|
08.10.2026
11:17 Uhr
|
Arbeitnehmer in Deutschland sind im Schnitt 23,3 Tage im Jahr krankgeschrieben. Die Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen sind um 42 Prozent gestiegen.

Die Fehlzeiten am Arbeitsplatz wegen psychischer Erkrankungen sind deutlich gestiegen. Beschäftigte fielen im vergangenen Jahr laut Daten der AOK häufiger wegen psychischer Erkrankungen aus als vor zehn Jahren. 2025 weist die Statistik 403 Krankschreibungstage aufgrund psychischer Krankheiten pro 100 AOK-Versicherten aus, teilte die Krankenkasse mit. 2016 seien es laut AOK-Fehlzeitenreport noch 248 Ausfalltage gewesen. Das entspricht einem Anstieg um 42 Prozent. Im Vergleich verschiedener Krankheitsarten liegen psychische Erkrankungen zwar weiterhin deutlich hinter Atemwegsinfekten wie Erkältungen und Grippe. Jedoch fielen Beschäftigte mit einer psychischen Erkrankung besonders lange aus. Im Durchschnitt seien sie im vergangenen Jahr 28,5 Tage krankgeschrieben worden, während der Ausfall bei Atemwegserkrankungen durchschnittlich 5,7 Tage gedauert habe. Atemwegserkrankungen führen mit 80 Prozent der Krankschreibungen die Statistik an. Einen überdurchschnittlichen Anstieg von 77 Prozent gab es bei Burn-out-Diagnosen. Während 2016 noch elf Ausfalltage je 100 AOK-Mitglieder mit der Diagnose Burn-out erfasst wurden, waren es 2025 bereits 19,5 Tage. Einfluss der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung Insgesamt seien die Fehlzeiten der Beschäftigten zuletzt leicht zurückgegangen, teilte die Krankenkasse mit. 2025 seien 23,3 Arbeitsunfähigkeitstage pro AOK-Mitglied registriert worden. 2024 waren es 23,9 Tage, ebenso wie 2023. Der bisherige Spitzenwert wurde den Angaben zufolge im Corona-Jahr 2022 mit 24,5 Krankheitstagen erreicht. Damit lägen die Werte immer noch über dem Niveau der Werte vor der Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU), sagte Helmut Schröder, WIdO-Geschäftsführer und Mitherausgeber des Fehlzeitenreports. »Die eAU hat neben weiteren Faktoren wie dem Anstieg der Atemwegserkrankungen infolge der Corona-Pandemie und dem stetigen Zuwachs bei den psychischen Erkrankungen zu einer vollständigeren Erfassung der Krankmeldungen und zu einem Niveau-Shift nach oben geführt.« Große Unterschiede zwischen Berufsgruppen Deutliche Unterschiede bei den Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen gibt es zwischen den Berufsgruppen. Berufe im Dialogmarketing lagen vorn, gefolgt von Berufen in der Haus- und Familienpflege und Berufen in der Altenpflege. Auch Beschäftigte in der Heilerziehungspflege und Sonderpädagogik sowie in der Kinderbetreuung und -erziehung sind besonders oft von psychischen Erkrankungen betroffen. Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für das Krankengeld steigen laut AOK seit vielen Jahren. 2025 machten sie nach den vorläufigen Daten des Reports mit 21,6 Milliarden Euro etwa 6,1 Prozent der GKV-Gesamtausgaben aus. Vor zehn Jahren waren es 11,2 Milliarden Euro. Die Daten mit dem Schwerpunktthema »Mentale Gesundheit in der Arbeitswelt stärken« wurden vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) analysiert und für den Fehlzeitenreport der AOK aufbereitet. Er wird seit 1998 in Zusammenarbeit mit der Universität Bielefeld und der Berliner Hochschule für Technik herausgegeben.