Welt 18.07.2026
13:38 Uhr

Unions-Fraktionschef Spahn tritt zurück


Jens Spahn hat seinen Rücktritt als CDU/CSU-Fraktionschef erklärt. Damit kam er Bundeskanzler Friedrich Merz zuvor, der ihm offenbar einen Rückzug nahegelegt hatte. Hintergrund ist die Kontroverse um eine von Spahn beauftragte Leihmutter in den USA.

Unions-Fraktionschef Spahn tritt zurück

CDU/CSU-Fraktionschef Jens Spahn hat seinen Rücktritt erklärt. In einem Schreiben an die Fraktion, das WELT und der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, schreibt er: „Ich habe die Parteivorsitzenden von CDU und CSU, Friedrich Merz und Markus Söder, darüber informiert, dass ich mit diesem Schreiben an unsere Fraktion von meinem Amt als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zurücktrete.“ Zuvor hatte offenbar auch Bundeskanzler Friedrich Merz Jens Spahn zum Rücktritt aufgefordert. Das will die dpa aus dem Umfeld des Parteivorsitzenden erfahren haben. Der CDU-Politiker war unter Druck geraten, weil er und sein Mann die Hilfe einer Leihmutter in den USA (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article6a5a3b40c722326276499ace/jens-spahn-erklaert-seine-entscheidung-fuer-leihmutterschaft-ich-habe-lange-mit-mir-gerungen.html) in Anspruch genommen hatten. Wörtlich heißt es in dem Schreiben von Jens Spahn: „Mir ist in den letzten Tagen bewusst geworden, dass mein persönliches Glück, gemeinsam mit meinem Mann eine Familie zu gründen und Vater zu werden, nicht vereinbar ist mit meinem politischen Amt. Denn der Spagat zwischen meiner privaten Entscheidung zu einem Kind durch Leihmutterschaft und der nachvollziehbaren Erwartung an mich als Vorsitzenden unserer Fraktion ist größer geworden, als ich es erwartet hatte.“ Die „zunehmende Unerbittlichkeit in der öffentlichen Auseinandersetzung“ habe ihn zudem „sehr nachdenklich“ gemacht, schreibt Spahn weiter. Der 46-Jährige schließt sein Schreiben mit den persönlichen Worten: „Eines ist mir in den letzten Tagen immer klarer geworden: Meine Familie ist mir das Wichtigste“ und bedankt sich dann noch für die „gemeinsame Arbeit“ der vergangenen Monate. Am Mittwoch war bekannt geworden, dass Spahn und sein Mann Daniel Funke mithilfe einer Leihmutter in den USA Eltern geworden sind. Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten, die CDU lehnt eine Legalisierung ab. Mit seinem persönlichen Verhalten begab sich Spahn damit in Widerspruch zur Linie seiner Partei und erntete dafür in den vergangenen Tagen zunehmend Kritik. Spahn selbst hatte in einem Podcast des „Bild“-Vize und Axel-Springer-Global-Reporter Paul Ronzheimer noch seine persönliche Entscheidung verteidigt und dort gesagt, die Fraktion soll bei ihrem Zusammentreffen nach der parlamentarischen Pause im September über seinen Verbleib an der Spitze der Fraktion von CDU und CSU entscheiden. Mehr in Kürze.