Ein Fußballspiel, wie es sein sollte
Wir müssen selbstverständlich mit dem Spiel beginnen, mit diesem irren Halbfinale der Fußball-Weltmeisterschaft. Wie Argentinien in den letzten Minuten den Rückstand gegen England in einen Sieg gedreht hat, das war nervenzerfetzend spannend, mitreißend leidenschaftlich und spielerisch beeindruckend. Kurz: alles, was ein Fußballspiel seinen Zuschauern bieten kann.
Lionel Messi, Spielmacher der argentinischen Nationalmannschaft
Foto: Ronald Wittek / EPA»Ich will nicht, dass dieses Spiel zu Ende geht«, hat mein Kollege Henrik Bahlmann in unserem Liveblog zum Spiel geschrieben, da waren schon zehn Minuten nachgespielt (der Blog zum Nachlesen hier ). Da möchte ich ergänzen: Mit Recht konnten wir skeptisch sein angesichts dieser aufgeblähten WM im Trump-Land, mit ihren seltsamen Trinkpausen und noch seltsameren Funktionärsentscheidungen. Aber so ein Abend entschädigt für all das. Ich will nicht, dass diese Weltmeisterschaft jemals zu Ende geht – wenn sie solche Spiele zu bieten hat.
Mehr zum Thema: Messi und Argentinien überstehen auch diese Schlacht
Der deutsche Wirtschaftsschwund
Wer etwas über den Zustand der deutschen Chemieindustrie (mehr hier ) erfahren möchte, kann heute nach Frankfurt am Main blicken: Am Vormittag um 10.30 Uhr lädt der Verband der Chemischen Industrie (VCI) dort zu seiner halbjährlichen Pressekonferenz.
Baustelle in Ludwigshafen: Trümmer, Müll, Verfall, Leerstand, Niedergang
Foto:Martin Pötter / DER SPIEGEL
Der VCI zeigt sich plakativ unzufrieden mit den politischen Entscheidungen in Berlin und Brüssel: Auf seiner Homepage ist prominent ein Video zu sehen, das zwei überdimensionale Schnecken zeigt, deren Gehäuse in den deutschen und europäischen Farben bepinselt sind. Und als wäre er ein Aktivist aus dem politischen Untergrund, sprüht ein Mensch mit Kapuzenpulli eine Botschaft aufs Straßenpflaster: »Jetzt den Turbo in Berlin und Brüssel zünden!«
Gehaltvoller als die platte Botschaft vom »Schneckentempo« sind die Eindrücke, die meine Kollegin Kathrin Werner von ihrem Besuch in Ludwigshafen mitgebracht hat, dem größten zusammenhängenden Chemiestandort der Welt. Hier begann einst der Aufstieg des deutschen Chemiegiganten BASF, und hier lässt sich heute die De-Industrialisierung Deutschlands beobachten. Keine Spur mehr vom einstigen Wirtschaftswunder, schreibt Kathrin, stattdessen »Trümmer, Müll, Verfall, Leerstand, Niedergang. Die Stadt ist seit Jahrzehnten pleite.« Und BASF? Investiert mittlerweile mehr in China als am Stammsitz.
Die ganze Geschichte hier: Wird bald ganz Deutschland aussehen wie Ludwigshafen?
Die bayerische Kandidatin
Man konnte sich auf den ersten Blick schon etwas wundern, als Markus Söder Ende April seine CSU-Parteifreundin Ilse Aigner als mögliche Bundespräsidentin ins Spiel brachte (mehr hier ). Sie habe seine »volle Sympathie und Unterstützung«, sagte Söder. Da schau her, dabei gilt diese Frau doch seit jeher als seine wichtigste parteiinterne Gegnerin, als eine Art Anti-Söder: So sympathisch, verbindlich und seriös, dass Söder sie nicht kleinkriegen, sondern nur mit höheren Ehren aus dem Weg schaffen konnte. Seit 2018 wirkt Aigner als bayerische Landtagspräsidentin.
CSU-Politikerin Aigner: Eine Art Anti-Söder
Foto: Sven Hoppe / dpaWas bedeutet nun die aktuelle Wegbeförderungsinitiative? Meine Kollegin Anna Clauß, langjährige Beobachterin der CSU, berichtet von drei unterschiedlichen Sichtweisen auf Söders Vorstoß, die innerhalb der Partei kursieren: Seine Parteigänger wollen Aigner endgültig nach Berlin wegloben. Seine Kritiker wollen Aigner für einen möglichen Putsch gegen den Chef in der Heimat halten.
Und dann gebe es noch jene, schreibt Anna, die Söder zum Abwarten raten: »Falls Kanzler Friedrich Merz nach den Landtagswahlen im Osten politisch ins Straucheln geraten würde, stünde er als Ersatzkanzler bereit. Eine Bundespräsidentin Aigner wäre da hinderlich. Zwei CSUler an der Spitze des Staates wären für die Schwesterpartei CDU undenkbar.«
Eine vierte Gruppe hat Anna allerdings nicht gefunden: Wohl keiner in der CSU hält Söders Aigner-Empfehlung für die aufrichtige Geste eines selbstlosen Förderers.
Die ganze Geschichte hier: Wird Ilse Aigner wirklich die erste Bundespräsidentin? Oder verhindern sie die eigenen Leute?
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Gewinner des Tages…
Auf der Strecke Sylt-Berlin eingesetzter ICE-L
Foto: Chris Emil Janssen / Chris Emil Janßen / picture alliance…ist ein Zugchef des ICE 2075, ein Mann mit lobenswerter Eigeninitiative. Als auf der Fahrt von Sylt nach Berlin das Toilettenpapier knapp wurde, legte er in Hamburg-Bergedorf einen außerplanmäßigen Stopp ein und ging einkaufen. Die daraus resultierende Zugverspätung ist verziehen: Sie hatte diesmal einen sehr guten Grund.
Die ganze Geschichte hier: Kein Klopapier mehr an Bord – Zugchef stoppt ICE und geht schnell einkaufen
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US-Präsident beharrt trotz Todesschüssen auf Fahrzeugkontrollen durch ICE: Zwei Männer starben zuletzt in ihren Autos bei Einsätzen der US-Einwanderungsbehörde. Trotzdem sieht Präsident Donald Trump keinen Grund, die umstrittenen Zugriffe im Straßenverkehr zu stoppen.
Russland wirft der Ukraine gezielte Tötung von AKW-Chefingenieur vor: Seit dem Frühjahr 2022 steht das größte Atomkraftwerk Europas in der Südostukraine unter russischer Kontrolle. Immer wieder sorgt Beschuss für Gefahr in Saporischschja. Nun gab es laut russischen Angaben einen Drohnenangriff auf ein Dienstfahrzeug.
Outdoor-Influencerin Härtig stirbt offenbar nach Kollision mit ehemaligem Skifahrer Runggaldier: Laura Viktoria Härtig ist Medienberichten zufolge bei einer Radtour mit dem Motorrad von Ex-Skifahrer Peter Runggaldier zusammengeprallt. Demnach starb die Influencerin knapp drei Wochen nach dem Unfall.
Heute bei SPIEGEL Extra: Wenn Sex Angst macht – und der Körper blockiert
Für manche Frauen bedeutet Penetration vor allem: Schmerzen. Eine Sexualmedizinerin erklärt, ab wann das abgeklärt werden sollte und was gegen Vaginismus helfen kann .
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.
Ihr Stefan Kuzmany, Autor der Chefredaktion
