Zeit 01.10.2026
09:27 Uhr

Erinnerungsort zum Kolonialismus: Noch’n Mahnmal


Lange tat sich Kulturstaatsminister Wolfram Weimer schwer, einen Ort für das Gedenken an den Kolonialismus zu finden. Nun könnte es Bremen werden. Keine schlechte Wahl.

Erinnerungsort zum Kolonialismus: Noch’n Mahnmal
Jetzt also mal nicht Berlin, wo man als Besucher gar nicht weiß, wohin mit dem eigenen Gedenken, so zugestellt mit Mahnmalen ist Mitte? Bremen soll es wohlmöglich sein! Irgendwo muss er ja hin, der würdige Erinnerungsort zum deutschen Kolonialismus. Schließlich schreibt der Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung die Einrichtung eines solchen Ortes vor. Nun wurde Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) fündig. Im Kulturausschuss des Bundestags ließ er durchblicken, dass Deutschland künftig an der Weser seiner kurzen, aber schreckensreichen Kolonialvergangenheit gedenken solle. Keine schlechte Wahl: Kaum eine andere Metropole im Kaiserreich hat so sehr von den deutschen Kolonien profitiert wie die alte Hanse- und Kaufmannsstadt. Hier gibt’s viel komplizierte Geschichte aufzuarbeiten und deshalb bereits eine spezialisierte und gut ausgebaute regionale Gedenklandschaft. An die will Weimer offenbar institutionell andocken. Das muss er auch, denn sein Haushalt sieht für 2027 keine Mittel für einen nationalen Gedenkort vor. Gut, ein paar Euro kann Weimer vielleicht aus dem arg geplünderten Topf für den »Globalen Süden« zuschießen, den Rest aber wird Bremen selbst beisteuern müssen, wenn es so kommt. Und das schon aus Prestigegründen. 2019 wollte das damalige rot-rot-grüne-Regierungsbündnis im Stadtstaat ein großes Dokumentationszentrum einrichten. Peinlicherweise wurde das Projekt bei der Neuauflage der Bremer Koalition 2023 dann vergessen. Dank Wolfram Weimer kann Bremen jetzt nicht nur vielleicht bald Vollzug melden, sondern darf sich dann sogar rühmen, deutscher Gedenkmeister in Sachen Kolonialismus-Aufarbeitung zu sein.