Welt 26.09.2026
16:02 Uhr

Klopp will über Wirtz nichts sagen. Doch dann holt er weit aus


Florian Wirtz ist vorzeitig zur Nationalmannschaft gereist. In England gibt es derzeit viel Kritik am Offensivstar. Jürgen Klopp nimmt Wirtz in Schutz – und weist auf etwas Grundsätzliches hin.

Klopp will über Wirtz nichts sagen. Doch dann holt er weit aus

Er hatte angekündigt, so vielen Spielern wie möglich eine Einsatzchance zu geben. Für Torhüter Alexander Nübel bietet sich diese am Sonntag. Wenn die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am Abend in Augsburg im zweiten Nations-League-Spiel auf Griechenland trifft (20.45 Uhr, im Sport-Ticker der WELT) (verlinkt auf https://sportdaten.welt.de/fussball/nations-league-a/spiele-und-ergebnisse/) , schenkt Bundestrainer Jürgen Klopp dem 29 Jahre alten Nübel das Vertrauen. Bei der Abschlusseinheit am Samstagvormittag wurde Nübel von Torwarttrainer Andreas Kronenberg intensiv im Einzeltraining vorbereitet. Marc-André ter Stegen, der beim 1:1 gegen die Niederlande gespielt hatte, und Finn Dahmen übten in Herzogenaurach (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/herzogenaurach/) auf der Gegenseite mit dem zweiten Torwarttrainer Stefan Wessels. Nübel spielt seit seinem Wechsel im Sommer zu Besiktas Istanbul bislang eine starke Saison und blieb in den ersten sechs Pflichtspielen ohne Gegentor. Es wird sein viertes Länderspiel. Beim 1:1 gegen die Niederlande hatte Marc-André ter Stegen gespielt – und war danach trotz vieler starker Paraden teils kritisch beurteilt worden. Das habe ihn überrascht, sagte Klopp am Samstag auf der Abschlusspressekonferenz. „Das ist sehr außergewöhnlich in einem Spiel, in dem der gegnerische Trainer sagt, dass der Torwart uns den Arsch gerettet hat. Marc hat überragend gehalten. Ja, er hat den Gegner zweimal im eigenen Ballbesitz nicht den Ball gespielt, den er spielen wollte oder sollte. Das kommt vor. Ich war sehr zufrieden mit ihm.“ Nübel würde gegen Griechenland trotzdem spielen, aber nicht deshalb. „Er hat sich das verdient. Ich hoffe, dass Alex das morgen genießt und den Laden sauber hält.“ Erstmals Stehplätze seit 25 Jahren bei einem Länderspiel Das Länderspiel in Augsburg ist mit 29.000 Zuschauern ausverkauft. Erstmals seit 25 Jahren wird es bei einem Länderspiel wieder Stehplätze geben – 10.000 insgesamt. Jürgen Klopp (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/juergen-klopp/) freut das. „Wir hatten die traurige Gelegenheit, während Corona (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/coronavirus-epidemie/) in leeren Stadien zu spielen. Das hat uns demütig gemacht in Bezug darauf, was eine gute Atmosphäre ausmacht. Aber wir sind uns im Klaren darüber, dass wir einen großen Teil dazu beitragen müssen, damit es eine gute Stimmung gibt.“ Auf Wunsch des Bundestrainers geht es für den Tross des Deutschen Fußball-Bundes ( DFB (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/dfb/) ) erst am Sonntag, also am Spieltag, mit dem Bus vom Teamquartier aus nach Augsburg. Eine Anreise am Tag des Spiels gibt es üblicherweise nicht. Hintergrund der kurzfristigen Planänderung: Klopp wollte seinen Spielern genügend Zeit zum Regenerieren geben, da diese erst am Freitag aus Amsterdam nach Herzogenaurach zurückgekehrt waren. Klopp berichtete am Samstag von einem guten Abschlusstraining, in dem auch Florian Wirtz (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/florian-wirtz/) und Jonathan Burkardt mitgewirkt haben. Sie waren für die verletzt abgereisten Jamal Musiala und Kai Havertz zum Kader für die Partie in Augsburg dazugestoßen. Die Griechen, der Gegner der Deutschen, hatten ihr Auftaktspiel in der Nations League 2:1 in Serbien gewonnen. Klopp lobte den Gegner in höchsten Tönen. Der griechische Fußball sei in einem guten Moment – und habe derzeit „eine goldene Generation“. Obwohl Jürgen Klopp am Samstag eigentlich nicht ins Detail gehen wollte, als er auf Florian Wirtz angesprochen wurde – „da dies zu weit führen würde und Schlagzeilen kreiert, die wir nicht kreieren wollen“, wie er sagte –, holte der Bundestrainer dann doch weit aus und erklärte ausführlich seine Sicht. Wirtz, der 2025 für 125 Millionen zum FC Liverpool gewechselt ist, wo Klopp von 2015 bis 2024 Trainer war, muss in England derzeit viel Kritik einstecken. (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/fussball/internationale-ligen/article6ab0d3b2708e760b5e065f28/fc-liverpool-einfach-gar-nichts-vernichtende-kritik-an-wirtz.html) Die fußballerischen Fähigkeiten von Wirtz seien über jeden Zweifel erhaben. Er sei auf einem guten Weg. „Aber in der Welt, in der wir leben“, sagte Klopp, „ist es grundsätzlich so, dass es den Leuten nie schnell genug geht.“ Aber man müsse in dem Fall eben auch den Gesamtkontext sehen, ergänzte der Coach – und erinnerte daran, dass Wirtz nach Liverpool gewechselt sei, als der tragische Tod des Liverpooler Spielers Diogo Jota die ganze Sommervorbereitung überschattete. Jota war mit seinem Bruder bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/fussball/article256341302/fc-liverpool-star-28-stirbt-zwei-wochen-nach-der-hochzeit.html) „Er ist zu einem Zeitpunkt in eine Mannschaft gekommen, die wahnsinnig viele Spieler hatte, für die der Fußball in dem Moment nicht die Priorität hatte. Da kommst du als neuer Spieler und alle sehnen sich sofort danach, dass einer die Kohlen aus dem Feuer holt. Das ist unmöglich. In dem Jahr, durch das er gegangen ist, hat er bestimmt ganz viel gelernt“, sagte Klopp. Wirtz sei körperlich in einem sehr guten Zustand. „Die Mannschaft ( die des FC Liverpool, die Redaktion) ist jetzt erneut dabei, sich nach vielen Wechseln zu finden. Das braucht Zeit. ... Alle, die Fußball lieben, die sehen nach wie vor, was für ein außergewöhnlicher Spieler er ist.“ Klopp wählte einmal mehr die richtigen Worte. Wie schon so oft in den vergangenen Tagen, in denen es einen großen Hype um ihn gab. Und das Interesse am neuen Bundestrainer reißt nicht ab. Was er sagt, was er macht, wie er sich gibt – alles scheint irgendwie wichtig. Der 59 Jahre alte Coach bekommt das natürlich nicht mit, sagte aber am Samstag erneut: „Ich brauch’ das nicht. Ich sehne mich nicht danach. Ich kann es nicht verhindern – und ich denke nicht darüber nach.“