Eigentlich ist in Hamburg noch parlamentarische Sommerpause: Doch der Umweltausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft kommt an diesem Dienstag zu einer Sondersitzung zusammen. Er beschäftigt sich am Nachmittag mit dem Bau der neuen Müllverbrennungsanlage am Altonaer Volkspark. Das Bauprojekt im Stadtteil Bahrenfeld hat sich zu einem Politikum entwickelt, weil sich die Fertigstellung Prognosen zufolge um Jahre verzögert und die Kosten sich vervielfachen. Brisant an dem Vorgang ist zudem, dass die Verzögerung und die Kostensteigerungen erst nach einem Wechsel in der Geschäftsführung der Hamburger Stadtreinigung deutlich geworden sind. Auch der Aufsichtsrat mit der Vorsitzenden Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) soll von den Problemen beim Bau des ZRE (Zentrum für Ressourcen und Energie) genannten Projekts nichts gewusst haben. „Kommuniziert wurde dem Aufsichtsrat noch Ende vergangenen Jahres, dass alles im Plan ist“, sagte Fegebank vor einigen Wochen. Dem Aufsichtsrat sei „trotz mehrmaliger, klarer Nachfragen kein realistisches Bild gezeichnet“ worden. „Essenzielle Informationen über Kosten und Termine“ seien dem Gremium „über lange Zeit vorenthalten“ worden. Das ärgere sie maßlos. Eine externe Kanzlei prüft etwaige Schadensersatzforderungen gegenüber der früheren Geschäftsführung. Sitzung wohl unter Ausschluss der Öffentlichkeit Der Vorsitzende des Umweltausschusses der Bürgerschaft, Stephan Jersch (Linke), sagte, er gehe davon aus, dass die Sondersitzung zu der Anlage nicht öffentlich sein werde. Ihm zufolge ist zudem zu erwarten, dass die Teilnehmer des Ausschusses zur Verschwiegenheit verpflichtet werden. Ein Sprecher der Umweltbehörde sagte, die Behörde werde berichten, was sich seit der zurückliegenden ersten Sondersitzung zu dem Themenkomplex im Juni zugetragen habe. Beantragt worden ist die Sondersitzung von zwei Mitgliedern der CDU-Bürgerschaftsfraktion, die dem Umweltausschuss angehören. Ein Sprecher der Fraktion äußerte Unmut darüber, dass über das Ergebnis der Sitzung voraussichtlich nicht gesprochen werden darf. „Wir hätten uns das anders gewünscht.“ Das ZRE gehört zu den wichtigsten Infrastrukturprojekten der Hamburger Wärmewende. Die Anlage entsteht auf dem Gelände der ehemaligen Müllverbrennungsanlage Stellinger Moor in Bahrenfeld. Dort soll Hausmüll künftig zunächst sortiert, ein Teil der Wertstoffe für das Recycling zurückgewonnen und die verbleibenden Abfälle energetisch genutzt werden. Nach bisherigen Planungen soll das ZRE jährlich 350 bis 450 Gigawattstunden Wärme liefern und damit einen erheblichen Teil der bisherigen Wärmemengen des abzuschaltenden Kohlekraftwerks (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/kohlekraftwerke/) Wedel ersetzen. Fertigstellung nicht vor 2029 Seit 2017 arbeitet Hamburg an dem Vorhaben. Gebaut wird das ZRE seit April 2023. Ursprünglich sollte die Anlage 2025 fertig sein. Der letzte Zeitplan unter der alten Geschäftsführung sah eine Fertigstellung im Jahr 2026 vor, allenfalls mit einer leichten Verschiebung bis 2027. Inzwischen wird jedoch erst mit einer schrittweisen Inbetriebnahme in den Jahren 2029 bis 2030 gerechnet. Anfänglich wurde mit Kosten von 234 Millionen Euro kalkuliert. Die Stadtreinigung, die die Anlage künftig betreibt, geht inzwischen von Kosten von bis zu 780 Millionen Euro aus, wie aus einem Lagebericht hervorgeht.