Welt 05.07.2026
03:23 Uhr

Jeder Vierte rechnet mit Arbeitsunfähigkeit vor offiziellem Rentenbeginn


Besonders in körperlich und psychisch belastenden Berufen sind die Zweifel laut der Auswertung groß. Auch einzelne Branchen stechen hervor. DGB-Chefin Yasmin Fahimi spricht von einem „bitteren Befund“.

Jeder Vierte rechnet mit Arbeitsunfähigkeit vor offiziellem Rentenbeginn

Vier von zehn Arbeitnehmern in Deutschland glauben einer neuen Erhebung zufolge nicht, dass sie ihren Job bis zum Erreichen des Renteneintrittsalters ausüben können. Im Handwerk, in der Pflege, im Baugewerbe, in Erziehungsberufen und anderen körperlich und psychisch belastenden Berufen zweifelt sogar die Hälfte der Beschäftigten an einem Durchhalten bis zur Rente. Das geht aus einer neuen Auswertung des DGB-Index Gute Arbeit hervor, über den die Zeitungen der Funke Mediengruppe am Sonntag berichteten. Für die Auswertung wurden knapp 28.000 Beschäftigte in den Jahren 2022 bis 2026 befragt. Demnach glauben lediglich 53 Prozent, ihre derzeitige Tätigkeit bis zum gesetzlichen Renteneintritt ohne Einschränkungen ausüben zu können – 40 Prozent rechnen dagegen nicht damit. Besonders groß sind die Zweifel in einzelnen Berufsgruppen. So erwarten 72 Prozent der Beschäftigten im Bereich Sanitär, Heizung und Klempnerei, ihren Beruf nicht bis zur Rente ausüben zu können. In der Krankenpflege sind es 71 Prozent, in der Altenpflege 67 Prozent, in Hochbauberufen 66 Prozent und bei Erziehern 57 Prozent. Beschäftigte mit hoher körperlicher Belastung, ständigem Zeitdruck oder starker Lärmbelastung trauen sich demnach deutlich seltener zu, bis zum Renteneintritt zu arbeiten. Auch lange Arbeitszeiten, geringe Handlungsspielräume und fehlende betriebliche Gesundheitsförderung verschlechtern die Einschätzung. DGB-Chefin Fahimi: „Regierung darf Realitäten nicht länger ignorieren“ DGB-Chefin Yasmin Fahimi sprach der Zeitung gegenüber von einem „bitteren Befund“. „Diese Realitäten darf die Regierung bei ihren Rentenentscheidungen nicht länger ignorieren“, forderte sie. „Statt die Messlatte beim Renteneintrittsalter immer höher zu legen, braucht es würdige Übergänge in die Rente und gesündere Arbeitsbedingungen. Es kann niemand wollen, dass sich ganze Generationen krank in die Rente schleppen und dann Abzüge einfach hinnehmen müssen“, sagte Fahimi weiter. Über die Zukunft der gesetzlichen Rente (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/rente/) wird derzeit eine heftige Debatte geführt. In dieser Woche haben die Spitzen von Union und SPD erklärt, die von der Rentenkommission vorgelegten Vorschläge zu einer Rentenreform „zügig“ als Paket umsetzen zu wollen. Das Gremium hatte 33 Reformvorschläge gemacht, unter anderem eine Anpassung des Renteneintrittsalters (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/renteneintrittsalter/) an die Lebenserwartung (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/lebenserwartung/) , die Abschaffung der sogenannten Rente mit 63, einen größeren Kreis an Einzahlenden ins Rentensystem sowie eine Kapital-Rente.