Welt 20.03.2026
08:32 Uhr

WamS Trump Iran


WamS Trump Iran

Pete Hegseth pflegt eine martialische Wortwahl. „Es kostet Geld, böse Kerle zu töten“, antwortete der US-Verteidigungsminister am Donnerstag auf die Frage, ob das Pentagon fast 200 Milliarden Euro zusätzlicher Gelder für den Krieg im Iran beantragt habe. „Wir müssen genug Geld haben für das, was wir tun und vielleicht noch in Zukunft tun müssen.“ Es war einer der vielen Hinweise darauf, dass der am 28. Februar begonnene Krieg nicht so verläuft wie die Militäraktionen, die US-Präsident Donald Trump bisher in seiner zweiten Amtszeit durchführen ließ. Im Juni 2025 flogen Tarnkappenbomber über den Iran, bombardierten drei Nuklearanlagen und flogen wieder nach Hause. Am ersten Januarsamstag überfiel ein US-Spezialkommando die Residenz von Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro, nahm ihn gefangen und brachte ihn in ein New Yorker Gefängnis. Auch dieser Angriff war nach ein paar Stunden vorbei. Im Iran hingegen eskaliert die Lage. Das Pentagon kündigt regelmäßig an, dass der jeweilige Tag der Tag sei, an dem das Mullah-Regime die bisher schwersten Bombardierungen erleben werde. Gleichzeitig überschreitet die verbliebene Führung im Teheran sukzessiv rote Linien, zuletzt mit Raketenbeschuss der Industriestadt Ras Laffan. In der Hafenstadt in Katar steht die weltweit größte Anlage zum Export von Flüssiggas (LNG). Durch die Blockade der Straße von Hormus hat Teheran zudem eine weltweite Energiepreiskrise ausgelöst. Was sind Trumps Pläne Der US-Präsident gab zu Beginn des Kriegs vier Ziele aus. Die Auslöschung des iranischen Nuklearprogramms, die Zerstörung des iranischen Raketenarsenals und der iranischen Flotte als auch der Rolle Teherans als regionaler Terror-Sponsor ein Ende zu machen. In den ersten Tagen gab Trump an, dass sein Krieg „vier oder fünf Wochen“ dauern werde. Mittlerweile macht der Republikaner keine Zeitangaben mehr. Er schließt auch nicht aus, dass er Bodentruppen einsetzen könnte – obwohl das für viele in seiner „Make America Great Again“-Bewegung die rote Linie bedeutet. Mit jedem Tag, den der Krieg weitergeht, schließe sich das Exit-Fenster für Trump weiter, meint der Sicherheitsexperte Tom Wright im Gespräch mit dieser Zeitung. Wright, der für den Nationalen Sicherheitsrat von Joe Biden arbeitete und heute für die Denkfabrik Brookings tätig ist, sieht drei Szenarien. Trump könne volles Risiko eingehen, etwa indem er hoch angereichertes Uran aus Irans Nuklearanlagen sichern lässt oder die Kharg-Insel besetzt, Schlüssel für Irans Ölexporte. „Dann könnte er einen Sieg deklarieren, aber das könnte viele Soldatenleben kosten.“ Zweite Option wäre ein langwieriger Krieg, durch den die Energiepreise für die US-Verbraucher nur noch höher würden. „Die dritte Option wäre eine Verhandlungslösung mit dem Iran, was schwierig würde. Denn die USA müssten sicherstellen, dass Teheran nicht wieder aufrüstet.“ Was sind die Pläne der Europäer Zunächst hatte Friedrich Merz mit seiner Haltung zur Krise wieder jene Führungsrolle in Europa erlangt, die manche von Deutschland erwarten. Merz’ Formel „Das ist nicht unser Krieg“ schlossen sich die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas und Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni an. Aber mit einem deutschen und europäischen „Nein“ ist nicht geklärt, wie Berlin und seine EU-Partner den immensen Schaden kontrollieren können, den die Krise in ihren Volkswirtschaften anrichten kann. Prompt forderte der CDU-Chef beim EU-Rat am Donnerstag ein „klares Signal“, dass die Union nach einer Waffenruhe bei der Sicherung der Seewege in der Region zu helfen bereit sei. Parallel verkündete Berlin mit Frankreich, dem Vereinigten Königreich, Italien, den Niederlanden und Japan die Bereitschaft, „einen Beitrag zu geeigneten Anstrengungen zu leisten, um eine sichere Passage der Meerengen zu gewährleisten“. Hochrangige Diplomaten in Washington bestätigten WELT AM SONNTAG erste Gespräche mit den USA, „die aber noch Wochen der Planungen bedeuten“. Offizielle Anfragen des Weißen Hauses zur Kooperation für die Sicherung der Meerenge gibt es bisher nicht. Ohnehin bleibt eine Waffenruhe an der Meerenge ein weit entferntes Ziel. „Es wird schwer, iranischen Raketenbeschuss auf Hormus mit Luftangriffen abzustellen“, warnt Jeremy Binnie, Nahostexperte des militärischen Fach-Informationsdienstes Jane’s in London, mit Blick auf die bisherige US-Militärstrategie. Die Raketen des Iran seien weit über das Land verstreut positioniert. Es könne sehr lange dauern, sie alle zu zerstören. Selbst aus den Gebirgen Hunderte Kilometer von den Gewässern des Golfs entfernt könnten iranische