Österreichische Kulturschaffende haben eine Kampagne gestartet, um die Villa, die einst dem Schriftsteller Stefan Zweig gehörte, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Zuvor hatte der heutige Eigentümer Wolfgang Porsche die Immobilie zum Verkauf ausgestellt: Auf der französischen Immobilienplattform »Le Figaro Properties« wird das Paschinger Schlössl für 12,7 Millionen Euro gehandelt.
Vergangenes Jahr waren Porsche und sein Schlösschen wegen eines geplanten Bauprojekts in die Schlagzeilen geraten: Der Aufsichtsratschef des Automobilkonzerns plante eine unterirdische Zufahrt zu seinem Anwesen – einen 500 Meter langen Tunnel, der unter der Salzburger UNESCO-Weltkulturerbe-Zone verlaufen soll.
Das Projekt wurde im September von einem Stadtgremium bewilligt. Aktivisten sowie Politiker der Grünen und der Kommunistischen Partei Österreichs stellten sich gegen das Projekt. Aus Porsches Umfeld sei Kritik an angeblichem »Reichen-Bashing« laut geworden – und womöglich war die Kritik auch ein Grund für Porsches gegenwärtige Verkaufsüberlegungen.
Die Initiatoren der Petition »Öffentliche Stefan-Zweig-Villa« sehen darin die »Möglichkeit, diesen einzigartigen Ort öffentlich zugänglich und nutzbar zu machen«. Die nunmehrige Gelegenheit sollte »unbedingt ergriffen werden«. Es sei möglich, »das Haus von Stefan Zweig als kulturelles Erbe zu erhalten und die Bedeutung für die österreichische wie auch die europäische Kulturgeschichte für alle erlebbar zu gestalten«, heißt es im Text zur Petition .
7800 Quadratmeter mit Musik- und Literaturgeschichte
Zu den Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern der Kampagne gehören unter anderem der Musiker Hubert von Goisern, Schauspieler Harald Krassnitzer, Dirigentin Elisabeth Fuchs, die Ehrenpräsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg Hanna Feingold sowie Salzburgs ehemaliger SPÖ-Bürgermeister Heinz Schaden.
Die Initiatoren bezeichnen den Erwerb der Zweig-Villa als »kulturelle Pflicht gegenüber künftigen Generationen«. Mit ihrem Appell richten sie sich an die österreichische Bundesregierung, die Landesregierung Salzburg und die Stadt Salzburg.
Stefan Zweig lebte bis 1934 auf dem Anwesen, das zu seinen Lebzeiten auch ein kultureller Treffpunkt für prominente Persönlichkeiten wie James Joyce, Thomas Mann und Richard Strauss war. Auch hatte hier einst Mozarts Schwester Nannerl Klavierunterricht gegeben. Laut dem Inserat verfügt das 616 Quadratmeter große Schlösschen über zwölf Zimmer. Das Grundstück ist mehr als 7800 Quadratmeter groß.

