Ein Gericht in Ankara hat gegen die türkische Journalistin Tuğba Tekerek sowie sieben weitere Personen Haftbefehle erlassen. Es bestehe der Verdacht eines Verstoßes gegen das Vereinsgesetz und der Beihilfe zur Veröffentlichung obszöner Inhalte, zitierte die oppositionsnahe Nachrichtenagentur Anka das Gericht.
Tekerek und die anderen Inhaftierten waren im Rahmen der sogenannten »Meine Familie ist sicher«-Operation am vergangenen Wochenende festgenommen worden, die sich gegen zahlreiche LGBT-Vereine, Veranstaltungsorte und Aktivisten richtete. Die türkische Justiz leitete Ermittlungsverfahren unter anderem wegen des Vorwurfs der Prostitution und Obszönität ein.
Menschenrechtsorganisationen kritisieren seit Jahren das Vorgehen der türkischen Behörden gegen LGBTQ+-Personen und ihre Organisationen. Die englische Abkürzung LGBTQ+ steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle und trans Menschen.
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Journalistin bei der Deutschen Welle
Tuğba Tekerek arbeitet als freie Journalistin unter anderem für die türkische Ausgabe der Deutschen Welle. Bekannt ist sie unter anderem für ihre Berichterstattung über LGBT-Personen in Georgien. Die Journalistengewerkschaft der Türkei TGS forderte ihre Freilassung.
Neben ihr wurden sieben Vorstandsmitglieder der LGBT-Organisation Kaos GL festgenommen, wie die Deutsche Welle berichtete. Kaos GL ist eine der bekanntesten Organisationen, die sich in der Türkei für die Rechte von LGBT-Personen einsetzen. Den Haftbefehl begründete das Gericht mit der Position der Verdächtigen innerhalb des Vereins sowie Beiträgen in den sozialen Medien, wie Anka berichtete. Außerdem bestünde Fluchtgefahr und ein Risiko der Beweisvernichtung.
Zweite Festnahme von Journalist
Erst im Februar war in der Türkei der Deutsche-Welle-Korrespondent Alican Uludağ festgenommen worden. Ihm wurden unter anderem "Präsidentenbeleidigung" und die "Verbreitung irreführender Informationen" vorgeworfen. Anlass war ein rund eineinhalb Jahre alter Beitrag auf X, in dem Uludağ die türkische Regierung im Zusammenhang mit der Freilassung mutmaßlicher IS-Kämpfer kritisiert und ihr Korruption vorgeworfen hatte.
Die Deutsche Welle und Reporter ohne Grenzen kritisierten die Festnahme als Einschüchterung und Schikane gegen Journalisten.
