SpOn 07.09.2026
20:30 Uhr

Ratko Mladić: Tausende nehmen in Belgrad Abschied von Kriegsverbrecher


Tausende Menschen sowie mehrere Minister und hochrangige Politiker kamen in Belgrad zur Beerdigung des wegen Völkermords verurteilten Ratko Mladić. Die EU kritisierte die Feierlichkeiten als Verherrlichung eines Kriegsverbrechers.

Ratko Mladić: Tausende nehmen in Belgrad Abschied von Kriegsverbrecher

Tausende Menschen haben in Serbien Abschied von dem in Haft gestorbenen Kriegsverbrecher Ratko Mladić genommen. Die Trauerfeier fand am Montag in der kleinen Kirche St. Luka in der serbischen Hauptstadt Belgrad statt. Angesichts der Feierlichkeiten verurteilte die EU die »Verherrlichung von Kriegsverbrechern« in Serbien, das EU-Mitglied werden will.

Serbiens Präsident Aleksandar Vučić, der aus Termingründen eine Teilnahme an der Beisetzung absagte, wies die Vorwürfe einer Verherrlichung des ehemaligen Generals zurück. Die Trauerfeier sei von Mladićs Familie ausgerichtet worden, betonte er. Der Staat werde lediglich dafür sorgen, dass die Veranstaltung sicher sei. Die St.-Luka-Kirche ist deutlich kleiner als der Dom des Heiligen Sava im Zentrum Belgrads, in dem normalerweise Staatsbegräbnisse stattfinden.

Allerdings befanden sich unter den Trauergästen neben mehreren Ministern der serbischen Regierung auch der russische Botschafter in Serbien und der frühere Präsident der Republika Srpska, Milorad Dodik.

Der Ablauf

Nach der Trauerfeier wurde der Sarg von Soldaten ins Freie getragen, wo Tausende Menschen warteten und die Straßen säumten. Auf einem Banner gegenüber der Kirche stand: »Willkommen General, Dank sei Deiner Mutter gegeben, dass sie einen Helden geboren hat, sodass der Ruhm des Serbentums zurückkehren mag.« Viele von ihnen schwenkten Flaggen mit dem Gesicht des Generals. Zudem waren auch Flaggen der bosnisch-serbischen Teilrepublik Republika Srpska zu sehen. Besonders dort wird Mladić trotz seiner Verurteilung von serbischen Nationalisten weiter als »Held« verehrt.

Langsam bewegte sich der Zug dann in Richtung des nahe gelegenen Friedhofs Topčider, wo Mladić neben seiner Tochter beigesetzt wurde. Die 23-Jährige hatte sich 1994 während des Bosnienkriegs das Leben genommen, einigen Berichten zufolge aus Scham über die Verbrechen ihres Vaters.

Mütter von Srebrenica: »Eine Schande«

»Danke, Brüder, dass ihr gekommen seid, um zu entscheiden, ob mein Vater ein Held oder ein Verbrecher war«, sagte Darko Mladić, bevor der Sarg ins Grab hinabgelassen wurde. Die Menge, viele von ihnen Kriegsveteranen und junge Männer, antwortete darauf mit Sprechchören: »Held! Held!«

Der Verband der Mütter von Srebrenica hatte die Beerdigung als »Schande« bezeichnet und internationale Institutionen zum Handeln aufgefordert. »Die Beerdigung des verurteilten Kriegsverbrechers Mladić droht zur größten faschistischen Kundgebung in Europa in den vergangenen 70 Jahren zu werden«, hieß es im Onlinedienst X.

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Der ehemalige bosnisch-serbische Armeechef war am 27. August im Alter von 84 Jahren in einem Krankenhaus im niederländischen Den Haag gestorben, wo er eine lebenslange Haftstrafe wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnienkriegs von 1992 bis 1995 verbüßte. Sein Name ist untrennbar mit dem Massaker von Srebrenica im Juli 1995 verbunden, bei dem bosnisch-serbische Truppen unter seinem Kommando die UN-Schutzzone gestürmt und etwa 8000 muslimische Männer und Jungen ermordet hatten.

mgr/AFP