Welt 18.09.2026
17:08 Uhr

KI-Experte entdeckt zehntausende intime Aufnahmen von Frauen auf dem Fahrgeschäft „Teufelsrad“


TikTok- und Instagram-Konten verdienen mit expliziten Aufnahmen von Frauen auf dem Münchner Teufelsrad Geld. Die Betreiberin verteilt Radlerhosen gegen solche Videos, Plattformen löschten zahlreiche Konten.

KI-Experte entdeckt zehntausende intime Aufnahmen von Frauen auf dem Fahrgeschäft „Teufelsrad“

Es gehört zu den meistbesuchten Traditionsattraktionen der alljährlichen Wiesn. Seit 1910 versuchen Besucher des Oktoberfestes, sich auf dem Teufelsrad zu halten, während Mitarbeiter daran arbeiten, sie etwa mithilfe eines Strohsacks von der drehbaren Holzscheibe zu befördern. Häufig kommt es dabei vor, dass das Dirndl der vielfach traditionell gekleideten Besucherinnen hochrutscht, wovon andere Gäste wiederum Mitschnitte anfertigen. Mit den Ausmaßen des Problems hat sich nun Benjamin Shultz beschäftigt. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ (verlinkt auf https://www.sueddeutsche.de/muenchen/oktoberfest-muenchen-teufelsrad-upskirting-videos-recherche-meta-youtube-tiktok-monetarisierung-li.3544366?reduced=true) berichtet, hat der KI-Experte und Doktorand für digitale Innovation der Hochschule Neu-Ulm allein auf den Plattformen des Unternehmens Meta – Facebook und Instagram – mehr als 32.000 Videos ausfindig gemacht, auf denen intime Aufnahmen von Frauen auf dem Teufelsrad zu sehen sind. Auf YouTube und TikTok fand Shultz tausende weitere Videos. Bei den ausspielenden Kanälen handelt es sich häufig um KI-generierte Accounts, die ausschließlich Teufelsrad-Aufnahmen teilten. „Manche warben mit den Videos für kostenpflichtige Abos, die Zugang zu weiteren speziellen Inhalten liefern sollen. Andere banden Phishing-Links in die Videos ein“, erklärte Shultz gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“. Die meisten Kanäle hätten ihren Sitz in Vietnam oder Kambodscha. Manche säßen laut offiziellen Angaben in den Vereinigten Staaten. Mitunter generierten sie mit ihren Inhalten Tausende Dollar pro Jahr. Shultz konfrontierte Meta, TikTok und YouTube mit seinem Befund. Die meisten Accounts seien daraufhin gelöscht worden. Wenige Wochen später seien erneut Dutzende Kanäle mit expliziten Inhalten auffindbar gewesen. Nach einer Anfrage der „Süddeutschen“ bei Meta und TikTok seien erneut zahlreiche Accounts gelöscht worden. Bild- und Videoaufnahmen unter den Rock von Frauen – das sogenannte Upskirting – werden seit dem 1. Januar 2021 gemäß § 184k Strafgesetzbuch mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren bestraft. Die Betreiberin des Fahrgeschäfts, Elisabeth Polaczy, verteilt als Gegenmaßnahme kostenlose Radlerhosen an jene, die intime Aufnahmen von sich verhindern möchten. Am Ticketschalter ist zudem das explizite Verbot zu lesen, entstandene Mitschnitte ohne Erlaubnis online zu stellen. Es bleibe „zu hoffen, dass in diesem Jahr Upskirting und Veröffentlichungen in entsprechenden Portalen unterbleiben“, erklärte die Teufelsrad GbR gegenüber der „Süddeutschen“. Unterdessen sorgt eine andere Maßnahme der Gleichstellungsstelle der Stadt für Kritik. Auf Anregung dieser hatte die Teufelsrad-Betreiberin Polaczy die Frauenfiguren über dem Eingang des Fahrgeschäfts umgestaltet und dabei mit mehr Kleidung versehen. „Kein Steuergeld für woke Moralapostel“, kommentierte FDP-Generalsekretär Martin Hagen Anfang des Monats. „Der Tugendfuror tobt hier auf dem Münchner Oktoberfest.“ Er sieht „staatliche Stellen, die sich als Sittenwächter aufführen“, als das wirkliche Problem an. „Gleichstellungsbeauftragte abschaffen!“ Auch der Präsident des Deutschen Schaustellerbundes schloss sich der Kritik an. „Haben wir wirklich keine anderen Probleme, als Pappmaché-Figuren Radlerhosen anzuziehen?“, fragte Albert Ritter im „Stern“ (verlinkt auf https://www.stern.de/gesellschaft/regional/bayern/oktoberfest---teufelsrad--umgestaltet---debatte-um-wiesn-figur-mit-schuh-38268928.html) . „Wir haben die Sixtinische Kapelle, und da hat der Michelangelo oben auch etwas mit Textilien gegeizt. Da sagt auch keiner, bitte, wir müssen die Sixtinische Kapelle abreißen. Deswegen macht keinen Unterschied bitte zwischen Breitenkultur und Hochkultur.“