SpOn 02.08.2026
04:38 Uhr

»New York Times«: Zeitung beklagt Ermittlungen der US-Behörden gegen weiteren Journalisten


Im vergangenen Jahr hatte die »New York Times« über eine misslungene US-Militäroperation in Nordkorea geschrieben. Nun geht die Trump-Regierung gegen einen Mitarbeiter vor. Die Zeitung wittert Einschüchterungsversuche.

»New York Times«: Zeitung beklagt Ermittlungen der US-Behörden gegen weiteren Journalisten

Gerade erst waren die Vorladungen gegen mehrere Journalistinnen und Journalisten der »New York Times« fallen gelassen worden (mehr hier), da geht das US-Justizministerium schon wieder gegen die renommierte Zeitung vor. Das Ministerium hat für seine Ermittlungen die Unterlagen eines freien Journalisten der »New York ​Times« angefordert, wie die Zeitung am Samstag berichtete . Die Ermittlungen beziehen ‌sich auf die Quellen für einen Artikel aus dem Jahr 2025 über eine misslungene US-Militäroperation in Nordkorea.

Dem Bericht zufolge wurde der Journalist Matthew Cole im Februar von der Staatsanwaltschaft in ​Virginia vorgeladen. Die Behörden verlangen seine Notizen aus mehr als zwei ⁠Jahren ⁠sowie seine Zeugenaussage. In dem von Cole mitverfassten Artikel wurde unter Berufung auf 24 anonyme Quellen detailliert beschrieben, wie Soldaten ‌der Spezialeinheit Navy SEALs Anfang ​2019 bei ‌einem Einsatz mehrere unbewaffnete Nordkoreaner töteten.

Ein Sprecher der »New York Times«, Charlie Stadtlander, nannte die Vorladung »einen weiteren dreisten und illegalen Übergriff der Regierung«. Ein Sprecher des ‌Justizministeriums erklärte, man werde »alle verfügbaren rechtlichen Mittel nutzen, um diejenigen zu identifizieren, die unrechtmäßig Informationen zur nationalen Verteidigung ‌preisgeben«.

Coles Anwalt, ​David A. O'Neil, sagte, ‌sein Mandant werde sich »nicht von Versuchen einschüchtern ‌lassen, ​Informationen zu unterdrücken, die die Regierung als unangenehm ansieht«. Die »New York Times« übernimmt nach ​eigenen Angaben ⁠die Anwaltskosten für Cole.

Ministerium gab zuletzt nach

Erst vor etwas mehr als einer Woche war bekannt geworden, dass das US-Justizministerium die Vorladungen gegen Journalistinnen und Journalisten der »New York Times« zurückgezogen hat. Mit der zwischenzeitlichen Anordnung sollte die Zeitung dazu bewegt werden, die Identität anonymer Informanten offenzulegen. Auslöser waren Berichte der »New York Times« über Sicherheitsbedenken bei Flügen von US-Präsident Donald Trump (mehr hier).

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Die Zeitung hatte unter Berufung auf Insider berichtet, Trump habe die Türkei noch mit der bisherigen Präsidentenmaschine »Air Force One« verlassen. Demnach sei das von Katar geschenkte neue Flugzeug noch nicht mit Raketenabwehrsystemen und weiteren Schutzvorrichtungen ausgestattet gewesen.

Die »New York Times« bezeichnete das Vorgehen als Angriff auf die Pressefreiheit und als Versuch, Journalistinnen und Journalisten einzuschüchtern.

Kritiker werfen der Regierung Trump bereits seit Längerem vor, mit Vorladungen und Durchsuchungsbeschlüssen zunehmend Druck auf Medien und deren Quellen auszuüben.

jok/Reuters