Zeit 10.08.2026
14:38 Uhr

Flughafen Leipzig/Halle: Was über die Sprengstoffdrohne am Flughafen Leipzig/Halle bekannt ist


Zum versuchten Drohnenanschlag in Leipzig liefern Aufnahmen und DNA-Spuren neue Erkenntnisse. Laut US-Medien verdichten sich die Hinweise, wer dahinterstehen könnte.

Flughafen Leipzig/Halle: Was über die Sprengstoffdrohne am Flughafen Leipzig/Halle bekannt ist
Der Flughafen Leipzig/Halle war einer Katastrophe vergangene Woche offenbar näher als bislang angenommen. Dies legen nach Informationen der ZEIT Videoaufnahmen vom Gelände des Flughafens und der Sprengstoffdrohne nahe, die in der Nähe einer ukrainischen Frachtmaschine entdeckt wurde. Die Aufnahmen zeigen den Weg der bewaffneten Drohne. Zudem verdichten sich Medienberichten zufolge Hinweise auf eine mögliche Verbindung zu Russland . Was über den Fall bekannt ist. Was die Aufnahmen zeigen Die Auswertung der Videoaufnahmen ergab, dass bereits am Dienstagabend gegen 19.30 Uhr ein Objekt direkt auf die am Flughafen parkende Frachtmaschine vom Typ Antonow zuflog – offenbar mit der Absicht, Schaden anzurichten. Es schlug auf einer der Tragflächen des Flugzeugs ein, in denen sich in der Regel die Treibstofftanks befinden. Zu einer Explosion kam es nicht. Die Aufnahmen zeigen, dass das Objekt von der Tragfläche abprallte und zu Boden fiel. Davon zeugen Spuren an einem der Flügel der Antonow. Die Drohne wurde erst vier Stunden später zufällig entdeckt. In bisherigen Medienberichten war davon die Rede, dass der Busfahrer einer Touristengruppe auf das Objekt aufmerksam geworden sei. Dann habe er dem Gerät einen Tritt versetzt und es am Boden fixiert. Auf den Videoaufnahmen ist jedoch zu sehen, dass die Drohne bereits auf dem Boden lag, als sich der Busfahrer näherte. Nach kurzem Zögern stellte er seinen Fuß auf den Quadrokopter mit vier Rotoren und alarmierte das Sicherheitspersonal. Der Sprengsatz wurde schließlich – anders als bislang bekannt – nicht an der Drohne selbst vorgefunden, sondern in einiger Entfernung. Möglicherweise hatte er sich beim Aufprall am Flugzeug abgelöst. Was über die Drohne und das Flugzeug bekannt ist Auf der Drohne sind Spuren von DNA gefunden worden. Nach Informationen der ZEIT wurde dieselbe DNA schon einmal in Litauen registriert. Indizien deuten darauf hin, dass die Drahtzieher hinter dem Vorfall äußerst professionell zu Werke gingen. Denn die Drohne wurde nach Informationen der ZEIT nicht etwa im Handel gekauft, sondern auf ausgeklügelte Weise selbst gebaut. Es handelte sich um eine nicht kommerzielle Drohne, die von herkömmlichen Radargeräten nicht erkannt werden kann. Die Drohne war mit Semtex bestückt, dem Handelsnamen für Plastiksprengstoff aus tschechischer Produktion. Semtex wird nicht nur für kommerzielle Sprengungen, sondern auch für militärische Zwecke genutzt. Der Plastiksprengstoff kam vor allem in den 1970er- und 1980er-Jahren bei Terrorangriffen zum Einsatz, etwa beim Flugzeuganschlag von Lockerbie 1988, bei dem alle 259 Menschen an Bord sowie elf weitere am Boden getötet wurden. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa wurde für die Sprengvorrichtung der Drohne am Leipziger Flughafen auch der Stoff PETN verwendet. Nach Informationen der ZEIT waren die betroffenen Flugzeuge zum Zeitpunkt des Vorfalls leer. Demnach war keine Munition geladen. Die Sender WDR und NDR sowie die Süddeutsche Zeitung meldeten unter Berufung auf einen vertraulichen Bericht der Polizei, eine der Antonow-Maschinen sei mit Munition beladen gewesen. Sie sei kurz zuvor aus Frankreich nach Leipzig transportiert worden und für den Weitertransport vorgesehen gewesen. Das Bundesinnenministerium dementierte jedoch intern Berichte, wonach sich Munition in der Maschine befunden habe. Was nach dem Fund der Sprengstoffdrohne geschah Der Flughafen stellte in der Nacht zum Mittwoch den Flugbetrieb ein. Mehrere Maschinen wurden umgeleitet. Eines der Flugzeuge, das wegen der Sperrung durchstarten musste und Richtung Flughafen Hannover flog, stieß nahe Leipzig mit einem weiteren Flugobjekt zusammen. Nach der Landung der DHL-Frachtmaschine in Hannover wurde eine leichte Beschädigung festgestellt. Noch in der Nacht lief der Flugbetrieb auf der Nordbahn wieder an, die Südpiste blieb zunächst gesperrt. Die Bundesanwaltschaft hat als oberste Anklagebehörde die Ermittlungen übernommen. Grund dafür sei die besondere Bedeutung des Falls, teilte die Karlsruher Behörde mit. Es bestehe der Verdacht des versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und des gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr. Es lägen zudem zureichende Anhaltspunkte vor, dass mittels der Drohne eine Explosion verursacht werden sollte. Als Konsequenz soll die neue Drohnenabwehreinheit der Bundespolizei deutlich größer werden als bisher geplant. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) werde eine Weisung an die Bundespolizei geben, wonach die Einheit auf 300 Kräfte anwachsen solle, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Statt vier Standorten seien nunmehr acht Standorte geplant, »um schnell und flexibel bei Bedarf vor Ort zu sein«. Was noch nicht gesichert ist Nach dem zweiten Flugobjekt, das mit dem DHL-Frachtflugzeug zusammenstieß, wird weiter gesucht. Unklar ist auch, wo die mit Sprengstoff bestückte Drohne und auch das andere mutmaßliche Flugobjekt gestartet wurden und wer sie gesteuert hat. Offen ist zudem, ob die Drohne und das andere Flugobjekt aus der unmittelbaren Umgebung des Flughafens gestartet oder aus größerer Entfernung gesteuert wurden. Das Wall Street Journal schreibt unter Berufung auf mit Geheimdienstberichten vertraute US-Beamte, dass die Drohne mit Sprengstoff wahrscheinlich der russischen Regierung gehöre. Der US-Sender CNN zitiert einen US-Verteidigungsbeamten, die USA seien zum Schluss gekommen, dass die Drohne von einem russischen Geheimdienst stamme. Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters und AFP