SpOn 11.03.2026
16:52 Uhr

Paralympics 2026: Langläuferin Marchand erklärt Schwächeanfall im Rennen und kritisiert Veranstalter


Bei den Paralympischen Winterspielen lag Langläuferin Kathrin Marchand klar auf Bronzekurs, dann bremste sie ein Schwächeanfall aus. Nun hat sie erklärt, was passiert ist, und dabei auch den Veranstalter kritisiert.

Paralympics 2026: Langläuferin Marchand erklärt Schwächeanfall im Rennen und kritisiert Veranstalter

Kathrin Marchand hat sich nach ihrem Schwächeanfall bei den Paralympischen Winterspielen sehr frustriert gezeigt und Kritik an den Organisatoren geübt. »Ich habe noch nie ein Rennen aufgegeben, das ärgert mich natürlich super, weil gerade diese Medaille wäre eigentlich auf jeden Fall drin gewesen«, sagte die 35-Jährige: »Jetzt halt so scheiß Bedingungen zu haben: Ich verstehe nicht, warum nicht gesalzen wurde, weil es war wirklich eine Katastrophe.«

Bei Temperaturen über zehn Grad und zeitweisem Sonnenschein wurde der Schnee auf der Strecke weich. Um die Piste trotz der Wärme kompakt zu halten, wird oft spezielles Salz gestreut. Dieser Vorgang wird als »Salzen« bezeichnet. Er entzieht dem Schnee Wärme. Das führt kurzfristig zu einer härteren, eisigen Oberfläche, die den Skiern besseren Halt bietet.

Die frühere Olympia- und Paralympics-Ruderin lag bei ihrem Rennen klar auf Bronzekurs, als sie nach gut der Hälfte des Skilanglauf-Rennens über zehn Kilometer aufgeben musste. »Ich hatte ziemlich zu kämpfen mit den Bedingungen«, haderte Marchand. »Ich hatte eigentlich nicht das Gefühl, dass ich jetzt komplett überpace (also das Tempo überreizt, Anmerkung der Redaktion). Aber ich habe schon auch nach dem zweiten Anstieg gemerkt, dass da einfach die Lichter langsam ausgehen.«

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Vor fünf Jahren hatte Marchand einen Schlaganfall erlitten, seitdem ist ihre linke Körperhälfte eingeschränkt. Sie habe das linke Bein »immer so kontrolliert über den Schnee heben müssen, das war einfach so anstrengend, und ich bin natürlich auch nicht unbedingt die Leichteste, die den Berg hochlaufen muss«, sagte Marchand. Sie habe am Ende »richtig Schwindel« bekommen. »Ich hab fast nichts mehr gesehen und meine linke Seite auch nicht mehr richtig gemerkt.«

»Es war eigentlich keine Entscheidung, die ich getroffen habe, sondern es ging halt einfach nicht mehr«

Kathrin Marchand

Dementsprechend sei der Rennabbruch trotz Medaillenchance unausweichlich gewesen. »Es war eigentlich keine Entscheidung, die ich getroffen habe, sondern es ging halt einfach nicht mehr«, sagte die Leverkusenerin mit einigen Stunden Abstand. Es sei »natürlich ein unschönes Gefühl, aber na ja, irgendwie geht es auch immer weiter«. Marchand könnte bei den Winterspielen noch in der Staffel am Samstag und den abschließenden 20 Kilometern am Sonntag zum Einsatz kommen.

Die 35-Jährige war als Ruderin bereits zweimal bei Olympischen Spielen und einmal bei den Sommer-Paralympics am Start gewesen. Mit ihrer Teilnahme in Norditalien schrieb sie nun Geschichte und startete als erste Athletin auch noch bei Paralympischen Winterspielen. »Es ist schon schön, wenn man die erste Person ist, die das geschafft und einen solchen Rekord hat«, hatte die Leverkusenerin dem SID vor den Spielen gesagt. Bei den Sommer-Paralympics 2024 hatten bei ihrem vierten Platz im Mixed-Vierer im Rudern lediglich sechs Hundertstel zu Edelmetall gefehlt.

Ein Porträt von Kathrin Marchand und ihren Weg vom olympischen in den paralympischen Sport können Sie hier lesen.

jan/sid