SpOn 11.09.2026
12:32 Uhr

The Beatles: Forscher zitieren die Band in Tausenden Fachartikeln


»Here comes the sun« in einer Arbeit über Vitamin D, »The lung and winding road« in einer zu Long Covid: Die Beatles dienen Forschern häufig als Inspiration, da kann nicht mal Elvis mithalten.

The Beatles: Forscher zitieren die Band in Tausenden Fachartikeln

Help! Forschende holen sich oft Unterstützung von den Beatles, um mehr Aufmerksamkeit für ihre Studien zu bekommen. Laut einer Analyse im Fachjournal »PLOS One«  stecken in den Überschriften von mindestens 3200 wissenschaftlichen Arbeiten Liedtitel oder -zeilen der Beatles oder enthalten entsprechende Wortspiele. Damit hätten die »Fab Four« die wissenschaftliche Kommunikation auf diese Weise stärker beeinflusst als alle anderen Musiker und Musikerinnen, heißt es.

Einige Referenzen seien »wirklich genial. »The lung and winding road«  ist ein Artikel über Long Covid, in dem lediglich ein Vokal ausgetauscht wurde«, sagt der Erstautor Gabriel Budel  von der University of Technology in Delft mit Blick auf den Song »The Long and Winding Road« von 1970.

Der Song »Everybody’s Got Something to Hide Except Me and My Monkey« hingegen habe Patentrechts-Forscher zu dem Studientitel »Everybody’s Got Something to Hide Except Me and My Patented Monkey«  inspiriert. »Da hatte wohl jemand einen sehr guten Tag an seinem Schreibtisch«, sagt Budel.

Die Forschenden glichen für ihre Analyse mithilfe von KI-Modellen eine kuratierte Liste populärer Beatles-Songtitel und -texte mit Studien verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen ab. Dafür nutzen sie »Scopus«, eine Datenbank wissenschaftlicher Publikationen. Insgesamt fand das Team darin 2237 exakte Beatles-Referenzen und 963 Beispiele für kreative Wortspiele mit den Texten oder Titeln.

Medizinische und sozialwissenschaftliche Studien dominierten, doch auch in der Ökonomie, Umweltwissenschaft und künstlerischen Fachbereichen kamen die Referenzen vor. Die Veröffentlichungen reichen von den Siebzigerjahren bis ins Jahr 2025.

Weitere Beispiele aus den Top-20-Beatles-Songs  sind:

  • Die Studie »With a little help from my friends: Mitochondria maintain redox balance for the endoplasmic reticulum« (The Plant Cell , 2022) behandelt das Zusammenspiel zweier Zellbestandteile in Pflanzen.

  • In »Here comes the sun – Is vitamin D a cure for all that ails us?« (The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 2015 ) wird die Rolle von Vitamin D bei der Prävention von Krankheiten diskutiert.

  • »A hard day’s night: Time use in shift workers« (BMC Public Health,  2019) beschäftigt sich damit, wie Schichtarbeiter ihre Zeit verbringen.

  • Das Kapitel »Product Regulations: You can drive my car, otherwise let it be« in dem Buch »A Geo-Economic Turn in Trade Policy?«  von 2022 handelt von Sicherheits- und Zulassungsregeln und ihrem Einfluss auf den Handel.

  • Die Arbeit »Meat plants and strawberry fields forever? Precarious migrant labour in the German agri-food sector before and after COVID-19« (European Journal of Migration and Law , 2022) befasst sich mit den mitunter prekären Arbeitsbedingungen im deutschen Agrarsektor vor und nach der Coronapandemie.

Forschende oft negativer als die Beatles

Der Optimismus der Beatles-Texte werde in den wissenschaftlichen Veröffentlichungen oft ins Gegenteil umgekehrt, sagt Co-Autor Michiel Tjepkema. Ein Beispiel ist »With a little help from my enemies« oder »Although it helps, love is not all you need«. »Die Songs sind hoffnungsvoll, die Paper sind skeptisch«, sagt Tjepkema.

Besonders die Popmusik habe im wissenschaftlichen Publizieren deutliche Spuren hinterlassen, schreiben die Studienautoren, – von Bob Dylans in biomedizinische Fachartikel  eingebetteten Liedzeilen hin zu »Should I Stay or Should I Go?«  von The Clash, das in Hunderten wissenschaftlichen Titel neu verwendet wurde.

»Prägnante Formulierungen werden zu Metaphern, Songtitel tauchen in Artikeltiteln auf, und weithin bekannte Referenzen helfen Autoren, ein größeres Publikum zu erreichen«, schreibt das Team.

Die Top-Ten-Beatles-Songs kamen in insgesamt 1584 Titeln von Fachartikeln vor. Damit liegen die Engländer weit vor Elvis Presley, dessen Top-Ten-Songs in 196 Artikeln zitiert wurden und Michael Jackson mit 65 Referenzen auf seine populärsten Songs.

alw/dpa