Welt 03.08.2026
02:55 Uhr

Palästina-Flagge bei Konzert gezeigt – Musiker festgenommen und aus Land verbannt


Die Band Massive Attack hatte die Flagge bei einem Konzert in Singapur gezeigt. Nach eigenen Angaben wurden die Musiker von der Polizei isoliert und Reisepässe vorübergehend eingezogen. Eine erneute Einreise wurde ihnen untersagt.

Palästina-Flagge bei Konzert gezeigt – Musiker festgenommen und aus Land verbannt

Die britische Band Massive Attack hat nach ihrer Verbannung aus Singapur wegen des Hochhaltens einer Palästinenserflagge bei einem Konzert von einer „surrealen Erfahrung“ gesprochen. „Wir waren überrascht und enttäuscht, dass unsere gesamte Band von der Polizei festgenommen, isoliert und getrennt befragt wurde“, schrieb die Trip-Hop-Band am Sonntag im Onlinedienst Instagram. Von einigen Musikern seien die Hotelzimmer durchsucht und die Reisepässe vorübergehend eingezogen worden. „Wir hätten uns nicht vorstellen können, dass das bloße Hochhalten einer Fahne eines souveränen Staates, der von 157 Ländern anerkannt wird (Palästina), einen Gesetzesbruch darstellen könnte“, schrieb die Band weiter. Diese „surreale Erfahrung“ sei eine Erinnerung daran, dass die Menschenrechte und das Recht auf freie Meinungsäußerung überall dort verteidigt werden müssten, wo sie bedroht seien. Die Band um Robert Del Naja (3D) und Grant Marshall (Daddy G) war am Mittwoch im Stadtstaat Singapur aufgetreten. Die für ihre Unterstützung der Palästinenser und ihre Kritik an Israel bekannten Musiker hielten dabei eine Palästinenserfahne in die Höhe. Einer der Musiker rief nach Angaben der Polizei „Free Palestine“. In Singapur, wo sehr strikte Gesetze herrschen, ist es verboten, eine ausländische Fahne ohne Genehmigung zu zeigen. Die in den späten Achtzigerjahren in Bristol gegründete Band politisierte sich nach den Terroranschlägen von New York 2001. Während des Golfkrieges forderten sie „No Massive Attack!“. Zeitweilig nannten sich 3D und Daddy G nur noch Massive. Seit 2010 unterstützen sie die antiisraelische BDS-Bewegung (Boycott, Divestment and Sanctions). 2025 traten sie der Initiative „No Music for Genocide“ bei und ließen ihre Musik für sämtliche Streamingdienste in Israel sperren. In Singapur wurden die Musiker von Massive Attack (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/massive-attack/) von der Polizei verwarnt. Außerdem wurde ihnen eine erneute Einreise nach Singapur (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/gp-singapur/) untersagt, Genehmigungen für künftige Konzerte (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/konzerte/) sollen nicht mehr erteilt werden.