Sollte die SPD-Bundesspitze ihren Genossen landauf landab tatsächlich einen Maulkorb verpasst haben, ist Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel offenbar der Letzte, der ihn sich anlegen lässt. Das Wahlergebnis der SPD in Baden-Württemberg sei schmerzhaft gewesen, aber keinesfalls unerwartet gekommen, meldet sich Dressel auf seinem Facebook-Profil zu Wort. Was in den weiteren Sätzen folgt, gleicht einer schonungslosen Analyse, zu der der hanseatische Sozialdemokrat bestimmte Teile seiner Partei derzeit offenbar nicht in der Lage sieht. Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg hatte die SPD am vergangenen Sonntag 5,5 Prozent der Wählerstimmen erreicht, weit abgeschlagen hinter Grünen (30,2 Prozent), CDU (29,7) und AfD (18,8). „Dass wir zwischen Grünen und CDU zerrieben wurden, ist nur ein Teil der Wahrheit“, betont Dressel (verlinkt auf https://www.welt.de/regionales/hamburg/article699475f5cb2e61df3875736a/oeffentlicher-dienst-wir-werden-viele-kostensteigerungen-nicht-auffangen-koennen-warnt-hamburgs-finanzsenator.html) . Basierend auf den repräsentativen Infratest-Umfragen in der ARD legt der Hamburger Finanzsenator den Finger in die Wunde: „Wir haben in vielen Bundesländern – vor allem im Süden und Südosten der Republik – die arbeitende Mitte verloren.“ Und Dressel fügt hinzu: „Wann begreifen das einige – insbesondere im linken Flügel – in der SPD-Bundestagsfraktion und im Parteivorstand der SPD endlich und handeln entsprechend? Wann schwenkt die SPD auch beim Sozialstaat endlich auf einen dringend nötigen Reformkurs, der die arbeitende Mitte in den Fokus rückt und in den Kassen von Bund, Ländern und Gemeinden auch wirklich zeitnah kostendämpfend spürbar wird?“ Dressel agierte in der Tarifrunde 2025/2026 als zentraler Verhandlungsführer der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL). Öffentliche Einordnungen, die der Parteispitze in Berlin missfallen dürften. Denn um einen Wahlerfolg in Rheinland-Pfalz nicht zu gefährden, hätten die Genossen intern einen „Maulkorb“ (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article69afb4c364d1f5a2cd5182a3/spd-verhaengt-offenbar-maulkorb-so-will-cdu-auf-die-landtagswahl-niederlage-reagieren.html) bekommen, wie die „Bild“-Zeitung exklusiv meldet. „Bis zum Wahltag (22. März) sollen Genossen keine unabgestimmten Polit-Forderungen stellen, keine Kritik, keine Querschläge“ abfeuern, heißt es in dem Artikel. Statt zu schweigen, gibt Dressel seiner Partei noch einen Tipp: „Warum orientiert man sich nicht endlich an den Bundesländern, in denen die SPD noch in der Lage ist, in der Mitte Wahlen zu gewinnen – zum Beispiel in Hamburg (verlinkt auf https://www.welt.de/regionales/hamburg/article69a98cecedab88c6939668ac/einbuergerung-am-limit-der-englische-klient.html) vor einem Jahr?“ Im März 2025 erreichten die Sozialdemokraten von Bürgermeister Peter Tschentscher bei der Bürgerschaftswahl 33,5 Prozent und regieren in einem breiten Bündnis mit den Grünen. „Politik beginnt mit der Betrachtung der Wirklichkeit“, schließt Dressel seinen Facebook-Post mit einem Zitat von SPD-Urgestein Kurt Schumacher. Diesen Satz „sollten sich einige Genossinnen und Genossen in Berlin – und in den SPD-Landesverbänden, in denen der Gewinn von Bundestagswahlkreisen leider die Ausnahme geworden ist – bitte dringend zu Herzen nehmen“, fordert Hamburgs Finanzsenator. Für seine Analyse erntet der 51-Jährige breite Zustimmung in dem sozialen Netzwerk.