Welt 29.09.2026
08:36 Uhr

So optimiert man den Gasvertrag


So optimiert man den Gasvertrag

Krieg in der Ukraine, Konflikt zwischen USA und Iran, Huthis am Roten Meer - und der Winter naht. Wer da an seine Gasheizung, die kommende Heizperiode und den Brennstoffpreis denkt, sollte jetzt einmal Kassensturz machen: Wie lange gilt noch eine eventuelle Preisgarantie? Und wie lange läuft der Vertrag noch? In den vergangenen Wochen ist der Gaspreis am Weltmarkt wegen der Blockade von Handelswegen im Mittleren Osten spürbar gestiegen. Die Bundesnetzagentur veröffentlicht auf ihrer Website die aktuellen Preise im Großhandel: Seit Mitte Juli sind die von 50 Euro pro Megawattstunde auf über 70 Euro gestiegen – ein Niveau, das es seit Anfang 2023 nicht mehr gegeben hat. Inzwischen kommt dieser Anstieg auch bei den Verbrauchern an. Aktuell zahlen Neukunden in Deutschland durchschnittlich etwa 12,60 Cent pro Kilowattstunde (kWh), wie Auswertungen der Verbraucherportale Finanztip und Vervivox zeigen. Im Frühsommer waren es noch zehn Cent. Für ein Einfamilienhaus mit einem jährlichen Gasverbrauch von 20.000 kWh bedeutet ein Anstieg von 10 auf 13 Cent Mehrkosten von 600 Euro im Jahr. Wie es tatsächlich weitergeht, lässt sich kaum vorhersagen. Doch die geopolitische Lage sieht alles andere als nach Entspannung aus. Die internationale Preisagentur Argus Media warnt, dass „Europa die herausforderndste Heizsaison (verlinkt auf https://www.businessinsider.de/wirtschaft/leere-gasspeicher-wann-niedrige-fuellstaende-zum-problem-werden/) seit der von Russland 2022 verursachten Energiekrise bevorsteht“. Die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt einen Schnellcheck in vier Schritten: 1. Den aktuellen Gasvertrag prüfen: Wie lange läuft er noch? Was zahlen Sie gerade und gibt es eine Preisgarantie? Das sind die drei ersten wichtigen Fragen. Viele Verbraucher sind, ohne es zu wissen, im Grundversorgungstarif. Den kann man jederzeit mit Zweiwochenfrist kündigen und zu einem anderen Anbieter oder Tarif wechseln. Steht im Bestandstarif bald die nächste Kündigungsfrist an, können Gaskunden schon jetzt nach einem günstigen Anschlusstarif suchen. Auch bei noch länger laufenden Tarifen muss man nicht untätig bleiben: Ist der Gaspreis verhältnismäßig hoch oder gibt es keine Preisgarantie für die kommende Heizperiode, kann man beim gleichen Anbieter bleiben und dort in einen Tarif mit Absicherung wechseln. Konkurrenzbeobachtung allerdings kann sich auch oft lohnen, betonen die Experten der Verbraucherzentrale NRW. Allerdings: Einen Folgevertrag kann man in der Regel frühestens drei bis sechs Monate vor Ende der aktuellen Vertragslaufzeit abschließen. Und auch dann sollte man genau hinschauen, welcher Preis garantiert sein wird. 2: Ein genauer Blick auf die Preisgarantie: Eine Preisgarantie kann je nach Tarif etwas ganz anderes bedeuten. Meistens umfasst sie nur bestimmte Preisbestandteile, in der Regel nämlich nur den reinen Gaspreis, also nicht einmal den gesamten Arbeitspreis. Steigende Netzentgelte, Abgaben, Steuern und Umlagen können diesen Arbeitspreis durchaus erhöhen. Interessant ist an dieser Stelle eine Überlegung zur CO2-Abgabe: Aktuell beträgt diese in Deutschland 65 Euro pro Tonne. Für Erdgas bedeutet das einen Aufschlag von rund 1,3 Cent pro kWh Gasverbrauch. Ab 2027 sollen die nationalen Abgabemodelle eigentlich durch ein europaweites Emissionszertifikate-Handelssystem (ETS2) ersetzt werden. Der Fahrplan dafür steht fest, nicht jedoch der Einstiegspreis, den etliche EU-Mitgliedsstaaten zunächst gerne deckeln würden – etwa bei 50 Euro pro Tonne. Damit würde die Abgabe in Deutschland sogar sinken. Auch fällt seit Anfang 2026 keine Gasspeicherumlage mehr an. Die belief sich auf knapp 0,3 Cent pro kWh. Beides zusammen könnte also für eine leichte Entlastung bei den Nebenkosten sorgen. Allerdings fallen Unterschiede von einigen Zehntelpunkten nur wenig ins Gewicht. Viel entscheidender ist die Wetterlage. Der vergangene kältere Winter sorgte in vielen Haushalten für einen höheren Verbrauch. Eine überraschende Tendenz zeigte der der vor wenigen Tagen veröffentlichte Heizspiegel des Verbraucherportals co2 online und des Deutschen Mieterbundes: Demzufolge gehen die typischen Jahreskosten für eine 70 Quadratmeter große Standardwohnung von 1170 Euro in 2025 auf 1120 Euro in diesem Jahr zurück – eine Folge gesunkener Endkundenpreise. Die nun allerdings wieder steigen. 3. Ist der Bonus wirklich ein Bonus? „Kommen Sie zu uns und dafür kassieren Sie einen dicken Bonus“ – so lautet das Versprechen etlicher Anbieter für wechselwillige Kunden. Wenn man den Bonus dann verrechnet, ist der Tarif in vielen Fällen im Anschluss, nachdem die Bonusphase vorüber ist, oft nicht wirklich günstig. Manchmal ist er sogar teurer. Der nächste Kniff beim Bonus ist der Auszahlungszeitraum. Manche Prämien werden wird etwa erst nach zwölf Monaten ununterbrochener Belieferung ausgezahlt. Die Verbraucherschützer raten daher eher zu Tarifen mit Sofortbonus oder solchen, die monatlich den Abschlag senken. Und wer über ein Vergleichportal sucht, kann in der Übersicht das Einberechnen der Boni in den Gesamtpreis abstellen. Apropos Vergleichsportale. Schritt 4: Vergleichsportale richtig nutzen Um möglichst viele, aber auch möglichst relevante, Tarife zu sehen, lautet der Rat: Spielen Sie mit den Voreinstellungen. Was wollen Sie eigentlich sehen - und was nicht? • Wer etwa die direkte Wechselmöglichkeit ausstellt, sieht mehr Angebote. • Wer die voreingestellten Empfehlungen ausschaltet, sieht ebenfalls mehr. • Das angezeigte Ergebnis sollte für bessere Vergleichbarkeit nach dem Gesamtpreis sortiert werden. • Eventuelle Boni (siehe Schritt 3) sollten nicht in die Preisübersicht einberechnet werden, damit man den wahren Preis sieht. Zum Schluss: Suchen Sie mal im Netz nach dem Namen des vielleicht bald neuen Gasanbieters und nach Erfahrungen anderer Kunden. Denn allein auf die Bewertungen oder Platzierungen im Vergleichsportal, so die Verbraucherschützer, verlässt man sich besser nicht. dpa