Welt 17.08.2026
16:06 Uhr

„Ein echter Meilenstein“ – SuedLink-Elbtunnel ist fertig


Mehr als fünf Kilometer lang ist die unterirdische Elbquerung zwischen Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Für die Stromtrasse SuedLink ist der Durchbruch ein wichtiger Meilenstein. Ende 2028 soll die Leitung Windstrom aus dem Norden in den Süden transportieren.

„Ein echter Meilenstein“ – SuedLink-Elbtunnel ist fertig

Eines der größten Infrastrukturprojekte der deutschen Energiewende hat einen wichtigen Abschnitt geschafft: Der Tunnel für die SuedLink-Elbquerung zwischen Wewelsfleth in Schleswig-Holstein und Wischhafen in Niedersachsen ist fertiggestellt. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), Niedersachsens Energieminister Christian Meyer (Grüne) und TenneT-COO Ina Kamps würdigten am Zielschacht in Wischhafen den erfolgreichen Abschluss des Tunnelvortriebs. Das unter dem Namen ElbX geführte Bauwerk ist rund 5,2 Kilometer lang und gilt als einer der technisch anspruchsvollsten Abschnitte der künftigen Stromautobahn. Die eigens für SuedLink gefertigte Tunnelbohrmaschine, die rund 200 Meter lang ist, war am 1. Februar 2025 in Wewelsfleth gestartet und hatte den Zielschacht in Niedersachsen bereits im Juni erreicht. Auf dem Weg unter der Elbe musste sie wechselnde sandige und tonige Boden- und Sedimentschichten durchqueren. Als besondere Herausforderung galt der Lauenburger Ton. Unter der Schifffahrtsrinne der Elbe waren zudem Arbeiten unter erhöhtem Druck erforderlich. An der Veranstaltung in Wischhafen nahmen nach Angaben von TenneT rund 150 Gäste aus Politik, Kommunen, Bauwirtschaft und dem Projektumfeld teil. Unter ihnen waren auch der Stader Landrat Kai Seefried, die Bürgermeister der beiden Tunnelgemeinden Wischhafen und Wewelsfleth, Bernd Tietje und Ulrike Baade-Heinrich, sowie Tunnelpatin Jette Waldinger-Thiering, Landtagsabgeordnete und Vizepräsidentin des Schleswig-Holsteinischen Landtags. 700 Kilometer Leitung von Nord nach Süd SuedLink soll künftig Windstrom aus Norddeutschland in die Verbrauchszentren im Süden transportieren. Die rund 700 Kilometer lange Hochspannungs-Gleichstromleitung führt von Schleswig-Holstein über Niedersachsen, Thüringen und Hessen bis nach Bayern und Baden-Württemberg. Tatsächlich handelt es sich um zwei Leitungen, die über weite Strecken parallel verlaufen, sich an den Start- und Endpunkten aber verzweigen. Die Leitung wird vollständig als Erdkabel verlegt. Die Inbetriebnahme auf ganzer Länge ist nach Angaben der beteiligten Netzbetreiber für Ende 2028 geplant. Damit käme das Projekt sechs Jahre später als ursprünglich vorgesehen ans Netz. Beteiligt sind TenneT und TransnetBW. TenneT ist für den nördlichen Abschnitt in Schleswig-Holstein und Niedersachsen zuständig, TransnetBW für den südlichen Teil der Trasse. Nach Angaben von TenneT wird der Tunnel nun für den späteren Kabeleinzug vorbereitet. Insgesamt sollen sechs Kabel in dem Bauwerk verlegt werden: jeweils zwei Kabel für die beiden SuedLink-Systeme sowie je ein Ersatzkabel. Diese Ersatzkabel werden vorsorglich mitverlegt, um spätere Wartungsarbeiten zu erleichtern und die langfristige Zuverlässigkeit der Verbindung zu erhöhen. Beginnend Ende 2027 sollen die Kabel in den Schacht mit vier Metern Durchmesser eingezogen werden. Für Schleswig-Holstein sei der erfolgreiche Tunnelvortrieb ein „echter Meilenstein für SuedLink und für den Netzausbau in Deutschland“, sagte Ministerpräsident Günther. Die Leitung werde die Netze entlasten, die Abregelung von Windstrom verringern und die Versorgungssicherheit stärken. „Jede Kilowattstunde erneuerbarer Energie, die wir im eigenen Land erzeugen und nutzen können, macht uns unabhängiger von Energieimporten und damit weniger verwundbar“, sagte der CDU-Politiker. Niedersachsens Energieminister Meyer verwies auf die besondere Rolle seines Bundeslandes. Rund 320 Kilometer der SuedLink-Trasse und damit fast die Hälfte der Gesamtstrecke führten durch Niedersachsen. Das Land übernehme damit eine wichtige Funktion bei einem der zentralen Netzausbauvorhaben Deutschlands. Der günstige Windstrom aus dem Norden, der künftig in die Verbrauchszentren im Süden gelange, werde zur Senkung der Energiekosten für Haushalte und Wirtschaft sowie zum Erreichen der Klimaziele beitragen, sagte Meyer. Kritiker befürchten hohe Kosten SuedLink soll nach Angaben von TransnetBW eine Leistung von bis zu vier Gigawatt transportieren können. Rechnerisch könnten damit etwa zehn Millionen Einfamilienhaushalte mit Strom versorgt werden. Die Leistung entspricht ungefähr der von vier Kernkraftwerken, Voraussetzung ist allerdings eine volle Auslastung der Trasse. Neben Windstrom aus dem Norden soll die Verbindung auch Strom aus Photovoltaikanlagen in Süddeutschland in den Norden befördern können oder im Zusammenspiel mit anderen Trassen Strom aus norwegischer Wasserkraft nach Deutschland bringen. Die Netzbetreiber und die beteiligten Länder sehen in SuedLink einen zentralen Baustein für Versorgungssicherheit und Netzstabilität. Derzeit müssen Windkraftanlagen im Norden häufig abgeschaltet werden, wenn mehr Strom produziert als vor Ort verbraucht oder abtransportiert werden kann. Die neue Leitung soll solche Eingriffe verringern und zugleich den erwarteten steigenden Strombedarf bedienen. Gegen das Projekt gibt es allerdings seit Jahren Widerstand. Bürgerinitiativen halten die Vier-Gigawatt-Trasse für ökologisch fragwürdig und wirtschaftlich problematisch. Sie befürchten, dass am Ende die Stromkunden die Kosten tragen. Auch die Trassenführung und mögliche Belastungen für Anwohner waren lange umstritten. Dass SuedLink vollständig unterirdisch verlegt wird, gilt als ein Zugeständnis an die Akzeptanz vor Ort, macht das Projekt aber teurer als eine oberirdische Leitung. Bundesenergieministerin Katherina Reiche (CDU) hatte beim Baustart für SuedLink in Bayern erklärt, Erdkabel hätten geholfen, die Akzeptanz besser in den Griff zu bekommen, zugleich aber auch die Kosten erhöht. Bei künftigen vergleichbaren Bauvorhaben solle wieder stärker auf oberirdische Leitungen gesetzt werden. Die Arbeiten an SuedLink werden an vielen Stellen gleichzeitig vorangetrieben. Hindernisse wie Straßen oder Flüsse werden mit Bohrungen unterquert, die eigentlichen Stromkabel erst später verlegt. Am Ende sollen sich die einzelnen Bauabschnitte wie Puzzleteile verbinden.