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09.10.2026
04:00 Uhr
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In der kleinen badischen Gemeinde \u00d6tigheim kann man eine Menge Spa\u00df haben. Direkt an der Bundesstra\u00dfe 3 versteckt sich im Wald das Unimog-Testgel\u00e4nde. Mit drei kr\u00e4ftigen Schritten wuchtet man sich die Stufen hinauf in die Fahrerkabine. Anschnallen, festhalten, Abfahrt. Es folgen: Wasserbecken, m\u00e4chtige Schlagl\u00f6cher, Schieflage. Auf einer f\u00fcr Pkw-Fahrer komplett irrationalen Steigung stemmt sich der Unimog hinab der Schwerkraft entgegen, w\u00e4hrend der Gurt gegen die Brust und Schulter presst. Dabei ist der Unimog eigentlich kein Fahrzeug, bei dem der Spa\u00df im Vordergrund steht. Das Nutzfahrzeug wird ganz unterschiedlich genutzt. Zum Beispiel von Kommunen f\u00fcr den Winterdienst. Aber auch von der Feuerwehr oder dem Milit\u00e4r - also so ziemlich das Gegenteil von Spa\u00dfveranstaltungen. Wie konnte sich dieses Fahrzeug - das zu Beginn mal f\u00fcr den Acker gedacht und so gebaut wurde, dass genau zwei Kartoffelreihen zwischen die R\u00e4der passen - in den vergangenen Jahrzehnten zu einem so vielseitigen Fahrzeug entwickeln? Und warum ist der Unimog heute wom\u00f6glich relevanter denn je? Entstanden in der Nachkriegszeit Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erkannte Albert Friedrich, ehemaliger Leiter der Daimler-Benz Flugmotorenfertigung, \u00abden enormen Bedarf an Agrar-Schleppern f\u00fcr Klein- und Mittelbetriebe in der deutschen Landwirtschaft\u00bb, hei\u00dft es auf der Webseite der zum Daimler-Truck-Konzern geh\u00f6renden Sparte Mercedes-Benz Trucks. Neben der Gel\u00e4ndetauglichkeit habe die einfache Umr\u00fcstbarkeit f\u00fcr vielf\u00e4ltige Aufgaben im Vordergrund gestanden. Das Fahrzeug sollte robust, schnell und vielseitig sein. Sozusagen eine Art frisierter Traktor. In Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd auf dem Gel\u00e4nde der Firma Erhard & S\u00f6hne wurden die ersten Prototypen f\u00fcr ein solches Nutzfahrzeug getestet. Der Ingenieur Hans Zabel sei es dann gewesen, der aus dem Projektnamen \u00abUniversal-Motor-Ger\u00e4t f\u00fcr die Landwirtschaft\u00bb die Abk\u00fcrzung \u00abUnimog\u00bb machte. Die erste Pr\u00fcfungsfahrt fand am 9. Oktober 1946 statt. Zwei Jahre sp\u00e4ter startete die erste Serienfertigung im Werk der Gebr\u00fcder Boehringer im schw\u00e4bischen G\u00f6ppingen. Damals noch mit einem markanten Ochsenkopf mit H\u00f6rnern, die ein \u00abU\u00bb darstellten, als Markenzeichen auf der Motorhaube. Weil dort die Produktion schnell an ihre Grenzen stie\u00df, \u00fcbernahm Daimler-Benz. 1951 begann die Produktion in deren Lkw-Werk im badischen Gaggenau, s\u00fcdlich von Karlsruhe. Heute wird der Unimog nicht allzu weit entfernt in W\u00f6rth am Rhein produziert, die Komponenten kommen weiterhin aus Gaggenau. Experte: Grundidee auch 80 Jahre sp\u00e4ter noch relevant \u00abDer eigentliche Erfolg des Unimog besteht darin, dass eine 1946 entwickelte Grundidee auch 80 Jahre sp\u00e4ter noch relevant ist\u00bb, sagt Stefan Reindl, Direktor vom Institut f\u00fcr Automobilwirtschaft im schw\u00e4bischen Geislingen. Seit dem ersten Prototyp sei nahezu alles am Fahrzeug technisch weiterentwickelt worden, aber nicht dessen grundlegendes Versprechen: \u00abEin Fahrzeug bereitzustellen, das dort arbeiten kann, wo konventionelle Fahrzeuge an ihre Grenzen gelangen.