SpOn 01.10.2026
05:02 Uhr

Tennessee: Supreme Court erlaubt Hinrichtung von Christa Pike – Vollstreckung scheitert offenbar


Nach einigem Hin und Her hat das oberste US-Gericht entschieden: Die verurteilte Mörderin Christa Pike darf hingerichtet werden. Ihr wurden in Tennessee offenbar zwei Giftspritzen verabreicht. Sie soll aber noch immer leben.

Tennessee: Supreme Court erlaubt Hinrichtung von Christa Pike – Vollstreckung scheitert offenbar

Im US-Bundesstaat Tennessee durfte die erste geplante Hinrichtung einer Frau seit mehr als 200 Jahren vollstreckt werden: Der Supreme Court gab einem Eilantrag der für die Gefängnisse zuständigen Behörde des Bundesstaates statt. Das oberste US-Gericht setzte damit den von einer unteren Instanz verhängten Vollstreckungsstopp außer Kraft.

Zu der Hinrichtung sollte es noch am Mittwochabend (Ortszeit) kommen. Wie mehrere US-Medien und die Nachrichtenagentur AP berichten, kam es dabei aber zu Problemen: Pike seien zwei Giftspritzen verabreicht worden, heißt es in den Berichten. 40 Minuten später sei sie noch immer bei Bewusstsein gewesen. Medienvertreter seien schließlich aus dem Gebäude geführt worden.

Die Sprecherin der Strafvollzugsbehörde von Tennessee, Dorinda Carter, erklärte gegenüber den Journalistinnen und Journalisten, sie könne derzeit keine Informationen darüber geben, was genau geschehen sei.

Wenig später teilte Richter Kyle Hixson mit, in einer Telefonkonferenz mit den Anwälten aller Beteiligten habe der Staat das Gericht informiert, »dass Frau Pike nicht für tot erklärt worden sei«. Die Justizvollzugsbehörde habe zudem die medizinische Notfallversorgung und den Transport von Pike in ein Krankenhaus angeordnet.

Krankenwagen vor der Hochsicherheitsanstalt Riverbend in Tennessee (am Mittwoch)

Krankenwagen vor der Hochsicherheitsanstalt Riverbend in Tennessee (am Mittwoch)

Foto:

George Walker IV / AP / dpa

Christa Pike wurde 1996 für den Mord an einer damals 19-jährigen Bekannten zum Tode verurteilt. Sie saß 30 Jahre im Todestrakt. Am Mittwoch hätte die Todesstrafe vollstreckt werden sollen. Eine Stunde vor dem Termin setzte ein Richter die Hinrichtung zunächst aus. Zur Begründung hieß es, Pike habe Zweifel an der Rechtmäßigkeit des vorigen Verfahrens dargelegt, die nun geprüft werden müssten. Zentraler Punkt ist die gerichtliche Würdigung von Traumata, die Pike eigenen Angaben zufolge als Kind erlitt.

Die Verurteilte machte vor Gericht geltend, der Bundesstaat Tennessee habe sie als Lügnerin abgetan und ihre Angaben zu erlittenem Missbrauch für fabriziert gehalten. Später habe der Bundesstaat den Missbrauch dann doch als solchen anerkannt.

Supreme Court in Washington

Supreme Court in Washington

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Susan Walsh / AP / dpa

Nach dem vorläufigen Stopp der Hinrichtung reichte die für die Gefängnisse verantwortliche Behörde des Bundesstaates beim Supreme Court einen Eilantrag  ein: Darin wurde der Verteidigung Pikes unter anderem eine bewusste Verzögerungstaktik in letzter Minute vorgeworfen, um die Vollstreckung zu verhindern. Zudem sahen die Kläger geringe Erfolgsaussichten für die Verurteilte: Die Grausamkeit und Schwere des Mordes wogen demnach rechtlich so schwer, dass selbst das vor Gericht geltend gemachte Kindheitstrauma die Todesstrafe nicht verhindert hätte.

Supreme Court entschied nicht einstimmig

Nach Bekanntwerden des Supreme-Court-Urteils kritisierten die drei liberalen Richterinnen am obersten US-Gericht die Entscheidung: In ihrer abweichenden Meinung argumentierte Sonia Sotomayor , die Entscheidung ebne dem Bundesstaat den Weg, Pike hinzurichten, bevor die Zweifel an der Rechtmäßigkeit des vorherigen Verfahrens ordnungsgemäß geprüft werden könnten. Die Richterinnen Elena Kagan und Ketanji Brown Jackson schlossen sich dem an.

Sotomayor schrieb weiter, sie sehe keinen Grund dafür, den üblichen Weg dieser Überprüfung zu umgehen, »insbesondere angesichts der schwerwiegenden Folgen einer fehlerhaften Entscheidung«. Sie bezeichnete das Vorgehen als »außergewöhnlich«.

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1995 hatten drei Teenager das Opfer Colleen Slemmer auf ein abgelegenes Gebiet nahe der University of Tennessee in Knoxville gelockt. Dort soll Pike die Frau verprügelt und getreten haben, bevor sie sie mit einem Messer attackierte und der 19-jährigen Slemmer schließlich mit einem Stück Asphalt den Kopf einschlug. Pike war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt (mehr über den Fall erfahren Sie hier ).

Sie ist nach Angaben der offiziellen Website der Regierung von Tennessee die einzige Frau, die derzeit im Todestrakt des US-Bundesstaates eine Strafe verbüßt. Sie wäre laut der Forschungseinrichtung Cornell Center on the Death Penalty Worldwide die erste Frau seit 1819, die in Tennessee hingerichtet wird.

aar/dpa/AP