Zeit 04.10.2026
18:35 Uhr

Brandmauer: Koalitionsfraktionen widersprechen Rhein bei Ausschussposten für AfD


Die Fraktionen von Union und SPD kontern Aussagen des hessischen Ministerpräsidenten. Er hatte gesagt, AfD‑Ausschussvorsitze im Bundestag sollten nicht verhindert werden.

Brandmauer: Koalitionsfraktionen widersprechen Rhein bei Ausschussposten für AfD
Die Fraktionen von Union und SPD widersprechen dem Plädoyer von Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) für einen anderen Umgang mit der AfD im Bundestag. Rhein hatte sich dafür ausgesprochen, AfD-Kandidaten bei Wahlen zum Vorsitz von Bundestagsausschüssen zu unterstützen. »Die Partei ist gewählt, und so sollte man mit ⁠ihr auch umgehen«, sagte Rhein in einem vorab veröffentlichten Interview mit dem stern. Für die Union müsse gelten: »Wir grenzen uns klar von der AfD ab, aber wir grenzen die Partei nicht aus.« Dies müsse auch in der Parlamentsarbeit gelten. Er verwies zudem darauf, dass AfD-Abgeordnete im hessischen Landtag und in anderen Landesparlamenten zu Vorsitzenden von Fachausschüssen gewählt worden seien. Die Parlamentsgeschäftsführerin der Unionsfraktion, Catarina dos Santos-Wintz , teilte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP mit, es gebe keinen Anspruch auf einen Ausschussvorsitz. Die Ausschussmitglieder wählten ihre Vorsitzenden selbst, sagte dos Santos-Wintz. Im Deutschen Bundestag hätten sich Abgeordnete der AfD mit ihrem Angebot nicht durchsetzen können. Das könne in Landtagen durchaus anders sein. Widerspruch aus der SPD-Bundestagsfraktion Auch der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Sebastian Fiedler, argumentierte ähnlich. Der Grund, weshalb die von der AfD vorgeschlagenen Kandidaten in den Ausschüssen bislang nicht die nötigen Mehrheiten erhalten haben, liege bei den Kandidierenden und nicht etwa bei den Mitgliedern der Ausschüsse, teilte Fiedler mit. Fiedler kritisierte es als »einigermaßen bedenklich, dass der hessische Ministerpräsident gleich auf mehrere der Narrative der AfD hereinfällt«. Wenn Rhein fordere, die AfD politisch zu stellen, dann unterschlage er, »dass man Parteien nur politisch besiegen kann, wenn sie sich – wie alle anderen – an die Spielregeln halten«, teilte Fiedler mit. AfD-Parlamentsgeschäftsführer Bernd Baumann hingegen wertete die Überlegungen Rheins als Anzeichen für ein generelles Umdenken in der CDU. Dass Rhein sich dafür ausspreche, der AfD-Fraktion Ausschussvorsitze im Bundestag zuzugestehen, sei »nur der erste Schritt«, weitere würden folgen. Er vermute, dass die CDU angesichts des Erstarkens der AfD bei den jüngsten Wahlen in absehbarer Zeit ihre Ausgrenzungsstrategie aufgeben werde, sagte der AfD-Politiker. Laut Bundesverfassungsgericht kein Anspruch auf Vorsitz In ihrer ersten Legislaturperiode im Bundestag hatte die AfD noch drei Ausschussvorsitzende gestellt. Nach der Bundestagswahl 2021 änderten die anderen Fraktionen ihr Vorgehen und lehnten AfD-Kandidaten für die Vorsitzposten in der Folge durchweg ab. Eine Klage der AfD-Bundestagsfraktion dagegen wies das Bundesverfassungsgericht im September 2024 als unbegründet zurück. In den Fachausschüssen des Bundestags findet gesetzgeberische Arbeit statt. Die Vorsitzendenposten in diesen Gremien werden unter den Fraktionen nach einem bestimmten Schlüssel aufgeteilt. Die jeweilige Fraktion hat dann das Vorschlagsrecht. Die vorgeschlagenen Kandidaten müssen allerdings von den Ausschussmitgliedern gewählt werden.