Welt 03.10.2026
12:23 Uhr

Urkundenfälschung – türkischer Schiri-Boss bleibt in U-Haft


Der türkische Fußball kommt nicht zur Ruhe. Nach einem Wettskandal erschüttert jetzt eine Affäre um den Vorsitzenden des Schiedsrichterausschusses den Verband. Die Vorwürfe wiegen schwer.

Urkundenfälschung – türkischer Schiri-Boss bleibt in U-Haft

Nach den Razzien im türkischen Fußball müssen der Vorsitzende des zentralen Schiedsrichterausschusses MHK, Ferhat Gündogdu, und vier weitere Verdächtige in Haft bleiben. Das entschied ein Gericht in Istanbul, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Den Funktionären werden Urkundenfälschung, Vertrauensmissbrauch und die rechtswidrige Erlangung personenbezogener Daten vorgeworfen. Zwei Verdächtige, die ebenfalls festgenommen worden waren, kamen dagegen unter Auflagen wieder frei. Vorausgegangen waren Durchsuchungen in Istanbul (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/istanbul/) , Ankara und zwei weiteren Städten. Neben Gündogdu sollen auch zwei Spitzen-Schiedsrichter unter den Verdächtigen sein. Zuständig für die Ermittlungen ist die Abteilung für illegale Wetten und Sportkriminalität der Staatsanwaltschaft Istanbul. Kein Zusammenhang mit illegalen Wetten Der MHK ist das Gremium des türkischen Fußballverbands, das Schiedsrichter für Ligaspiele einstuft, einsetzt und deren Leistung bewertet. Ihre Entscheidungen stehen seit Langem im Fokus der türkischen Vereine und Fans, die die Schiedsrichterbesetzungen häufig infrage stellen. Ein Zusammenhang zum Skandal im türkischen Fußball wegen der Vorwürfe illegaler Sportwetten (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/sportwetten/) gegen Schiedsrichter, Spieler und Vereinsfunktionäre besteht ersten Erkenntnissen zufolge nicht. Im vergangenen November hatte die türkische Staatsanwaltschaft im Rahmen eines landesweiten Wettskandals Haftbefehle gegen 21 Personen erlassen, darunter 17 Schiedsrichter (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/fussball/article690884aa73566d3912c08d1d/var-aerger-in-der-bundesliga-dem-fussball-wird-auf-dauer-die-seele-rausgerissen.html) und der Präsident eines türkischen Spitzenklubs. Der Skandal kam ans Licht, als der türkische Fußballverband 149 Schiedsrichter und Schiedsrichterassistenten suspendiert hatte. 371 von 571 aktiven Schiedsrichtern unterhielten Konten bei Wettanbietern. Von diesen sollen 152 Schiedsrichter Wetten auf Fußballspiele platziert haben, darunter sieben Schiedsrichter und 15 Schiedsrichterassistenten der höchsten Spielklasse.