Der neue Spitzenkandidat der CDU für die Abgeordnetenhauswahl in Berlin macht den »Kampf für Respekt und Vielfalt« zu einem zentralen Thema seines Wahlkampfs. »Jeder in dieser Stadt, ganz gleich, woher er kommt, ganz egal, was er glaubt, ganz egal, wen er liebt, soll sich hier sicher und frei bewegen können«, sagte Evers dem »Tagesspiegel« .
Im Einsatz für mehr Toleranz sieht sich Evers demnach auch durch persönliche Erlebnisse bestätigt. Er habe als schwuler Mann in der Stadt bereits selbst bedrohliche Erfahrungen gemacht. »Wenn man händchenhaltend in der U7 unterwegs ist, kann es sehr unangenehme Situationen geben«, sagte der verheiratete CDU-Politiker. »Und solange das so ist, dürfen wir im Kampf für Respekt und Vielfalt nicht nachlassen.«
Die U7 ist mit 40 Stationen die längste U-Bahn-Linie in Berlin und verbindet den Bezirk Spandau im Westen mit dem Ortsteil Rudow im Südosten der Stadt. Einige Bahnhöfe auf der Strecke in Neukölln gelten als Kriminalitätsbrennpunkte.
Evers will demnach »die Ursachen konsequent an der Wurzel bekämpfen«. Ihm zufolge stünden vielfach »kulturelle Hintergründe oder religiös-fundamentalistische Strukturen hinter Vorurteilen und Übergriffen«. Es gelte Wortführer und Autoritäten zur Verantwortung zu ziehen.
Der CDU-Mann verwies dabei auf eine Erhebung der Bildungsverwaltung, wonach fast 30 Prozent der muslimischen Schüler die Scharia als geltendes Recht betrachteten und nicht das Grundgesetz. »Wir dürfen nicht Ruhe geben, bis auch dem Letzten klar ist, dass man sich in diesem Land an unsere Regeln zu halten hat«, so Evers.
Auch den Schutz jüdischen Lebens hob Evers hervor. »Wenn sich jüdische Menschen mit einer Kippa nicht sicher durch Neukölln bewegen können, haben wir noch viel zu tun«, so der Spitzenkandidat.
Evers kann »Berlin-Genörgel nicht mehr ertragen«
Grundsätzlich will Evers auch das mitunter wenig vorteilhafte Image der Stadt verändern. »Viele Menschen beschreiben ihr Verhältnis zu Berlin als eine Art Hassliebe. Mein Eindruck ist, es kippt im Moment gelegentlich zum Hass«, so Evers. Er wolle »dieses Berlin-Genörgel nicht mehr ertragen müssen«. Dafür müsse Berlin auch »raus aus diesem provinziellen, ideologischen Klein-Klein«, das die Stadt häufig lähme.
Zuvorderst muss Evers allerdings das ramponierte Bild aufbessern, das seine Partei in der Hauptstadt zuletzt abgab. Evers’ Parteikollege, der Regierende Bürgermeister Kai Wegner, hatte seine Spitzenkandidatur für die Wahl am 20. September am vergangenen Freitag aufgegeben .
Wegner war politisch schwer angeschlagen, nachdem herausgekommen war, dass er am ersten Tag des schweren Stromausfalls im Berliner Südwesten Anfang Januar Tennis spielen war. Mit seinen Aussagen über das eigene Krisenmanagement verstrickte er sich in der Folge in immer weitere Widersprüche. So war etwa herausgekommen, dass er über vermeintliche telefonische Krisengespräche am ersten Vormittag des Stromausfalls gelogen hatte.
Evers war am Montagabend vom CDU-Landesvorstand zum neuen Spitzenkandidaten gewählt worden und hatte außerdem die Parteiführung als kommissarischer Landesvorsitzender übernommen.
