Welt 22.09.2026
12:56 Uhr

„Jegliche Glaubwürdigkeit verspielt“ – DFB-Boss hält nichts von Infantinos Brief


Gianni Infantino ändert plötzlich seine Strategie und seinen Tonfall. Der Fifa-Chef wendet sich mit einem Schreiben an die Verbände. DFB-Chef Neuendorf findet das nur allzu durchschaubar. Er wird deutlich.

„Jegliche Glaubwürdigkeit verspielt“ – DFB-Boss hält nichts von Infantinos Brief

Bernd Neuendorf hat das Reform-Angebot von Fifa-Boss Gianni Infantino an die 211 Mitgliedsverbände als „durchschaubares Manöver“ bezeichnet. Es gehe Infantino darum, seine Wiederwahl im kommenden Jahr zu sichern, erklärte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/fussball/) in einer Stellungnahme. Der Schweizer Chef des Fußball-Weltverbandes hatte zuvor auf die andauernde Kritik an seinem Führungsstil reagiert und seinen Gegnern (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/fussball/article6ab21aee708e760b5e0672b9/umstrittener-fifa-boss-praesident-auf-stimmenfang-infantino-aendert-ploetzlich-strategie-und-tonfall.html) erstmals Gespräche über mögliche Reformen in der Fifa angeboten. „Grundsätzlich scheint nun auch die Fifa erkannt zu haben, dass Änderungen unerlässlich sind“, so Neuendorf daraufhin. Neuendorf ergänzte: „Allerdings ist Gianni Infantino definitiv nicht die richtige Person, um einen Reformprozess zu moderieren. Er hat jegliche Glaubwürdigkeit verspielt.“ Infantino kündigte in dem Brief eine unabhängige externe Überprüfung der Fifa-Governance sowie Konsultationen über eine Stärkung der Entscheidungsprozesse an, einschließlich der Rolle des Präsidenten. Der 56-Jährige machte gleichzeitig klar, dass er die Fifa weiter anführen will. Von einem Verzicht auf eine Kandidatur für eine vierte Amtszeit beim Kongress im März 2027 ist nicht die Rede. Diesen fordern seine Kritiker um Aleksander Čeferin, Präsident des europäischen Fußballverbandes Uefa. Wichtige Oktober-Termine Die Uefa und die Fußball-Verbände aus Nord- und Mittelamerika (verlinkt auf https://sportdaten.welt.de/fussball/1bundesliga/spiele-und-ergebnisse/) verfolgen seit mehreren Wochen einen harten Oppositionskurs gegen Infantino. Einen Gegenkandidaten für die Präsidentschaftswahlen haben sie aber noch nicht benennen können. Wichtige Termine in der Krise der Fußball-Funktionäre sind nun ein Uefa-Treffen aller 55 Mitgliedsverbände am 8. Oktober in Berlin und die Sitzung des Fifa-Councils am 15. Oktober in Zürich, bei der Infantino über seine Vorschläge sprechen will. Ende August eskalierte der Streit durch die Drohung mit einem Strafantrag vor Schweizer Gerichten im Zusammenhang mit den WM-Investorenplänen gegen Infantino. Dafür wurden bei US-Gerichten Informationen über die geplanten Geschäfte angefordert.