Welt 14.05.2026
11:29 Uhr

Bürgermeister Tschentscher schickt Brief an alle Hamburger Haushalte


Kurz vor dem Referendum am 31. Mai greift Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher zu einem ungewöhnlichen Mittel: Per persönlichem Brief wirbt er bei Hunderttausenden Haushalten für ein Ja zur Olympia-Bewerbung. Für Irritationen sorgt die Hamburger Polizeigewerkschaft.

Bürgermeister Tschentscher schickt Brief an alle Hamburger Haushalte

In der entscheidenden Phase vor dem Olympia-Referendum intensiviert der Senat seine Kommunikation mit den Bürgern – und stößt damit zugleich auf Widerstand der Olympia-Gegner. Im Zentrum steht ein Schritt von Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD): So erhalten derzeit Hunderttausende Hamburger Haushalte einen persönlich adressierten Brief des Senats. Die Sendung richtet sich „an alle Bürgerinnen und Bürger der Freien und Hansestadt Hamburg“. Darin wird nicht nur zur Beteiligung am Referendum am 31. Mai aufgerufen – Tschentscher wirbt zugleich explizit für ein „Ja“ zur Bewerbung. Bereits zuvor hatte der Bürgermeister öffentlich dafür plädiert, die Spiele als „Chance für alle“ zu begreifen und die Zukunft der Stadt aktiv zu gestalten. Die Linke, die ebenso wie die AfD eine Bewerbung ablehnt, kritisiert dieses Vorgehen. Sie wirft dem Senat vor, die Grenzen zwischen staatlicher Information und politischer Kampagne zu verwischen. Zudem werde die Aktion aus Steuermitteln finanziert und erreiche auch Menschen, die gar nicht abstimmen dürfen. Polizeigewerkschaft will Druck aufbauen Zusätzliche Brisanz erhält die Debatte durch eine Intervention aus den Reihen der Polizei. In einer aktuellen Stellungnahme fordert eine Polizeigewerkschaft, beim Referendum gegen Olympia zu stimmen – als Reaktion auf ausbleibende Fortschritte bei der Besoldung der Beamten. In einer Pressemitteilung schreibt der Polizeigewerkschafts-Vorsitzende Thomas Jungfer, der Senat zeige „den Polizeibeamten den Mittelfinger.“ Er spricht in der Mitteilung auch von einem „hemmungslosen Genickschlag“ für die eigenen Leute. Die Gewerkschaft wirft dem Senat vor, Vorgaben des Bundesverfassungsgerichtes zu missachten und ruftdie Polizeibeamten dazu auf, mit „Nein“ beim Olympia-Referendum zu stimmen. Jungfer: „Wer für die eigenen Beamten kein Geld hat, kann nicht auf unsere Unterstützung zählen.“ In einer Reaktion aus der Sport- und Innenbehörde heißt es dazu, man sei über diese Form der Polemik irritiert.