Welt 22.07.2026
16:02 Uhr

Freispruch für Busfahrer – Mutter verliert vor Gericht die Fassung


Die Anklage lautete auf fahrlässige Tötung, am Ende beantragte selbst die Staatsanwaltschaft einen Freispruch: Das Amtsgericht Hamburg-Bergedorf sieht keine Schuld eines Busfahrers am Tod eines neunjährigen Jungen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Freispruch für Busfahrer – Mutter verliert vor Gericht die Fassung

Nahezu zweieinhalb Jahre nach einem Busunfall in Hamburg, bei dem ein neun Jahre alter Schuljunge getötet wurde, ist der Fahrer in einem Prozess freigesprochen worden. Das Amtsgericht Hamburg-Bergedorf argumentierte, der 71 Jahre alte Angeklagte habe den Unfall (verlinkt auf https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/panorama_nt/article68d4a42a6199625f8c0fc3dd/mehr-unfaelle-auf-schulwegen-bei-kindern-versicherung-warnt.html) nicht verhindern können. Das Urteil ist bislang nicht rechtskräftig. Begonnen hatte das Verfahren Anfang des Monats. Die Staatsanwaltschaft klagte den Mann wegen fahrlässiger Tötung an. Er sei zu schnell gefahren und habe das Kind nicht ausreichend beachtet. Der Fahrer hätte zudem ein Warnsignal abgeben müssen, bevor er in die Haltestelle eingefahren sei. Im Plädoyer beantragte die Staatsanwaltschaft davon abweichend, den Angeklagten freizusprechen. Die Anklagebehörde sei letztlich der Argumentation eines Sachverständigen gefolgt, sagte ein Gerichtssprecher. Auch die Verteidigung sprach sich für einen Freispruch aus. Die Nebenklage forderte hingegen ein Jahr Haft auf Bewährung. Mutter rastet laut Medienbericht bei Urteil aus Der Junge war aus ungeklärten Gründen auf die Straße gestürzt. Die Richterin begründete den Freispruch laut NDR damit, dass der Junge in jedem Fall vom Bus erfasst worden wäre – selbst wenn der Busfahrer innerhalb einer Sekunde reagiert und eine Gefahrenbremsung eingeleitet hätte. Dass der Angeklagte 34 statt 30 Kilometer pro Stunde und möglicherweise zu weit weg vom Bordstein fuhr, hätte keinen Einfluss auf den Unfallausgang gehabt. Zudem sei es technisch nicht möglich gewesen, mit dem Gelenkbus dem Kind auszuweichen. Der Neunjährige soll bei der Haltestelle gestanden haben, als der Bus die Haltestelle anfuhr. Er habe auf sein Handy geschaut und sich nicht bewegt. Warum er letztendlich über den Bordstein auf die Straße stürzte, bleibt offen. Das konnte während der Ermittlungen nicht geklärt werden. Der NDR berichtete, die Mutter des Jungen habe die Fassung verloren, als die Richterin den Freispruch verkündet habe. Die Nebenklägerin habe die Staatsanwältin angeschrien und versucht, den Busfahrer anzugehen.