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19.03.2026
17:06 Uhr
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In einem ZEIT-Interview hat Kulturstaatsminister Weimer den Ausschluss von Läden vom Buchhandlungspreis mit deren Extremismus begründet. Betreiberinnen wehren sich jetzt.

Nach ihrer Klage gegen den Ausschluss vom Deutschen Buchhandlungspreis gehen die Betreiberinnen des Berliner Buchladens Zur schwankenden Weltkugel auch wegen Interview-Äußerungen gegen Staatsminister Wolfram Weimer vor. Sie sehen sich zu Unrecht als "politische Extremisten" beschrieben und verlangen von Weimer eine Unterlassungserklärung, wie ihre Anwälte mitteilten. In einer auf der Instagramseite des Ladens veröffentlichten Mitteilung heißt es, dass man Weimer eine Frist bis zum 23. März gesetzt habe. Wenn seine Behörde bis dahin keine Unterlassungserklärung abgebe, müsse sie "mit einem Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung beim Verwaltungsgericht Berlin rechnen". Die Abmahnung bezieht sich auf Aussagen Weimers in einem Interview mit der ZEIT . "Wenn der Staat Preise vergibt und Steuergelder einsetzt, dann kann er das nicht für politische Extremisten tun", hatte Weimer auf die Frage gesagt, warum er in die Vergabe des Buchhandlungspreises eingegriffen habe. Es ging dabei um seine Entscheidung, den Berliner Buchladen sowie zwei weitere Geschäfte in Bremen und Göttingen vom Deutschen Buchhandlungspreis auszuschließen . Weimer begründete dies mit Informationen des Verfassungsschutzes, die gegen die Buchhandlungen vorlägen. Die drei Läden, die sich politisch links verorten, haben gegen diese Entscheidung Klage eingereicht. "Die Bezeichnung als Extremisten ist stigmatisierend" "Die Bezeichnung als Extremisten ist stigmatisierend", sagte Betreiberinnen-Anwalt Jasper Prigge. "Bewertungen staatlicher Stellen müssen auf einer ausreichenden Tatsachengrundlage beruhen. Sollte Herr Weimer seine Diffamierung nicht zurücknehmen, wird er also vor Gericht darlegen müssen, was gegen die Buchläden vorliegen soll." Er könne sich "nicht weiter hinter einem angeblichen Geheimschutz verstecken." Im ZEIT-Interview hatte Weimer gesagt, dass "Fachbeamte, die sich in der Buchhandlungsszene sehr gut auskennen", bei den drei betroffenen Buchhandlungen "grundsätzliche Zweifel an der Preiswürdigkeit" gehabt hätten. Daraufhin sei über das Innenministerium der Verfassungsschutz nach Informationen über die Buchläden angefragt worden. Dieser habe dann mitgeteilt, dass "etwas Ernsthaftes" vorliege. Was genau das sei, "darf uns der Verfassungsschutz nicht im Detail sagen", sagte Weimer. Nach öffentlicher Kritik an dem Ausschluss der Buchläden hatte Weimer die Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises auf der Leipziger Buchmesse abgesagt . Die Diskussion um die Streichungen drohe den Sinn der Veranstaltung "zunehmend zu überlagern", teilte ein Sprecher Weimers mit. Eine angemessene Würdigung der Preisträgerinnen und Preisträger scheine "in einem solchen Kontext kaum noch möglich". Die ausgewählten Buchhandlungen sollen Preisgeld und Urkunde auf direktem Wege erhalten.