Welt 08.10.2026
14:58 Uhr

Polizist stirbt nach Faustschlag – ein Jahr Haft für Täter löst Empörung in ganz Dänemark aus


Ein umstrittenes Urteil sorgt in Dänemark und Schweden für Unruhe: Nkumba Tshiembes Faustschlag tötete einen Polizisten in Zivil. Das Urteil: ein Jahr Haft, obwohl er schon Vorstrafen wegen Vergewaltigung und versuchten Mordes hatte.

Polizist stirbt nach Faustschlag – ein Jahr Haft für Täter löst Empörung in ganz Dänemark aus

Ein einziger Faustschlag an einem Sommerabend in Kopenhagen kostete den 32-jährigen schwedischen Polizeibeamten und zweifachen Vater Christian Zedig das Leben. Während seines Urlaubs in Kopenhagen ging er zum Public Viewing der Fußball-Weltmeisterschaft am Kopenhagener Hafenufer, berichten dänische und schwedische Medien. Dort traf er am 30. Juni auf den 31-jährigen Dänen Nkumba Ludovic Tshiembe. Laut Zeugen wollte Zedig eine Schlägerei verhindern. Zuvor waren Bierdosen geflogen. Zedig wollte die Gemüter beruhigen. Tshiembe schlug unvermittelt zu. Der Faustschlag traf Zedig am Nacken und führte zu einem Riss der Halsschlagader des Beamten. Er erlag trotz Notoperation wenige Tage später seinen Verletzungen. Der Täter flüchtete zunächst, die Polizei fahndete nach ihm. Dann stellte er sich. Vorbestraft wegen Vergewaltigung und versuchten Mordes Der 31-jährige Täter ist für die Justiz kein Unbekannter. Nkumba Ludovic Tshiembe, der als Kind mit seinen Eltern aus dem Kongo kam, weist inzwischen ein langes und schwerwiegendes Vorstrafenregister in Dänemark auf: Er wurde in der Vergangenheit bereits in mehreren Urteilen wegen Vergewaltigung, Körperverletzung sowie zu sieben Jahren Haft wegen versuchten Mordes verurteilt. Zudem: Tshiembe war in jungen Jahren ein Boxer. Dass ein mehrfach vorbestrafter Intensivtäter für eine Gewalttat mit Todesfolge mit lediglich einem Jahr Freiheitsstrafe davonkommt, stößt auf breites Unverständnis. Am 7. Oktober 2026 verhängte das Kopenhagener Stadtgericht die einjährige Haftstrafe. Zudem darf er sich ein weiteres Jahr nicht in Bars, Diskos und ähnlichen Geschäften, wo Alkohol ausgeschenkt wird, nach Mitternacht aufhalten. Nach dänischem Strafrecht stufte das Gericht den Vorfall als vorsätzliche Körperverletzung (§ 244 StGB) ein. Da dem Täter kein Tötungsvorsatz nachgewiesen werden konnte, floss der tödliche Ausgang bei der Strafzumessung kaum ein – das dänische Gesetz bewertet in solchen Fällen primär die konkrete Handlung – in dem Fall nur den einzelnen Schlag – und nicht das medizinische Resultat. Justizminister: Strafmaß „unakzeptabel niedrig“ Das Strafmaß rief umgehend die höchste politische Ebene auf den Plan. Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen zeigte sich zutiefst erschüttert: „Das ist so falsch und nicht das Land, das wir sein wollen [...] Eine tiefe Trauer und eine heftige Wut haben mich in den letzten Tagen erfüllt.“ Justizminister Nicolai Wammen bezeichnete das Urteil öffentlich als „inakzeptabel niedrig“ und kündigte noch am selben Tag eine Gesetzesinitiative an, um die Strafen bei tödlicher Gewalt durch Vorbestrafte drastisch zu verschärfen: „Dazu werde ich einen Gesetzesentwurf vorlegen.“ Im dänischen Parlament reichten die Reaktionen von Abgeordneten wie Lea Wermelin (Socialdemokratiet) bis Anders Vistisen (Dansk Folkeparti), die die Entscheidung einhellig als „Skandal“ und „lächerlich mild“ verurteilten. Auch in Schweden und auf internationalem Parkett schlug der Fall hohe Wellen. Während Schwedens Ministerpräsident Ulf Kristersson und Justizminister Gunnar Strömmer den Hinterbliebenen ihr Beileid aussprachen, nutzten Politiker der Schwedendemokraten wie Jimmie Åkesson und der EU-Abgeordnete Charlie Weimers den Fall für scharfe Grundsatzkritik an der Migrations- und Sicherheitspolitik. Selbst US-Unternehmer Elon Musk schaltete sich auf der Plattform X ein und nannte das Urteil schlicht „skandalös“. Die Witwe des schwedischen Polizisten, Emelie Zedig, teilte WELT über ihren Anwalt mit: „Was geschehen ist, hat unser Leben für immer verändert. Ich habe meinen Mann verloren, und unsere beiden Kinder haben ihren Vater verloren. Die Trauer und die Sehnsucht nach ihm prägen unseren Alltag. Im Moment versuchen wir, jeden Tag so zu nehmen, wie er kommt, und einen Weg zu finden, mit diesem Verlust, der uns immer begleiten wird, weiterzuleben.“