Der russische Inlandsgeheimdienst FSB (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/ausland/plus69c6ed9f04eeb30f4b107759/fsb-zwing-mich-nicht-dich-zu-suchen-so-macht-putins-geheimdienst-kritiker-zu-informanten.html) hat Staatsmedien zufolge einen japanischen Journalisten wegen Spionageverdachts festgenommen. Dem Reporter der Zeitung „Hokkaido Shimbun“ werde vorgeworfen, Informationen über die Verteidigungsfähigkeit Russlands gesammelt zu haben, meldete die Agentur Interfax am Dienstag. Der Reporter soll den Angaben nach Material über die Teilnahme von Einwohnern der Kurilen-Inseln an dem seit 2022 andauernden russischen Krieg gegen die Ukraine gesammelt haben. Auf der zur Provinz Sachalin gehörenden Inselgruppe leben nur etwas mehr als 20.000 Menschen. Der Mann sei in der fernöstlichen Region Sachalin kurz vor seiner geplanten Ausreise gefasst und anschließend in Untersuchungshaft nach Moskau überstellt worden. Ein dortiges Gericht habe eine knapp zweimonatige Haft angeordnet. Das russische Staatsfernsehen zeigte Bilder, auf denen ein Mann auf dem Boden liegt und von drei maskierten Männern in schwarzen Uniformen in Handschellen gelegt wird. Eine Stimme aus dem Hintergrund sagt, die Person werde der Spionage (verlinkt auf https://www.welt.de/wirtschaft/article6acf42fec8c6305416e42526/ki-unternehmen-abhoergeraet-in-usb-buchse-eingewickelt-in-klopapier-fbi-nimmt-openai-mitarbeiter-fest.html) verdächtigt. Weitere Aufnahmen zeigten ihn in Begleitung von zwei FSB-Beamten beim Einsteigen in ein Flugzeug sowie später in einem Käfig in dem Moskauer Gerichtssaal. Die Kurilen sind eine fischreiche Inselgruppe im Pazifik, die die Sowjetunion am Ende des Zweiten Weltkriegs von Japan erobert hat. Moskau und Tokio streiten seither darüber, wem die vier südlichsten Kurilen-Inseln gehören, weshalb es bis heute keinen Friedensvertrag gibt. Einige Inseln der Kurilen befinden sich nur wenige Kilometer von der japanischen Insel Hokkaido entfernt und sind für Russland von militärischer Bedeutung. Russland stuft Japan als „unfreundlichen“ Staat ein, da sich das Land den westlichen Sanktionen gegen Moskau wegen des Kriegs in der Ukraine angeschlossen hat. Zudem sind die Beziehungen beider Länder historisch belastet. Russland und Japan haben nie einen formellen Friedensvertrag zum Zweiten Weltkrieg unterzeichnet. Die Festnahme von ausländischen Journalisten in Russland sorgt immer wieder für Aufsehen. Einer der prominentesten Fälle war der des „Wall Street Journal“-Reporters Evan Gershkovich (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/ausland/plus6abeaa6e85d64113fb06c14f/russland-sie-sind-sehr-selektiv-in-ihrer-entscheidung-wen-sie-foltern-verstuemmeln-oder-ermorden.html) im Jahr 2023. Er wurde von einem russischen Gericht wegen Spionage zu 16 Jahren Haft verurteilt und im August 2024 bei einem Gefangenenaustausch freigelassen.