Harald Schmidt lässt sich vom jüngsten Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt nicht aus der Ruhe bringen. „Wem die Wahlergebnisse nicht passen: Wahlen abschaffen oder vorher festlegen“, habe er bereits bei seinem ersten Live-Auftritt bei Deutschlandfunk Kultur gesagt. „Es sind eben Wahlen und dann gibt es Ergebnisse“, unterstrich der Satiriker nun erneut im Podcast „Studio 9 – Der Tag mit …“ (verlinkt auf https://open.spotify.com/episode/0fMOrq8KAmzHHiQgjEOuy7) . „Dafür haben wir eine repräsentative Demokratie, damit die Damen und Herren, die in der Berufspolitik sind, sich dann damit beschäftigen. Wir – der Souverän – wählen und sagen: Macht mal. So einfach ist das.“ Wie seine „Gefühlslage“ aussehe?, fragte Gastgeber Korbinian Frenzel beim Auftritt im Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin. Ob er Angst um die Demokratie habe oder die Landtagswahl als „gelebte Demokratie“ verbuche? „Ich finde ja, der Begriff ‚gelebte‘ stört schon. Es ist Demokratie. Was soll ‚gelebte‘ sein?“, fragte Schmidt. Das ähnele dem Ausdruck „gesichert rechtsextrem“. „Gibt es auch ‚ungesichert rechtsextrem‘? Ist das ein Adjektiv?“ Frenzel bemühte sich redlich, dem einstigen Late-Night-Host Worte des Bedauerns zu entlocken. Wenn Schmidt sagen würde, er mache sich Sorgen, wäre das immerhin „für viele Menschen ein Signal“, lockte er seinen Gesprächspartner. „Ich würde mir gerne Sorgen machen, aber ich mache mir keine“, erklärte der Adressat. „Ich verstehe, dass viele Menschen Angst haben, aber ich bitte um Entschuldigung dafür, dass ich keine habe. Aber wenn das gewünscht wird, arbeite ich dran.“ Ob ihn zumindest die Aussicht auf einen Ministerpräsidenten der AfD Sorgen bereite? „Nein“, erklärte Schmidt knapp. Er halte es mit dem Komiker Karl Valentin: „Wenn es regnet, freue ich mich, weil, wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.“ Vielmehr werde der Wahlkampf von Ulrich Siegmund sogar parteiübergreifend anerkannt. Die Konkurrenz überlege, wie sie eine ähnliche „Street Credibility“ bekommen könne. „Ulrich Siegmund auf dem Moped – glaubhaft, egal wie Sie politisch zu ihm stehen“, erklärte der Entertainer. „Lars Klingbeil auf dem Fahrrad sieht aus, als ob der Medienberater gesagt hat: ‚Mach ihm für das Foto die Stützräder weg.‘“ Spöttisch gab Schmidt auch seinen Eindruck vom Wahlabend in Sachsen-Anhalt wieder. „Relativ schnell hat die erste Reihe der Politik folgende Sprachmodule zurechtgelegt: ‚Ich sage es ungern, aber ich akzeptiere das Ergebnis und man muss eines sagen, die AfD hat einen glänzenden Wahlkampf gemacht‘“, erinnerte er sich. Vom CSU-Vorsitzenden Markus Söder bis zum Linken-Bundestagsabgeordneten Dietmar Bartsch hätten sich alle identisch geäußert. „Glänzender Wahlkampf – und nun müssen wir sehen, wie wir damit umgehen.“ Ein noch stärkeres AfD-Ergebnis sei in Sachsen-Anhalt nur durch jene Altersgruppe verhindert worden, der er selbst angehöre. „Liebe traditionelle, zum Teil untergehende Altparteien, seid lieb zu uns – Generation 65 plus. Wir sind die Einzigen, die euch noch wählen“, sagte Schmidt. „Weil wir natürlich mit den Gelenken gar nicht weiter runterkommen auf dem Wahlzettel. Wir machen das Kreuz einfach oben, da geht es noch einigermaßen. Also Finger weg von unseren Renten.“ Bundeskanzler Friedrich Merz attestierte er, in einer schwierigen Situation zu stecken. „Was er macht, wird ihm negativ ausgelegt“, erläuterte Schmidt. „ Kommt er zu den Bränden (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article6a89b3cb511d4fd3bc4e05e5/friedrich-merz-dankt-einsatzkraeften-nach-brand-in-huertgenwald-und-kassiert-buh-rufe.html) , heißt es: Er steht nur rum. Kommt er nicht, heißt es: Er interessiert sich nicht. Also schwierige Phase momentan.“ Nun bemühe sich der CDU-Vorsitzende darum, an seinen Gefühlen und seiner Empathie zu arbeiten. „Was schwierig ist, wenn man sie nicht wirklich hat. Ich weiß, wovon ich rede.“ Frenzel verwies auf die nostalgische Komponente des AfD‑Wahlkampfes. Siegmund habe das Bild der „guten 90er Jahre, als die Welt noch in Ordnung war“, bedient, schilderte der Host. „Die Welt war ja nicht in Ordnung“, erwiderte Schmidt darauf. „Es genügt ja, wenn der Eindruck da ist. Wenn die Leute mich auf der Straße sehen, sagen die häufig: Oh, da kommt der Held meiner Jugend.“ Erinnert würden sie aber nicht an die Zeit im Allgemeinen, sondern vorwiegend an die eigene Jugend. „Die erste Platte, die man da gekauft hat. Oder das erste Mal eng tanzen – damals noch überwiegend mit Frauen.“ Das schwinge bei den Menschen mit. „Deswegen wäre es ja völlig falsch, wenn ich nochmal im Fernsehen was machen würde. Man muss das alles in diesem Nebel der Verklärung lassen.“