Welt 09.10.2026
12:09 Uhr

„Kleine Geschichtsstunde“ – CDU-Mann Müller kontert Reichinnek mit Buch über SED-Diktatur


Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek hatte CDU-Fraktionsvize Sepp Müller nach der Wahl eines AfD-Landtagspräsidenten in Magdeburg attackiert. Müller antwortet per Video. Und mit einem Buch.

„Kleine Geschichtsstunde“ – CDU-Mann Müller kontert Reichinnek mit Buch über SED-Diktatur

Unionsfraktionsvize Sepp Müller (CDU) hat am Mittwoch mit einem Video auf X auf Kritik von Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek geantwortet. Darin kündigte er an, ihr das Buch „Die Täter sind unter uns“ des Historikers Hubertus Knabe zu schicken. „Da du dir auch eine kleine Geschichtsstunde erlaubst, erlaube ich mir, dir das Buch zu schicken“, sagte Müller in dem gut dreiminütigen Clip. Bis Freitag wurde er mehr als 200.000 Mal aufgerufen. Reichinnek habe ihm „auf ihrer Empörungs-PK zwei Fragen gestellt“, schrieb Müller zu dem Video. Die Linken-Politikerin hatte ihn am Dienstag vor Journalisten direkt angesprochen und gefragt, ob er „nur theatralisch Bücher im Plenum lesen“ könne, wenn Gregor Gysi als Alterspräsident die Sitzung eröffne. „Oder handeln Sie auch gegen die in Ihren eigenen Reihen, die mit Rechtsextremen paktieren?“ Der CDU-Mann Müller hatte bei der konstituierenden Sitzung des Bundestags 2025, die Alterspräsident Gysi (Linke) leitete, demonstrativ Knabes Buch „Die Täter sind unter uns“ während Gysis Rede nach oben gehalten. Über Gysi sagte er: „Und ja, er gehört mit zu den Tätern. Er war Vorsitzender der SED‑PDS.“ Man lasse der Linken nicht durchgehen, „hier sozialistische Diktatur schönzureden“. Anlass für Reichninneks Kommentar war die Wahl des AfD-Politikers Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten in Magdeburg am selben Tag. Rausch erhielt 48 Ja-Stimmen, vier mehr, als AfD und BSW zusammen Sitze haben. Reichinnek, die aus Sachsen-Anhalt stammt, vermutet die zusätzlichen Stimmen bei der CDU. „Wer einem Rechtsextremen seine Stimme gibt, hat jedes Recht verloren, sich als Demokrat zu bezeichnen“, sagte sie in der Pressekonferenz am Dienstag. „Er gehört mit zu den Tätern“ In dem Instagram-Video verteidigte Müller seinen Protest gegen Gregor Gysi aus dem vergangenen Jahr – und deutete eine False-Flag-Aktion bei der Wahl in Sachsen-Anhalt an: „Wart ihr das vielleicht nicht sogar selbst, um in eurer Empörung uns als Union das in die Schuhe zu schieben?“ Reichinnek wies diese Vermutung später als „erbärmlich“ zurück. Das Buch von Knabe erkläre „auch in Teilen, warum ich für den Landesvorsitz kandidiere“, sagte Müller in seinem Video. „Ich will eine demokratische Mitte haben, eine starke CDU, die sich nicht an Rechtsaußen anbiedert und nicht auf die Linksextremen angewiesen ist.“ Müller möchte sich Anfang Dezember auf einem Landesparteitag zum Nachfolger von Sven Schulze an der Spitze der Landes-CDU wählen lassen. Ebenfalls im Dezember soll der Magdeburger Landtag den Ministerpräsidenten wählen. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund plant, anzutreten. Auch diese Wahl ist geheim.