Till Backhaus hat Kritik an seiner Rolle bei dem vergeblichen Rettungsversuch des mehrfach an der Ostseeküste gestrandeten Wals zurückgewiesen. Er habe verantwortungsbewusst gehandelt, sagte der SPD-Politiker stern.de . Weil es seine große Hoffnung gewesen sei, den Wal zu retten, nenne er ihn nicht »bei seinem anderen Namen, Timmy« – »bei mir heißt er Hope«.
Der Buckelwal war seit Ende März mehrfach vor der deutschen Ostseeküste gestrandet, zuletzt vor der Insel Poel in der Wismarer Bucht. Eine private Initiative hatte den Wal ab dem 28. April in einem Lastkahn Richtung Nordsee geschleppt und vor der Nordspitze Dänemarks am 2. Mai unter unklaren Umständen ausgesetzt.
»Ich habe seinen Lebenswillen und seinen Lebensmut erkannt«
Die Möglichkeit, dass der Wal durch die Aktion nur länger gelitten habe, wollte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister im Interview so nicht gelten lassen: »Bei allem Wohlwollen, da habe ich einen anderen Anspruch. Tiere haben für mich eine Bedeutung. Man sollte ihnen helfen, wenn man ihnen helfen kann. Er sollte seine Chance bekommen.« Der Politiker betonte: »Ich habe dem Tier mehrfach in die Augen geschaut. Ich habe seinen Lebenswillen und seinen Lebensmut erkannt.« Der Wal sei ein Jüngling, der sich verirrt habe. »Er hatte sein Leben noch vor sich.«
Dass er die umstrittene Rettungsaktion trotz anderslautender Empfehlungen von Wissenschaftlern zuließ, habe nichts mit dem öffentlichen Druck und der im September anstehenden Landtagswahl zu tun gehabt, sagt der Politiker. »Die Wahl hat keine Rolle für mich gespielt, das sage ich in aller Klarheit. Zwar habe er unter Druck gestanden. »Ich habe mich davon aber nicht leiten lassen, sondern ich habe mich sachlich mit dem Thema auseinandergesetzt.«
Zudem habe er sich bei seinen Entscheidungen auch von zwei »ausgemachten absoluten Wissenschaftlern« beraten lassen, die nichts mit der Initiative zu tun gehabt hätten, sagte Backhaus. Namen wollte er allerdings nicht nennen. »Sie haben mich gebeten, das nicht zu tun. Sie haben Angst vor Drohungen«, sagte er. »Ernst zu nehmende Leute haben gesagt, ich habe es richtig gemacht.«
Als er hörte, der Wal sei tot, war er »sehr traurig«, sagte Backhaus. Ob der Wal womöglich bei der Rettungsaktion von der Barge gezogen und dadurch geschädigt wurde? Der Umweltminister: »In unserem Hoheitsgebiet Mecklenburg-Vorpommerns sind dem Tier keinerlei Schäden zugefügt worden. Wir haben alles geprüft und die Aktion geduldet. Die Verantwortung für diesen Prozess als solchen hat daraufhin die Initiative übernommen.«
Als skurril habe er die ganze Aktion nicht empfunden. Mit dem Begriff habe er »ein Problem«: »Wir haben versucht, ein junges Tier, das lebensfähig ist, in seinen Lebensraum zurückzubringen.« Er finde es wichtig, an Ethik und Moral zu glauben, und gab zu bedenken: »Stellen Sie sich mal vor, die Evolution wäre andersherum verlaufen. Dann hätte der Wal entschieden, ob Sie gerettet werden.«
