Zeit 01.10.2026
13:38 Uhr

Berlin: Erstes Treffen nach Abgeordnetenhauswahl in Berlin begonnen


Linke, Grüne und SPD in Berlin sprechen über Themen wie den Umgang mit Antisemitismus. Von dem Ergebnis dürfte abhängen, ob es zu Sondierungen kommt.

Berlin: Erstes Treffen nach Abgeordnetenhauswahl in Berlin begonnen
Spitzenpolitikerinnen der Linken , der Grünen und der SPD in Berlin sind zu einem Vorgespräch über eine mögliche Regierungskoalition zusammengekommen. Linke-Landesvorsitzende Kerstin Wolter sagte, sie freue sich über den Beginn der Gespräche. »Und darauf, dass wir jetzt darüber reden, wie wir vielleicht zusammenkommen.« Auch die SPD-Landesvorsitzende Bettina König ergänzte lediglich: »Wir gehen jetzt in diese Gespräche – ganz entspannt.« Details zur Tagesordnung oder zum Zeitplan nannten beide nicht. Die Grünen-Landesvorsitzende Nina Stahr sagte, es handle sich um ein vertrauliches Vorgespräch. Bei dem Treffen wollen die drei Parteien über heikle Themen wie den Umgang mit Antisemitismus und organisierter Kriminalität reden, die nach dem Sieg der Linken bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September für Debatten gesorgt hatten. Eine Verständigung über diese Punkte gilt als Voraussetzung für den Start von Sondierungsgesprächen. Grüne und SPD fordern vor der Aufnahme solcher Gespräche klare und verbindliche Festlegungen zum Umgang mit Antisemitismus und zum Schutz jüdischen Lebens – sowohl innerhalb der Linken als auch in einer möglichen Koalition. Dröge sieht Bedingungen für Koalitionsgespräche nicht erfüllt Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus war die Linke mit Abstand stärkste Kraft geworden. Die Partei strebt eine rot-grün-rote Koalition an. Sie könnte mit ihrer Spitzenkandidatin und Co-Fraktionsvorsitzenden Elif Eralp erstmals eine Regierende Bürgermeisterin in Berlin stellen. Mehrere Vorfälle bei der Linken haben indes Besorgnis bei den potenziellen Koalitionspartnern ausgelöst. Unter anderem waren bei einer Wahlparty der Neuköllner Linken sowohl ein Oberhaupt eines teils kriminellen Clans als auch ein umstrittener propalästinensischer Aktivist anwesend. Vor Beginn des Vorgesprächs forderte Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge von der Berliner Linken ein härteres Vorgehen gegen Antisemitismus in den eigenen Reihen. »Das sind keine Einzelfälle, das ist ein strukturelles Problem«, sagte Dröge den Sendern RTL und ntv. Die Bedingungen für Gespräche über eine gemeinsame Landesregierung in Berlin seien noch nicht erfüllt. »Wenn die Linke nicht deutlich macht, dass sie da wirklich mit aller Entschlossenheit und aller Härte gegen vorgeht, dann kann es diese Gespräche aus unserer Sicht so nicht geben.« Klarheit der Linken beim Thema Antisemitismus sei eine Grundbedingung für mögliche Sondierungen. Bodo Ramelow fordert seine Partei auf, Klarheit zu schaffen Dröge verlangte zudem eine Erklärung von Linken-Spitzenkandidatin Eralp, warum diese jahrelang Mitglied in dem Verein Rote Hilfe war, der vom Verfassungsschutz wegen Linksextremismus beobachtet wird. »Sie hat selber gesagt, sie wollte offensichtlich nicht mehr Mitglied des Vereins sein. Das heißt, sie hat ja ein Problem gefühlt, und sie muss beantworten, warum sie in dem Verein Mitglied war, den sie dann selber im Nachhinein nicht mehr richtig fand«, sagte Dröge. Kritische Stimmen kamen auch aus der Linken selbst. Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow forderte seine Partei auf, nach den Vorfällen rund um die Wahl in Berlin Klarheit zu schaffen. »Nichts, was man unter den Teppich kehrt, verschwindet«, sagte er dem Nachrichtenportal t-online . Ramelow kritisierte auch den Umgang seiner Partei mit ihm selbst. »Ich werde in meiner Partei als Zionist beschimpft, und meine Partei schweigt dazu – als wäre ›Zionist‹ ein Schimpfwort«, sagte er. »Da würde ich mir mehr Solidarität wünschen.«