\u00bb Der Unimog sei ein bemerkenswertes Beispiel f\u00fcr ein Produktkonzept, dessen technischer Wesenskern \u00fcber Jahrzehnte relevant geblieben sei, sagt Experte Reindl. Aus dem urspr\u00fcnglich landwirtschaftlich ausgerichteten Fahrzeug habe sich eine eigene Fahrzeuggattung zwischen Lkw, Ger\u00e4tetr\u00e4ger, Zugmaschine und hochgel\u00e4ndeg\u00e4ngigem Spezialfahrzeug entwickelt. Blick in die Zukunft Der Unimog sei f\u00fcr Daimler Truck ein Wachstumsfeld, sagt Dennis Kinzelmann, der als Chef von Mercedes-Benz Special Trucks auch das Unimog-Gesch\u00e4ft verantwortet. Es ist September, Kinzelmann blickt auf einer Branchenmesse in Hannover auf einen gr\u00fcnen Unimog. Er wirkt - auch wenn es sein Job ist, seine Fahrzeuge gut zu verkaufen - begeistert, wenn er vom Unimog spricht. Die Nachfrage nach dem Unimog werde steigen, weil zum einen eine Notwendigkeit besteht, die Verteidigungsf\u00e4higkeit in Europa sicherzustellen, sagt Kinzelmann. \u00abUnd zum anderen sehen wir, dass der Unimog bei Waldbr\u00e4nden, \u00dcberschwemmungen und anderen Naturkatastrophen ben\u00f6tigt wird, die wahrscheinlich leider im Rahmen des Klimawandels zunehmen werden\u00bb, sagt Kinzelmann. Eine konkrete Prognose zur k\u00fcnftigen Absatzentwicklung macht Daimler Truck jedoch nicht. Insgesamt seien in den vergangenen Jahren mehr als 375.000 Unimog produziert und verkauft worden. J\u00e4hrlich liege der Unimog mit einer niedrigen vierstelligen Anzahl im Plan, sagt Kinzelmann. Experte: \u00abMultifunktionalit\u00e4t, Robustheit und Einsatzsicherheit\u00bb F\u00fcr professionelle Anwender liege der besondere Wert des Unimog in seiner \u00abMultifunktionalit\u00e4t, Robustheit und Einsatzsicherheit\u00bb, sagt Autoexperte Reindl. Ein Unimog werde h\u00e4ufig nicht f\u00fcr eine einzelne Aufgabe angeschafft, sondern als Plattform f\u00fcr sehr unterschiedliche Anwendungen. So k\u00f6nnten ihn Kommunen au\u00dferhalb vom Winterdienst auch f\u00fcr Gr\u00fcnpflege einsetzen. Entscheidend sei also nicht nur der Preis, sondern die m\u00f6gliche Auslastung \u00fcber das gesamte Jahr. Nach Angaben von Daimler Truck beginnt das Basisfahrzeug preislich ganz grob im hohen f\u00fcnfstelligen Bereich. Je nach Ausf\u00fchrung k\u00f6nne die Preisspanne erheblich variieren. F\u00fcr Privatleute stellt sich die Frage nach dem Preis f\u00fcr gew\u00f6hnlich ohnehin nicht. Auch wenn zuletzt ein Showcar f\u00fcr das Luxussegment vorgestellt wurde, das aber noch weit davon entfernt ist, wirklich auf den Markt zu kommen. Immerhin: Wer mal in einem Unimog mitfahren m\u00f6chte, kann das unweit der Teststrecke in \u00d6tigheim im Au\u00dfenbereich vom Unimog-Museum in Gaggenau tun. Kostenpunkt: 9,50 Euro. \u00a9 dpa-infocom, dpa:261009-930-812440/1