SpOn 08.07.2026
12:47 Uhr

Rudi Carrell: An ihm ist »die Emanzipation vorbeigegangen«, sagt seine Tochter


Mit seinen Shows mischte er das deutsche TV-Geschäft auf. Was Geschlechterrollen angeht, war Rudi Carrell laut seiner Tochter aber weniger fortschrittlich: Frauen gehörten für ihn in den Haushalt.

Rudi Carrell: An ihm ist »die Emanzipation vorbeigegangen«, sagt seine Tochter

Für ihren Vater Rudi Carrell schrieb Annemieke Kesselaar Sketche, war zeitweise auch als Produzentin tätig. Dem Bild, das Carrell von Frauen und Arbeit hatte, entsprach das aber offenbar nicht.

»Ich hatte einen Vater, an dem die Emanzipation vorbeigegangen ist«, sagte Kesselaar der »Bunte«  anlässlich des 20. Todestags von Carrell. »Seine Lebensvorstellung war: Die Frau sorgt dafür, dass zu Hause alles schön ist – den Rest würde er schon erledigen.« Was Frauen betrifft, habe sich der Entertainer als »Jäger und Sammler« gefühlt.

Carrell, bürgerlich Rudolf Wijbrand Kesselaar, war bekannt dafür, die Arbeit zur obersten Priorität zu machen. »Natürlich hatte er auch seine Papa-Momente, aber die waren relativ selten«, sagte Kesselaar der »Bild« . »Er war jemand, der immer arbeitete, seine nächste Show über alles stellte. Er hat einfach für das Fernsehen gelebt.«

Carrell und Kesselaar bei »Rudis Tiershow«

Carrell und Kesselaar bei »Rudis Tiershow«

Foto: Valdmanis / United Archives / picture alliance

Über sich selbst sagte Carrell einmal, er sei »im Studio ein widerliches Arschloch.« Wenn die Leute um ihn herum nicht spurten, könne er »zum Teufel werden«. Auch Kesselaar erinnerte sich 2006 in der »Bild« : »Er hat dann wirklich das ganze Studio zusammengeschissen. Mir war das dann unglaublich peinlich, und ich habe mir immer gedacht, wie kann er nur so mit den Leuten umgehen?«

Carrell moderierte unter anderem »Die Rudi Carrell Show«, »Die verflixte 7« und »Am laufenden Band« . Anfang 2005 erhielt der Niederländer die Diagnose Lungenkrebs, rund anderthalb Jahre später starb er im Alter von 71 Jahren. »Ich merkte, dass er doch mehr von uns Kindern mitgekriegt hatte«, sagt Kesselaar über diese Zeit. »Er beobachtete uns genau, wusste, wie wir tickten. Das war sehr versöhnlich.«

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Über das deutsche Fernsehen würde ihr Vater heute wohl nur den Kopf schütteln, sagt Kesselaar. Große Entertainer und Show-Persönlichkeiten würden ihm fehlen. Eine Ausnahme gebe es für »Let's Dance«: »Das ist eine Sendung, die er gern moderiert hätte.«

esw