Wochenlang beschäftigten der Buckelwal, den die einen »Timmy«, die anderen »Hope« nannten, und seine letztlich gescheiterte Rettung vor allem die Behörden in Mecklenburg-Vorpommern. Doch bevor das Tier vor der Insel Poel auf Grund lief, war es zunächst vor Niendorf gestrandet, einem Ortsteil der Gemeinde Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein.
Für den dortigen Bürgermeister, Sven Partheil-Böhnke, hat das Ganze nun ein juristisches Nachspiel. Martin Peterlein, Sprecher der Staatsanwaltschaft Lübeck, bestätigte dem SPIEGEL, dass die Behörde gegen den FDP-Politiker ermittelt, unter anderem wegen des Anfangsverdachts des Vortäuschens einer Straftat. Außerdem laufen auch Ermittlungen wegen des Verdachts der Beleidigung und der Untreue. Zuvor hatten die »Lübecker Nachrichten« berichtet. Hintergrund sind offenbar E-Mails, in denen der Tierschützer Robert Marc Lehmann beleidigt wird, der bei den Walrettungsversuchen vorübergehend dabei war.
Unstrittig ist, dass Sven Partheil-Böhnke nicht begeistert vom Verhalten Lehmanns war. Gegenüber der »Bild« sagte er Anfang April unter anderem, die Zusammenarbeit mit dem Tierschützer sei »sehr schwierig«, und dessen Annahmen seien »zu 100 Prozent falsch« gewesen. Der Politiker warf Lehmann vor, dass es ihm mehr um Selbstdarstellung als um das Wohl des Tiers gegangen sei. Der Tierschützer reiste wütend ab.
Blieb es bei dieser Kritik, oder verschickte Partheil-Böhnke auch Nachrichten, die in ihrer Wortwahl noch harscher sind? Bereits im April wurden E-Mails, verschickt vom Account des Bürgermeisters an Bürgerinnen und Bürger, öffentlich, in denen es etwa hieß: »Herr Lehmann ist ein absolut inkompetenter, selbstdarstellerischer Spinner.«
Hackerangriff vorgetäuscht?
Details wollte Peterlein von der Staatsanwaltschaft Lübeck nicht bestätigen, sagte jedoch, es bestehe der Verdacht, Partheil-Böhnke habe »wahrheitswidrig« angegeben, dass fremde Personen auf sein E-Mail-Konto zugegriffen hätten. Ausgangspunkt für die Ermittlungen wegen Vortäuschens einer Straftat seien »öffentlichkeitswirksame Äußerungen des Beschuldigten« gewesen.
Ende Mai hatte der Bürgermeister in einem Interview mit den »Lübecker Nachrichten« gesagt: »Mein Account beziehungsweise mein Handy wurde gehackt, und etwa 30 E-Mails wurden unter meinem Namen verschickt.« Man habe sofort die Behörden und die Datenschutzbeauftragte des Landes eingeschaltet. Das Rathaus sei für die Sicherungsmaßnahmen zwei Tage lang von allen Kanälen abgeschnitten gewesen.
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Die Kosten dieser Sicherungsmaßnahmen dürften der Hintergrund für die Untreueermittlungen sein. In dem Fall ermittle das Staatsschutzkommissariat, da die mutmaßlichen Taten in Zusammenhang mit Partheil-Böhnkes dienstlicher Tätigkeit als Politiker stünden, teilte Peterlein mit.
Partheil-Böhnke bis Ende Juli dienstunfähig
Infolge dieser mutmaßlichen Cyberattacke leitete Timmendorfer Strand eine forensische IT-Untersuchung ein, wie ein Sprecher der Gemeinde dem SPIEGEL bestätigte. Das Ergebnis liege vor, zum Inhalt könne man aber noch nichts sagen. Es solle aber nach internen Abstimmungen veröffentlicht werden.
Gegenüber den »Lübecker Nachrichten« wollte Partheil-Böhnke sich nicht weiter zu dem Fall äußern. Sobald Ergebnisse vorlägen, werde die Öffentlichkeit transparent und umfassend informiert. Auf eine Anfrage des SPIEGEL reagierte er bislang nicht. Dem Gemeindesprecher zufolge ist der Bürgermeister bis zum 31. Juli offiziell dienstunfähig.
