Ein neues Virus ist nach Europa eingeschleppt worden und breitet sich nun bei Rindern in Süddeutschland aus. Den Experten des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) zufolge zeigen betroffene Tiere Fieber und Durchfall. Die Milchkühe geben auch weniger Milch, teilte das Institut mit. Übertragen wird das Virus demnach durch blutsaugende Gnitzen.
Das FLI bei Greifswald untersuchte vier Proben aus Baden-Württemberg und kam zu dem Schluss, dass es sich um ein bislang nicht näher charakterisiertes Orthobunyavirus aus der Simbu-Serogruppe handelt. Viren dieser Gruppe kämen vor allem in Afrika, Asien und Australien vor.
»Kein relevantes Infektionsrisiko für den Menschen«
Das neue Virus gehört zu einer Gruppe, zu der auch das Schmallenberg-Virus gehört. Dieses war 2011 nach Deutschland gelangt und sorgte in den darauffolgenden Jahren primär bei Schafen für Fehlgeburten und Missbildungen. Mehr als 2000 Höfe waren damals betroffen.
Infiziert mit Viren dieser Gruppe werden den Experten zufolge vor allem Wiederkäuer, insbesondere Rinder, Schafe und Ziegen. Außerdem wurden Antikörper bei Alpaka, Bison, Reh-, Rot-, Dam- und Muffelwild nachgewiesen.
Virusforschung im FLI: Mit dem Schmallenberg-Virus infizierte Zellkulturen
Foto: Stefan Sauer/ dpaDas Schmallenberg-Virus ist nicht auf den Menschen übertragbar. Das neue Virus stellt laut dem Institut »nach bisherigem Kenntnisstand kein relevantes Infektionsrisiko für den Menschen dar«. Das müsse nun aber genauer untersucht werden.
Virus wird möglicherweise auch auf Fetus im Mutterleib übertragen
Laut FLI führen Infektionen mit Viren der Gruppe bei erwachsenen Tieren in der Regel lediglich zu milden bis moderaten klinischen Erscheinungen. Von besonderer Bedeutung ist jedoch die mögliche Übertragung auf den Fetus während der Trächtigkeit. »Abhängig vom Zeitpunkt der Infektion können Aborte, Totgeburten und schwere angeborene Fehlbildungen auftreten.«
Das Friedrich-Loeffler-Institut hat einen bislang unbekannten Erreger untersucht und weiter charakterisiert. Da die entsprechenden Mücken noch bis November aktiv sind, müsse mit einer weiteren und möglicherweise schnellen Ausbreitung des Virus gerechnet werden.
Potenzial des Virus noch unklar
Unklar sind die möglichen Auswirkungen: »Wir wissen noch nicht genau, welches Potenzial das Virus in sich trägt«, sagte eine FLI-Sprecherin. Möglicherweise ginge es darum, jetzt möglichst schnell einen Impfstoff zu entwickeln.
Aufgefallen waren laut FLI erkrankte Rinder in der Schweiz, Frankreich und im Juli auch Rinder in zahlreichen Beständen in Süddeutschland, insbesondere in Baden-Württemberg. Die Symptome entsprachen demnach zunächst dem Schmallenberg-Virus. Untersuchungen auf diesen oder andere bekannte Erreger verliefen demnach jedoch negativ.
Das FLI konnte nach eigenen Angaben schließlich eine große genetische Übereinstimmung mit Shamonda-Viren nachweisen. In der FLI-Mitteilung wird das nun nachgewiesene Virus daher auch als »Shamonda-like« bezeichnet.
