SpOn 15.10.2026
17:17 Uhr

Syrien: Zwei Menschen wegen Massaker an Alawiten zum Tode verurteilt


Kurz nach dem Sturz des Assad-Regimes töteten im vergangenen Jahr islamistische Kämpfer Hunderte Zivilisten. Zwei der Verantwortlichen wurden nun unter anderem wegen »Provokation eines Bürgerkriegs« verurteilt.

Syrien: Zwei Menschen wegen Massaker an Alawiten zum Tode verurteilt

Ein Militärgericht im syrischen Aleppo hat zwei Unterstützer des früheren Präsidenten Baschar al-Assad im Verfahren um das Massaker in der Küstenregion im März 2025 zum Tode verurteilt. Darüber berichten der staatliche Sender Al-Chabaria TV und die Nachrichtenagentur Sana. Laut Gericht hätten die beiden »Bürgerkrieg und konfessionelle Kämpfe« provoziert und bewaffnete Gruppen angeführt, die Regierungstruppen angreifen sollten.

Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig und seit Sturz des Assad-Regimes wurden Todesurteile in Syrien bislang nicht vollzogen. Mehrere Mitglieder der syrischen Streitkräfte wurden im selben Verfahren zu teils langen Haftstrafen verurteilt. Bereits im September waren die ersten Urteile im Zusammenhang mit den Massenmorden verkündet worden.

Racheakte durch Unterstützer von Ahmed al-Sharaa

Im März 2025 kam es drei Monate nach dem Sturz von al-Assad an der syrischen Küste zu Zusammenstößen zwischen Alawiten und Sunniten, als ehemalige Assad-Anhänger Kontrollpunkte der neuen syrischen Regierung angriffen. In der Folge kam es zu Racheakten durch Unterstützer des neuen Übergangspräsidenten Ahmed al-Sharaa, bei denen Hunderte Zivilisten aus der alawitischen Minderheit ermordet wurden. Die Küstenregion Syriens ist eine Hochburg der Alawiten, denen auch Assad angehört.

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Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mahnte in einer Stellungnahme, die Aufarbeitung dürfe nicht zu einem selektiven Prozess werden, der neues Unrecht schaffe.

Zudem müssten die Rechte der Hunderten von Opfern und ihrer Familien gewahrt werden, die noch immer auf Gerechtigkeit und die Bestrafung der Verantwortlichen warten. Dazu gehöre »die vollständige Aufklärung der Wahrheit und die strafrechtliche Verfolgung aller Personen, deren Verantwortung für die Verstöße nachgewiesen wird – unabhängig von ihrer Stellung oder Zugehörigkeit«, hieß es in der Mitteilung weiter.

Die nationale Untersuchungskommission zur Aufklärung der Ereignisse an der syrischen Küste hatte zuvor mitgeteilt, dass sie den Tod von 1426 Menschen, darunter 90 Frauen, dokumentiert habe. Zudem habe sie 563 Verdächtige identifiziert, die verschiedenen Konfliktparteien angehörten und mutmaßlich an den Übergriffen beteiligt gewesen seien. Ein systematisches Vorgehen sah die Kommission darin aber nicht.

luc/dpa