Welt 13.07.2026
07:40 Uhr

„Wo Menschen den Willen zur Freiheit haben, werden sie frei sein!“


Mit einer originalgetreuen Kopie der Berliner Freiheitsglocke hat die Axel Springer Freedom Foundation zum 250. Jahrestag der US-Unabhängigkeitserklärung an die Verbindung zwischen der einst geteilten Stadt und den USA erinnert. Ein besseres Symbol ist kaum denkbar.

„Wo Menschen den Willen zur Freiheit haben, werden sie frei sein!“

Es war eine Art Heimkehr. Anlässlich des 250. Jahrestags der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 1776 hat die Axel Springer Freedom Foundation (verlinkt auf https://freedom.axelspringer.com/de/) eine originalgetreue Nachbildung der Berliner Freiheitsglocke gezeigt – im Rahmen der Great American State Fair (verlinkt auf https://www.freedom250.org/celebration/the-great-american-state-fair) auf der National Mall in Washington, D.C. Es handelt sich bei dieser Glocke um ein zentrales Symbol der deutsch-amerikanischen Freundschaft, des Kampfes für Freiheit und gegen Diktatur weltweit – und um eine Adaption der Liberty Bell in der ersten (kurzzeitigen) Hauptstadt der Vereinigten Staaten, Philadelphia. Rückblende. Es ist der 24. Oktober 1950. In West-Berlin stehen eine halbe Million Menschen dicht an dicht vor dem Rathaus Schöneberg. Fast alle Kinder haben schulfrei, viele Firmen räumen ihren Mitarbeitern eine verlängerte Mittagspause ein. Denn an diesem Dienstag findet ein einzigartiges Ereignis statt. Eine Premiere, die sie alle mit eigenen Ohren erleben wollen: das symbolische „Anläuten“ der Berliner Freiheitsglocke genau um 12 Uhr mittags. Die halbe Welt hört, was sich in West-Berlin abspielt: Rund 2000 Radiostationen überall auf dem Globus schalten sich nach und nach in die Übertragung der Ansprachen ein. Die Begrüßungsworte spricht General Maxwell D. Taylor, der US-Stadtkommandant. Er beschwört die Magie des Augenblicks: „Nur ein Ereignis von ganz ungewöhnlicher Bedeutung kann der Grund für eine solche Zusammenkunft sein.“ Nichts daran ist zufällig: nicht die Idee, nicht die Form und nicht das Datum der Einweihung. In Philadelphia im US-Bundesstaat Pennsylvania hängt schon seit 1753 eine in England gegossene Glocke von fast gleicher Form, allerdings viel geringerer Größe. Sie läutete unter anderem, als am 8. Juli 1776 die Unabhängigkeitserklärung der USA öffentlich verlesen wurde, vier Tage nach ihrer Verabschiedung. Seither trägt diese Glocke den stolzen Namen Liberty Bell. Obwohl sie im frühen 19. Jahrhundert riss und seither nicht mehr klingt, ist die Freiheitsglocke von Philadelphia eines der wichtigsten Heiligtümer der amerikanischen Nation. An diese Tradition knüpft der pensionierte Vier-Sterne-General Lucius D. Clay (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article117395405/Berliner-Luftbruecke-Mit-100-Gramm-pro-Person-und-Tag-gegen-Stalin.html) an, als er im Januar 1950 den Vorsitz des „Nationalkomitees für ein freies Europa“ übernimmt. Seit 1945 hat er die US-Militärregierung im besetzten Deutschland erst faktisch, dann auch der Form nach geleitet und in dieser Funktion die Luftbrücke zur Versorgung West-Berlins (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article192040691/Luftbruecke-1948-49-Geheimunternehmen-brach-den-Willen-der-Sowjets.html) während der sowjetischen Blockade 1948/49 durchgesetzt. Dem politisch erfahrenen Militär ist klar: Je mehr Amerikaner sich für das Schicksal der geteilten Stadt interessieren, desto schwerer wird es künftigen Regierungen in Washington fallen, sich aus Europa zurückzuziehen. Deshalb schlägt er bald nach Amtsantritt seinen Mitstreitern im Nationalkomitee vor, West-Berlin eine Kopie der Freiheitsglocke von Philadelphia zu schenken – als Anerkennung für das Durchhaltevermögen der Menschen während der Blockade und zugleich als Versprechen an die Völker im Ostblock, dass auch sie eines Tages frei sein werden. Wie einst das Original wird die Kopie in einer traditionsreichen englischen Gießerei hergestellt. Weil die neue Glocke im Turm des West-Berliner Parlaments- und Regierungsgebäudes aufgehängt werden soll, in einer Höhe von 70 Metern, muss sie aber viel lauter sein als das Original. Die Form ist trotzdem weitgehend identisch, und zur Unterscheidung von der Liberty Bell bekommt der fast zwölfmal so schwere Bronzeguss für Berlin den Namen Freedom Bell. Als Urheber dieser Idee gebührt natürlich Clay (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article246025916/Berlin-Blockade-Es-begann-mit-einem-Attentat-auf-das-Bargeld.html) die Ehre, die Glocke einzuweihen. Vorher wendet er sich noch direkt an die Hunderttausenden Berliner vor dem Rathaus und lobt sie für ihr Stehvermögen: „Weil Sie Ihren Freiheitswillen bewiesen haben, sollen Sie diese Glocke bewahren, in der festen Überzeugung, dass sie in Ihren Händen jetzt und immer für die Freiheit läuten und damit die Botschaft hinaustragen wird, die Sie erfahren haben: Wo Menschen den Willen zur Freiheit haben, werden sie frei sein!“ Exakt um 12 Uhr am 24. Oktober 1950, dem fünften Jahrestag der Charta der Vereinten Nationen (verlinkt auf https://unric.org/de/die-charta-der-vereinten-nationen/) , drückt Clay auf einen Schalter am Rednerpult vor dem Rathaus. Doch einige Schrecksekunden lang tut sich nichts. Der Schalter sollte zwei Elektromotoren in Gang setzen, um das neue Symbol des freien (West-)Berlins erstmals ertönen zu lassen. Doch just in diesem Moment brennen die Sicherungen der provisorisch installierten Elektrik im Rathaus durch. Zum Glück stehen oben im Turm nahe der Glocke einige Handwerker, die sofort reagieren und den über zehn Tonnen schweren Bronzeguss mit ihrem Körpergewicht in Bewegung setzen. Das Anläuten der Freiheitsglocke gelingt. Seither lässt sie jeden Mittag um 12 Uhr für zwei Minuten ihren tiefen Klang über die Dächer Berlins erschallen, außerdem noch an Feiertagen und zu besonderen Anlässen. Es gibt seit 1950 nur wenige Unterbrechungen aus technischen Gründen. Für die Axel Springer Freedom Foundation (verlinkt auf https://freedom.axelspringer.com/de/) steht das Projekt, zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung eine Kopie der Berliner Freiheitsglocke in die USA zu bringen, für das Bekenntnis zum transatlantischen Bündnis, das in den Essentials des Unternehmens (verlinkt auf https://www.axelspringer.com/de/was-uns-ausmacht) verankert ist. Realisiert worden ist die Idee in Kooperation mit dem Ernst-Reuter-Archiv, der Stiftung Luftbrückendank, dem Alliierten-Museum, dem American Jewish Committee, dem Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg und der Deutschen Postcode Lotterie.