Einheiten die Seestraße noch beschießen. An die Spitze der EU-Bewegung hat sich derweil Frankreich gesetzt. „40.000 Tonnen Diplomatie“ titelten die französischen Medien, als Präsident Emmanuel Macron den Flugzeugträger Charles-de-Gaulle nach der ersten Woche des Konflikts ins östliche Mittelmeer entsandte. Inzwischen sind auch acht französische Fregatten, zwei Hubschraubträger und ein U-Boot vor Ort. In den Emiraten und Jordanien fliegen 24 Rafales-Kampfjets rund um die Uhr Einsätze. Dass Frankreich in den Lead geht, hat mehrere Gründe. Erstens ist es in Europa eines der wenigen Länder, das über eigene Kriegsschiffe und Kampfjets aus eigener Produktion verfügt. Das allein prädestiniert es dazu, dem Iran rote Linien aufzuzeigen. Hinzu kommt, dass Macron innenpolitisch längst alle Macht verloren hat und ein Jahr vor Ende seiner zweiten Amtszeit als lame duck gesehen wird. Zumindest laufen die diplomatischen Drähte in Paris heiß. Seit Beginn des Konflikts hat Macron als einziger westlicher Staatschef zweimal mit dem iranischen Präsidenten Massud Peseschkian telefoniert, sein Außenminister sprach mit seinem iranischen Amtskollegen. Die Pläne der Golfstaaten Die westlichen Partner am Golf verweisen nachdrücklich auf ihre Resilienz. „Die Luftverteidigungssysteme unseres Landes haben mit hoher Effizienz reagiert; der überwiegende Teil der eingehenden Raketen und sonstigen Luftbedrohungen konnte erfolgreich abgefangen werden, bevor sie ihre Ziele erreichten“, sagt Ahmad Alattar, Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate in Deutschland, WELT AM SONNTAG. Nach Schätzungen liegt die Trefferquote der emiratischen Flugabwehr bei über 90 Prozent. Zwar haben alle Golfstaaten seit Beginn des Gaza-Krieges 2023 intensiv in ihre Luftverteidigung investiert, die Emiratis taten aber mit am meisten. „Unser Land bereitet sich seit Jahrzehnten auf derartige Szenarien vor, weshalb wir heute in der Lage sind, unsere Bürger, Einwohner und Besucher wirksam zu schützen“, sagt Alattar. Man sei zuversichtlich, dass die Vereinigten Arabischen Emirate aus dieser Krise gestärkt hervorgehen werden. Man danke den Partnern in aller Welt für ihre Unterstützung. Doch aus den arabischen Golfstaaten sind auch andere Töne zu hören. Zwar gibt es nicht-öffentliches Lob für die fortschreitende Zerstörung der iranischen Kriegsmaschinerie. Doch mit jedem Tag wächst der Druck, einen Ausweg aus der Krise zu finden. Denn bei allen Staaten der Region schmilzt der Vorrat an Abwehrraketen, sagen Regierungsvertreter. Doch die Voraussetzungen für Verhandlungen sind denkbar schwierig. Als vergangenen Mittwoch Außenminister und Regierungschefs der wichtigsten Golfstaaten und weiterer mehrheitlich muslimischer Länder Asiens und Afrikas in einem Konferenzsaal in Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad zu Krisenberatungen zusammenkamen, schossen zeitgleich in unmittelbarer Nähe saudische Luftabwehrraketen in den Himmel. Der Iran hatte pünktlich zu Beginn der Sitzung ballistische Raketen auf Riad abgefeuert. Iran beschießt selbst die klassischen Vermittlerstaaten Katar und Oman. Effektvoller kann Teheran kaum ausdrücken, dass es an Gesprächen gerade kein Interesse hat. Die Pläne Israels Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hat die Iraner zwar wiederholt zum Regime-Sturz aufgefordert, sogar in Internet-Videos mit persischen Untertiteln. Aber es ist fraglich, ob dieses Ziel in Jerusalem wirklich oberste Priorität hat. Dass der Iran tatsächlich kurz davor stand, eine einsatzfähige Atombombe herzustellen – wie Trump behauptet – ist ebenfalls unwahrscheinlich. Das Muster der israelischen Angriffe weist eher darauf hin, dass Israel die konventionelle militärische Bedrohung durch den Gegner weitgehend minimieren will – in dem Wissen, dass sich diese Bedrohung langfristig nicht aus der Welt schaffen lässt. Womöglich plant Israel die größte Zahl iranischer Raketen, Kriegsschiffe und Anführer auszuschalten und sieht dann weiter. Wenn dabei das Regime stürzt, dann hat man in Jerusalem natürlich nichts dagegen. Grundsätzlich ist die Strategie des jüdischen Staats, auf Dauer mit den Bedrohungen in der Nachbarschaft klarzukommen. Das führt gleichzeitig zu Friktionen mit der US-Administration. Denn die Ziele der beiden Regierungen sind nicht immer vereinbar. So erklärte Premier Benjamin Netanjahu nach dem Beschuss des iranischen Erdgasfelds Pars durch Israel am Donnerstag, dieser Angriff sei allein auf das Konto seiner Regierung gegangen. Nach US-Medienberichten hatte Trump verärgert reagiert, weil der Angriff die Energiepreise weiter anheizt. Auch war nicht klar, ob das Weiße Haus wirklich vorab informiert worden war.