Welt 30.09.2026
12:45 Uhr

Fällt der Rekord von 1858? Warum der Pegel des Bodensees so ungewöhnlich niedrig ist


Der Bodensee nähert sich einem ungewöhnlich niedrigen Pegel für den Spätsommer – jetzt ist sogar ein Rekord möglich. Gleich mehrere Faktoren setzen Deutschlands größtem Binnengewässer zu.

Fällt der Rekord von 1858? Warum der Pegel des Bodensees so ungewöhnlich niedrig ist

Er sinkt und sinkt und sinkt. So weit, dass Urlauber, die eine Unterkunft am Ufer des Bodensees gebucht hatten, mancherorts erst einmal einen kleinen Fußmarsch absolvieren müssen, um Wasser an den Füßen zu spüren. Deutschlands größtes Binnengewässer wird immer kleiner. Der Pegelstand des Bodensees könnte bald sogar unter die Marke von 2,50 Metern fallen. Zuletzt wurden am Pegel Konstanz noch 2,53 Meter gemessen. Damit fehlen nur noch drei Zentimeter bis zu dieser Marke. Der Wasserstand liegt derzeit auf einem für die Jahreszeit extrem niedrigen Niveau. Wegen der anhaltenden Trockenheit und des natürlichen Jahresverlaufs rechnet die Landesanstalt für Umwelt (LUBW) in den kommenden Wochen tendenziell mit einem weiteren Absinken. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) ist auch erst einmal keine Entspannung in Sicht. Der DWD prognostiziert für die Nacht zum Donnerstag eine Kaltfront mit schauerartig verstärkten Regenfällen. Zumindest zeitweise dürfte es wieder regnen – örtlich seien schätzungsweise 20 Liter pro Quadratmeter in wenigen Stunden möglich. „Es kann auch recht schwach sein“, sagte ein DWD-Meteorologe. Für die ungewöhnliche Situation gibt es mehrere Gründe. Nach Angaben der LUBW fehlte nach einem schneearmen Winter das Schmelzwasser aus den Alpen. Dazu kamen seit Monaten zu geringe Niederschläge und eine hohe Verdunstung während des warmen Sommers. Allzeitrekord in Sicht Ein Allzeitrekord ist der aktuelle Pegelstand allerdings nicht: Die niedrigsten Wasserstände erreicht der Bodensee üblicherweise erst im Winter. Nach Angaben des Niedrigwasser-Informationszentrums Baden-Württemberg wurde der niedrigste Wasserstand seit Beginn der Auswertung 1850 mit 2,26 Metern Ende Februar und Anfang März 1858 gemessen. Der Bodensee folgt einem natürlichen Jahresrhythmus. Nach den meist hohen Wasserständen im Frühsommer und Sommer gehen die Zuflüsse zum Spätsommer zurück. Im Herbst und Winter fällt ein großer Teil des Niederschlags in den Alpen als Schnee und wird zunächst gespeichert. Entsprechend sinkt der Wasserstand normalerweise weiter, bevor er mit der Schneeschmelze im Frühjahr wieder steigt.