesigen, doppelwandigen Kryotanks über die Weltmeere transportiert werden kann. Helium schafft es seit Wochen in die Schlagzeilen, weil durch den Irankrieg die weltweite Versorgung damit gefährdet ist. Und Deutschland ist nahezu vollständig auf Importe angewiesen. Ende März zerstörten iranische Drohnenangriffe die Betriebsanlagen von Qatar Energy in den Industriezonen Ras Laffan und Mesaieed in Katar. Seitdem fehlen nach Angaben der Deutschen Rohstoffagentur weltweit rund 40 Prozent der bisherigen Fördermenge. Katar war bislang eines der wichtigsten Förder- und Exportländer für Helium. Helium ist weltweit begehrt, mehr als 120 Millionen Kubikmeter benötigt die Industrie jedes Jahr. Besonders Chip-Hersteller brauchen große Mengen Helium. Doch auch Krankenhäuser, Pharmaindustrie und Forschung sind betroffen. Die Preise für kurzfristige Heliumlieferungen hatten sich bereits im März 2026 verdoppelt und sind seither weiter gestiegen. Selbst wenn der Konflikt beendet werde, sagte der katarische Energieminister Saad al-Kaabi der Financial Times wenige Tage nach dem iranischen Angriff, würde es noch Wochen bis Monate dauern, bis sich Lieferungen wieder normalisiert hätten. Danach aber sieht es nicht aus: Trotz Waffenruhe greifen sich der Iran und die USA weiterhin an. Für eine schnelle Öffnung der Straße von Hormus spricht kaum etwas, zumal es die Sorge gibt, dass der Iran Seeminen dort verlegt hat und diese erst aufwendig geborgen werden müssten. Im Fall von Rohöl fehlten infolge des Irankrieges ungefähr 20 Prozent des weltweit gehandelten Aufkommens, sagt Julian Hinz, Forschungsdirektor am Kiel Institut für Weltwirtschaft. »Schaut man auf die Zahlen, ist die Lage beim Helium noch kritischer als beim Öl.« Im schlimmsten Fall, warnt er, müsse die Regierung über eine Rationierung von Helium nachdenken. Medizin- und Pharmasektor besonders betroffen Die EU stuft Helium als einen von 34 kritischen Rohstoffen ein. Das bedeutet, dass es offiziell von »großer wirtschaftlicher Bedeutung für die EU« ist und es ein »hohes Risiko von Versorgungsunterbrechungen« gibt, wie es in der entsprechenden EU-Verordnung heißt. Besonders relevant ist Helium im Medizin- und Pharmasektor. Jedes MRT-Gerät wird mit Helium gekühlt, bei Siemens Healthineers benötigt ein Scanner rund einen Kubikmeter. Und Helium ist wichtig für die Arzneimittelprüfung: Medikamente werden mithilfe von Helium in einem speziellen Analyseverfahren auf ihre Qualität geprüft. Eine komplexe Technologie, die sich nicht einfach auf alternative Gase umstellen lässt.